Aus der Kälte entspringt ein Feuer

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 15. März 2019

Bezirksliga Schwarzwald

Zwei Bezirksligisten mit Ambitionen: TuS Bonndorf erwartet Titelfavorit Gutmadingen, Hölzlebruck trifft auf Hochemmingen.

FUSSBALL-BEZIRKSLIGA. Fußballer sind kraftstrotzende Kerle. Doch wenn man sie drei Monate lang aus dem Spielbetrieb nimmt, schwinden Muskeln und Antrieb. "Erstaunlich, wie schnell man abbaut", blickt Tobias Urban, Trainer des SV Hölzlebruck, auf die vergangenen Trainingswochen zurück, in denen sich die HSV-Kicker auf die Frühjahrsrunde vorbereiteten. Björn Schlageter, Übungsleiter des TuS Bonndorf, kann nur erahnen, wozu sein Team aktuell fähig ist. Die Auflösung gibt es am Sonntag: der HSV ist in Hochemmingen gefordert, die Bonndorfer erwarten Tabellenführer Gutmadingen.

TuS Bonndorf

Seit knapp 15 Monaten ist Björn Schlageter Trainer des TuS Bonndorf. Voller Vorfreude, aber auch "ein bisschen angespannt" hatte er das Team zum 1. Januar 2018 von Nils Boll übernommen, der sich damals kurzfristig aus beruflichen Gründen zurückgezogen hatte. Viel bewegt hat Schlageter seither – die vergangene Frühjahrsrunde verbrachten er und sein Team mit zahlreichen Siegen wie im Rausch. Schlageters Kompetenz ist unbestritten, doch die Leichtigkeit, die sein Team Ende der vergangenen Spielzeit auszeichnete, hat gelitten. Nicht zuletzt, weil etliche TuS-Spieler die Erfolge als Selbstverständlichkeit sahen. Leichtsinn schlich sich ein, Schludrigkeit beim Training kam dazu. Die Vorbereitung im Sommer war alles andere als gut, Schlageter haderte mit der Einstellung etlicher Spieler. Fußball sei nun mal ein Sport, in dem man sich auch kleine Fortschritte hart erarbeiten müsse. "Ohne Maloche geht es nicht", das sage er seinen Spielern immer wieder. Maloche, die in der Winterpause unvermeidlich ist. "Wenn du im Frühjahr mitspielen willst, musst du dich reinknien", weiß Schlageter, "auch ohne Ball." Die Trainingsbeteiligung war in den vergangenen Wochen so lala, weil nicht jeder den inneren Schweinehund in Schach halten konnte. Maximal zwölf Spieler kamen zu den abendlichen Übungseinheiten, was allerdings auch der Alttagsbelastung geschuldet war: Studenten und Schichtarbeiter fehlen bei den TuS-Einheiten unter der Woche.

Trainingseinheiten in der gut gebuchten Hinterzartener Soccerhalle waren eine willkommene Abwechslung zum Übungsalltag mit Zirkeltraining und zahlreichen Laufeinheiten. "Mein Fokus lag ganz klar auf der Fitness", so Schlageter, "wenn man wie wir hoch stehen will, musst du körperlich was draufhaben". Dass die Fitness stimmt und der Torhunger nach dreieinhalb Monaten Punktspielpause groß ist, bewiesen die Bonndorfer bei vier Testspielen. In Laufenburg gewann der TuS mit 3:1, besiegte Landesligist Tiengen mit 4:0 und den A-Kreisligisten Geislingen mit 5:1. Dazu kam ein souveräner 4:1-Erfolg gegen den Kreisliga-A-Tabellenführer FC Lenzkirch. Nur mit dem 1:1 gegen Schlüchttal war Schlageter nicht zufrieden. "Das war unser schlechtestes Testspiel." Das Ziel für die Frühjahrsrunde wurde Mitte Januar teamintern definiert, "aber an einer Platzierung lässt sich das nicht festmachen", so Schlageter. Auf dem Platz hat er neue Schwerpunkte gesetzt, mehr Verantwortung übernehmen sollen Timo Plum und Niklas Bernhart, dazu kommt, als Nachfolger des langjährigen Leitwolfs Florian Schlachter, ein vom Trainer bestimmter neuer Teamkapitän: Marco Morath. "Es sind Nuancen, an denen wir arbeiten müssen", so Schlageter, die Balance zwischen Abwehr und Angriff sei verbesserungswürdig. Hinten stabil stehen und vorne dennoch bissig sein, das sei der Weg, den er sich für den TuS in der Frühjahrsrunde vorstellt.

SV Hölzlebruck

Schwarzwälder Fußballer sind erdverbunden. Doch im Winter wollen sie am liebsten: weg. In die Wärme. Auf Grün, das im Schwarzwald zwischen Silvester und März unter Schnee versinkt. Tobias Urban weiß um diese Sehnsucht. Und so hat er den Fußballern des SV Hölzlebruck ein besonderes Trainingslager beschert. An der Sportschule Schöneck, unweit von Karlsruhe, bei gutem Essen untergebracht in geräumigen Zimmern und bei Traumwetter auf Grün am Ball. Bis zu 20 Grad zeigte das Thermometer beim dreitägigen Trainingslager vor der Fasnet. "Das hat unheimlich Spaß gemacht und uns vorangebracht", erinnert sich Urban an intensive Balleinheiten und beseelte Spieler. Wieder fit ist Spielmacher Peter Beha, der zum Saisonstart vom Landesligisten FC Löffingen zu seinem Stammverein zurückgekehrt war, in der Herbstrunde aber nur eine Handvoll Spiel bestreiten konnte. Seit zwei Wochen wieder am Ball ist auch HSV-Dauerläufer Patrick Koch, der nach einem Kreuzbandriss rund ein Jahr lang pausieren musste – und auch Micael DoCabo sieht der Trainer "auf einem guten Weg". Zu Beginn der Frühjahrsrunde fehlen werden Maik Straub (Knöchelverletzung) und Pascal Faller.

Aktuell stehen die Hölzlebrucker dort, wo nichts wirklich wehtut. Rang acht ist der Platz an der Schnittstelle zwischen gut und böse. Ein Rang, mit dem sich mancher HSV-Spieler gern arrangieren würde. Doch derartige Zufriedenheit ist Urban ein Graus. "Stillstand ist immer Rückschritt", sagt der Trainer, "als Fußballer darfst du nie zufrieden sein". Nur wer sich immer wieder neue Ziele setze, könne sich weiterentwickeln, "nur dann hast du auch richtig Spaß am Ball". Ob seine Spieler die Botschaft verstanden haben? "Hach", sagt Urban und dröhnt sein ansteckendes Lachen, "die Jungs hören zu und sie schmunzeln manchmal über mich".

Durchweg gut verliefen die Tests, bis auf eine Klatsche – beim Verbandsligisten Stegen unterlag der HSV mit 1:7. Die wilden Fasnettage endeten am Aschermittwochabend mit einem 2:1-Sieg gegen A-Kreisligist Hinterzarten. Tabellenachter wollen die Hölzlebrucker nicht bleiben, "mindestens Rang sechs ist unser Ziel", so Urban, für den es einen klaren Titelfavoriten gibt: "Gutmadingen macht das." Zum Auftakt der Frühjahrsrunde erwarten die Hölzlebrucker den FC Hochemmingen im Neustädter Jahnstadion. Urban freut sich auf "was Verrücktes". Das Hinspiel hatte der HSV im Herbst 2018 mit 5:3 gewonnen.