Nicht ehrfürchtig sein

dpa

Von dpa

Mi, 14. April 2021

Fussball International

Borussia Dortmund wittert vor dem Champions-League-Duell mit Manchester City Morgenluft.

Weniger Ehrfurcht, mehr Mut – bei Borussia Dortmund wächst der Glaube an ein Fußball-Wunder. Nach dem 1:2 bei Manchester City vor einer Woche ist der Respekt vor dem scheinbar übermächtigen Gegner zwar noch immer groß, aber geringer geworden.

Die Hoffnung auf das erste Halbfinale der Champions League seit 2013 erscheint vor dem Rückspiel an diesem Mittwoch (21 Uhr/Sky) nicht mehr ganz so illusorisch. "Das wäre eine unglaubliche Geschichte, wenn man sieht, wie die ganze Saison gelaufen ist. Wir wollen beweisen, dass wir die beste Mannschaft in diesem Wettbewerb vielleicht eliminieren können", sagte Trainer Edin Terzic.

Der späte Siegtreffer des Engländers Phil Foden (90.) brachte die Dortmunder am vergangenen Dienstag zwar um ein Remis, konnte ihnen aber nicht die Zuversicht nehmen. "Wir gehen mit vollem Vertrauen und dem Glauben in die Partie, dass wir eine Chance haben. Wir sind positiv gestimmt", kommentierte Thomas Delaney. Ein Erfolg könnte dem in der Bundesliga wankenden BVB ein wenig über die bei sieben Punkten Rückstand auf Rang vier wohl verpasste erneute Champions-League-Qualifikation hinwegtrösten – nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Üppige zwölf Millionen Euro zahlt die Europäische Fußball-Union (Uefa) an jeden der vier Halbfinalisten.

Schon bei einem 1:0 über das Team von Star-Coach Pep Guardiola wäre der Coup perfekt, ansonsten muss ein Erfolg mit zwei Toren Unterschied her. Allerdings sind die Engländer in jedem Spiel für einen Treffer gut, personell besser besetzt als der BVB und deshalb immer noch Favorit auf das Erreichen des Halbfinals.

Viel dürfte bei den Westfalen davon abhängen, ob Erling Haaland seine Torflaute beendet. Der mit zehn Treffern beste Schütze dieser Champions-League-Saison ist seit dem 20. März erfolglos. Einen Zusammenhang zwischen dieser Ladehemmung und den jüngsten Wechselgerüchten um Haaland, die dessen Berater Mino Raiola mit einer Reise zu Clubvertretern des FC Barcelona geschürt hatte, sieht Terzic nicht: "Ich merke davon nichts."

Als Anschauungsunterricht, wie der Tabellenführer der Premier League um den deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan zu knacken ist, taugen die Bilder vom vergangenen Punktspiel der "Citizens". Denn anders als der BVB, dem ein hart erkämpftes 3:2 in Stuttgart gelang, verpatzte Manchester am vergangenen Wochenende die Generalprobe. Die von Taktikfuchs Marcelo Bielsa gut eingestellten Gäste aus Leeds verteidigten beim 2:1-Erfolg auch in Unterzahl entschlossen und konterten erfolgreich. Eine ähnliche Spielidee verfolgt Edin Terzic gegen das für seinen dominanten Ballbesitz-Fußball bekannte Ausnahme-Team. Der BVB-Coach schwor seine Profis auf eine noch härtere Prüfung als im Hinspiel ein: "Der Glaube ist groß, aber der Glaube allein wird uns nicht reichen. Wir haben in Manchester zwar ein gutes Spiel gemacht, konnten es aber nicht gewinnen. Wir müssen noch eine Portion draufpacken." Bei dieser Mission sind Kapitän Marco Reus und Abwehrchef Mats Hummels für tragende Rollen vorgesehen. Doch der Einsatz der Routiniers, die in Stuttgart ausgewechselt wurden, bleibt bis kurz vor der Partie fraglich. "Beide haben viel Erfahrung in der Champions League. Es würde uns eine Menge helfen, wenn sie auf dem Platz stehen würden", sagte Abwehrspieler Manuel Akanji.