Systematische Bubenstreiche

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mi, 10. Juli 2019

Landesliga Staffel 3

Uli Bärmann baut beim FC Löffingen auf Kicker mit Charakter.

FUSSBALL-LANDESLIGA. Uli Bärmann überragt sie alle, ist gelassen wie eh und je und nennt die gestandenen Kerle des Landesligisten FC Löffingen, die er nach gerade einmal fünf Wochen Fußballpause zum Trainingsauftakt begrüßt, "meine Buben". Der baumlange Trainer kennt nach einem Jahr als engster Vertrauter die Vorzüge und Macken seiner Kicker und gibt für die Mannschaft, die komplett zusammenblieb, die Richtung für die sechste Landesligasaison seit dem Aufstieg aus der Bezirksliga vor: "Wir wollen uns weiter verbessern."

Die Zeit ohne Ball war kurz und manchem FCL-Kicker doch zu lang. "Die Jungs sind heiß auf die neue Saison", ist Bärmann überzeugt. Doch es gibt Sorgen. Für Torjäger Benjamin Gaudig ("ich darf nur Rad fahren und Schwimmen") ist nach einer Lungenverletzung, die er sich in der vorletzten Partie der vergangenen Saison bei einem Zusammenprall mit einem Spieler des FC Villingen II zugezogen hatte, noch nicht an Fußball zu denken. Alexander Schuler plagt sich mit einer Bänderverletzung, Marco Bürer und Nico Klein humpeln mit gebrochenen Zehen. Mit Innenverteidiger Lukas Hug aus Tannheim, der vom Bezirksligisten DJK Villingen kam, Lars Sulzmann (Hüfingen), Fabian Benz (SB/DJK Rosenheim) und Marcel Wetterer, der bislang bei den A-Junioren des FC 08 Villingen im Tor stand, gibt es vier "echte" Neuzugänge, dazu kommen Nico Klein und Dario Farace aus dem Kader der zweiten Mannschaft sowie die Löffinger A-Junioren Sven Plasch, Tim Foos und Torwart Marcel Wetterer. Verlassen hat den FC Löffingen? "Niemand", sagt Bärmann mit erkennbarem Stolz in der Stimme, "das ist halt ein toller Haufen mit klasse Zusammenhalt". Auf Abschied stehen allerdings die Zeichen für Patrick Willmann, dem nach einer Knieverletzung das Karriereende droht.

Längst daheim fühlt sich Bärmann beim FCL, in seinem ersten Jahr als Löffinger Trainer erreichte er Rang acht und hat die Vorzüge und die Macken seiner Kicker kennengelernt: "Ich weiß jetzt noch genauer, wo ich ansetzen muss." Flexibler soll die Trainingsgestaltung werden, taktisch will Bärmann sein Team weiterentwickeln. "Wir müssen unser Portfolio erweitern", sagt der Trainer und denkt an Systemveränderung. Aus einem 4-4-2-1 wolle er auch mal eine Dreier- oder eine Fünferkette bauen. Das erfordert Fleiß, Köpfchen und Ballsicherheit – Tugenden, die Bärmann seinen Kickern ohne Wenn und Aber zutraut. Und wann werden aus seinen Buben Männer? "Wenn sie in der AH spielen", sagt Bärmann und lacht sein dröhnendes Lachen.

Ein einstelliger Tabellenplatz sei mit seiner Elf in der kommenden Saison allemal drin. Wie weit es mit dem FCL nach oben gehen kann, will Bärmann nicht verraten: "Natürlich haben wir ein internes Ziel." Womöglich liegt das gar nicht so weit weg vom erklärten Titelfavoriten FC 08 Villingen II, der nach zwei Vizemeisterschaften endlich nach oben will. Und natürlich wollen die Löffinger wieder vor dem Hochschwarzwald-Konkurrenten FC Neustadt landen. Bärmann kennt den neuen FCN-Trainer Zeljko Cosic ("das ist ein Typ mit Kanten") aus robusten Begegnungen in aktiven Fußballerzeiten, "aber wir haben noch nicht oft ein Bier miteinander getrunken". Glück wünscht er dem FCN, "aber zuerst und zuletzt geht es um den FC Löffingen".

Der Traditionsverein steckt mitten in einem Umbruch, der kommissarische Vereinschef Rainer Knöpfle könnte bei der Jahreshauptversammlung in der kommenden Woche zum Boss gewählt werden – und FCL-Stürmer Benjamin Gaudig womöglich zum Spielausschussvorsitzenden. Andreas Hirschbolz, der bisher die sportliche Richtung im Vorstand vorgab, wird schließlich als Aufbauhelfer gebraucht: der 56-Jährige, freundlich im Umgangston, beharrlich in Detailfragen, ist neuer Trainer der FCL-Reserve, die in der Kreisliga A nicht erneut in Abstiegsnot geraten soll. "Genug geredet", befindet Veronika Rudigier, seit fünf Jahren Physiotherapeutin des FC Löffingen und bittet unmissverständlich zu Dehn- und Streckübungen auf dem Rasen, die für Männer um die 30 an Folter erinnern. "Kicker sind hüftsteif wie Radfahrer", weiß die Mittsechzigern. "Die Vroni ist für uns alle eine Bereicherung", so Co-Trainer Frank Löffler. "Ich bin hier die Mutter Teresa", sagt R. über R. und fordert mit Feldwebelton: "Hintern runter, abwärts mit der Kiste." Der Schweiß fließt in Strömen, Uli Bärmann hat sichtlich seinen Spaß und ignoriert die Aufforderung, mitzuleiden: "Da würd’ mir die Hüfte rausspringen."

Eine halbe Stunde dauert die Vroni-Fron. Biegsam wie Bananen wähnt der Trainer danach seine Buben. "Na Männer", fragt Bärmann, "wer freut sich jetzt auf mich?"