Rießles erster Sommer-Coup

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mi, 11. September 2019

Nordische Kombination

Kombinierer der SZ Breitnau Grandprix-Sieger in Tschagguns.

BREITNAU. Fabian Rießle, Mannschafts-Olympiasieger in der Nordischen Kombination, haderte vor zwei Wochen noch mit seiner Form auf der Schanze. Die Sprünge gerieten zu kurz, die Weltcup-Konkurrenten überflügelten den 28-Jährigen von der SZ Breitnau. Doch auf Skirollern war der St. Märgener eine Klasse für sich und eroberte das rote Trikot des besten Rouleurs. Jetzt gelang Rießle der erste große Erfolg der neuen Saison. Im österreichischen Tschagguns gewann er den fünften Sommer-Grandprix vor dem Italiener Samuel Costa.

In Vorarlberg fühlt sich der Wahl-Kirchzartener sichtlich wohl. Die Berge rund um Tschagguns und Schruns sind ihm vertraut und nach seinem Triumph vor zwei Jahren dominierte der amtierende Zweierteam-Sprintweltmeister erneut in Österreich. Nach einem soliden, aber nicht überragenden Sprung auf Rang 14 ging Rießle mit 1:06 Minuten Rückstand in das Skiroller-Rennen über zehn Kilometer und rollte die Konkurrenz von hinten auf. Wie ein Berserker stürmte der ehemalige Mountainbiker über den Asphalt, überholte und überholte und gewann das Rennen und den Grandprix mit überlegener Laufbestzeit. "Passt schon", befand Rießle mit breitem Grinsen im Ziel.

Beim Sommer-Grandprix-Finale im slowenischen Planica bot Rießle erneut eine Demonstration der Stärke, handelte sich auf dem 140-Meter-Bakken vergleichsweise geringe Zeitrückstände ein und skatete zweimal auf Rang sieben. Das rote Trikot des besten Skiroller-Sprinters verlor er jedoch in Slowenien noch an den Italiener Raffaele Buzzi, der nach Rang 50 auf der Schanze die beste Laufzeit auf den Asphalt zimmerte und Rießle im Fernduell um die Skiroller-Wertung um 5,7 Sekunden distanzierte.

In der Sommer-Grandprix-Gesamtwertung landete Rießle hinter dem österreichischen Dominator Franz Josef Rehrl und dem überraschend starken Italiener Samuel Costa auf Rang fünf und war mit Abstand bester DSV-Kombinierer. Der fünfmalige Weltcup-Gesamtsieger Eric Frenzel (Oberwiesenthal) belegte Rang 14, Manuel Faißt vom SV Baiersbronn, daheim in Oberhof, bestritt nur die Wettkämpfe in Klingenthal (14.) und Oberhof (21./18.). Großen Anteil an Rießles Fortschritten auf der Schanze hatte, wie schon oft in den vergangenen Jahren, sein findiger Heimtrainer Albert Wursthorn von der SZ Breitnau. "Der Fabi ist auf einem guten Weg", sagt Wursthorn, "die Probleme auf dem Bakken werden kleiner und lassen sich immer besser umschiffen".

Einer, der in absehbarer Zukunft den Sprung in den Weltcup der Nordischen Kombinierer schaffen könnte, ist Jonas Maier vom SC Waldau. Der unweit des "Schneebergs" aufgewachsene lange Lulatsch ist ein stabiler Flieger mit noch steigerungsfähiger Endschnelligkeit auf schmalen Latten und Skirollern. In Tschagguns kämpfte sich Maier auf Rang 28, beim Sommer-Grandprix-Finale in Planica belegte er die Ränge 43 und 37. "Das ist eine andere Welt, als die, die ich kannte", blickt der 20-Jährige auf seine ersten Vergleiche mit der Weltspitze zurück: "Ich habe viel gelernt. Und ich muss noch viel lernen."