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Betrugsversuch

Falscher Sohn meldet sich per WhatsApp-Nachricht – und will Geld

Mario Schöneberg

Von

Mi, 19. Januar 2022 um 17:46 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Die Polizei beobachtet eine neue Version des Enkeltrick-Betrugs – über die Nachrichtenplattform WhatsApp. Dass es solche Fälle auch in der Region Freiburg gibt, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Neuenburg.

Eine Nachricht per WhatsApp? Das kann auch ein Betrugsversuch sein.  | Foto: Fabian Sommer
Eine Nachricht per WhatsApp? Das kann auch ein Betrugsversuch sein. Foto: Fabian Sommer
Mit einer neuen Version des so genannten Enkeltricks versuchen Kriminelle auch in der Region Freiburg, arglose Menschen um ihr Geld zu betrügen. Sie nutzen soziale Medien wie die Nachrichtenplattform WhatsApp und hoffen darauf, dass die zumeist älteren Opfer glauben, dass nur echte Angehörige und Bekannte ihre Kontaktdaten kennen können.
Dossier: Alle BZ-Berichte über den Enkeltrick

Ein Fall aus Neuenburg, den die Polizei in Müllheim bearbeitet, lässt aufhorchen. Von einer "außergewöhnlichen Vorgehensweise" spricht Denise Briege von der Führungsgruppe des Müllheimer Reviers. Mit einer unbekannten Handynummer hätten die mutmaßlichen Betrüger den Geschädigten über den Nachrichtendienst WhatsApp kontaktiert und sich als dessen Sohn ausgegeben. "Die unbekannte Rufnummer wurde mit einer Reparatur des eigenen Mobilfunkgerätes begründet. Der vermeintliche Sohn gab weiterhin an, noch dringende Überweisungen tätigen zu müssen, und bat den Geschädigten, die Überweisungen für ihn vorzunehmen, was dieser glücklicherweise ablehnte, wie Denise Briege sagt. Später habe der Geschädigte auf anderem Wege mit seinem Sohn Kontakt aufgenommen, den Betrugsversuch dadurch erkannt und die Polizei verständigt.

Vorgetäuschte Rufnummern

Bislang seien beim Polizeirevier Müllheim keine weiteren Fälle mit dieser oder einer ähnlichen Vorgehensweise bekannt geworden, bei denen über soziale Medien oder Nachrichten-Dienste Kontakt zu möglichen Opfern aufgenommen worden sei, erläutert Denise Briege. "Es ist aber durchaus möglich, dass sich weitere Geschädigte nach Veröffentlichung der Pressemeldung bei uns melden." Über die Erfolgschancen, diese Straftat aufzuklären, könne sie noch nicht viel sagen, so die Polizistin, die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang. "Generell sind die Chancen aber eher gering, da es sich häufig um gespoofte, das heißt vorgetäuschte Rufnummern handelt, und somit der Anschlussinhaber nicht ermittelt werden kann." Und die Rufnummer des mutmaßlichen Betrügers sei bis dato der einzige Hinweis.

Noch keine Häufung der Fälle in der Region

Das Phänomen der Kontaktaufnahme über WhatsApp sei landesweit nicht ganz neu, in der Region Freiburg sei zuletzt zumindest keine Häufung aufgetreten, sagt Polizeioberkommissar Thomas Spisla, Social-Media-Manager beim Freiburger Polizeipräsidium. Die Frage, ob solche Betrugsversuche durch die Pandemie zugenommen haben, müsse erst noch genauer untersucht werden. "Aus meiner Einschätzung heraus handelt es sich um eine neue Form des Enkeltricks, bei dem man einfach den Umstand ausnutzt, dass auch Oma und Opa immer häufiger den Umgang mit WhatsApp pflegen und viele eben über die damit verbundenen Risiken und Gefahren nicht ausreichend informiert sind", sagt Spisla. Es gebe viele Wege, um an Mobilfunknummern heranzukommen. "Die Täter sind computer-technisch vermutlich sehr versiert und sicher auch in der Lage, Hacking-Programme zu verwenden, um an Telefonnummern zu gelangen. Allerdings ist auch davon auszugehen, dass Datensätze teilweise legal zu Werbezwecken erworben werden." Gemeint sei, dass beim Abschluss eines Mobilfunkvertrags der Option, die Daten zu Werbezwecken weiterzugeben, oft wissentlich oder versehentlich zugestimmt werde.

"Daher sollte man das Kleingedruckte bei Abschluss eines Mobilfunkvertrags genau lesen", betont der Polizeioberkommissar.

Unbekannte Nummern nicht auf dem Handy speichern

In ihren Hinweisen zur Kriminalitätsprävention rät die Polizei zudem, unbekannte Nummern bei Kontaktversuchen jeglicher Art nicht sofort auf dem Handy abzuspeichern und die Sicherheitseinstellungen des verwendeten Nachrichtendienstes zu überprüfen.

Zudem sollten Betroffene bei Angehörigen oder Bekannten unter ihren bisherigen Kontaktdaten nachfragen, ob die neue Nummer wirklich stimmt. Und wenn nach Geld oder Überweisungen gefragt werde, sollte das grundsätzlich misstrauisch machen.

Ressort: Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Dossier: Enkeltrick

  • Zum Artikel aus der gedruckten BZ vom Do, 20. Januar 2022:
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