Feierabendrunde mit Genuss

X

Von X

Mi, 03. Mai 2017

Südwest

BZ-SERIE GEMÜSE & CO (TEIL 0): Text /.

Feierabend! Endlich! Nichts wie raus und aufs Rad. Für eine lockere Feierabendrunde. Ohne Stress, ohne Zeitdruck, einfach knapp zwei Stündchen kurbeln, den Alltag im Büro lassen, den Kopf freibekommen und das Feierabendbier verdienen. Also los!

An der Tourist-Info in Kirchzarten geht’s los. Drin haben zwei freundliche Damen allerhand zu tun, um die Fragen der Touristen zu beantworten, Prospekte zu verteilen, Tipps für die Freizeitgestaltung zu geben. An einem Seitenfenster hängt die 7-Tage-Prognose für das Wetter in Kirchzarten: Sonne, Sonne, Sonne – 23 Grad, 25 Grad, 26 Grad. Perfekt!

Das schmucke Städtchen mit seinen knapp 10 000 Einwohnern (inklusive der Ortsteile Burg und Zarten) will da nicht nachstehen, schließlich schlägt in Kirchzarten, elf Kilometer östlich von Freiburg gelegen, das Herz des Dreisamtals. Nette Geschäfte gibt es rund um die Fußgängerzone, gemütliche Kneipen und gehobene Gastronomie – es wird schnell klar, warum Kirchzarten beliebt ist bei Urlaubern.

Und bei Mountainbikern. 1997 fand in und um Kirchzarten das erste Mountainbikerennen statt, das inzwischen in der Szene als Ultra-Bike Kultstatus genießt. Tausende ambitionierter Mountainbiker kämpfen sich Jahr für Jahr – 2014 fiel die Veranstaltung hoffentlich nur einmalig aus – die Berge des Schwarzwalds hoch, um nach der Zielankunft im Rund des Stadions den Sieg gegen den inneren Schweinehund feiern zu können.

Den werden wir heute nicht bekämpfen müssen. Vielmehr lassen wir ihn mitfahren und freuen uns über seine Begleitung. Zu zweit radeln macht einfach mehr Spaß. Von der Tourist-Info rollen wir über Radwege gemütlich Richtung Unterbirken und weiter nach Stegen. Dort überqueren wir den kleinen Eschbach und radeln ein erstes Mal in den Wald. Der Anstieg ist leicht, genau richtig zum Einfahren. Nach einer kurzen Abfahrt sind wir schon im schönen Attental. Wir folgen den gelben Mountainbikeschildern, zuerst noch auf Asphalt, später geht es wieder in den Wald und auf einen gut befahrbaren Forstweg. Jetzt wird es ernst – aber nur ein bisschen. Denn die Steigungen sind kommod, zwischen sechs und 13 Prozent zeigt der Tacho am Rad an. Meter für Meter machen wir gut Richtung Streckereck und Rosskopf. Nach gut zehn Kilometern Gesamtstrecke und 300 Höhenmetern öffnet sich in einer Rechtskurve der Wald und gibt den Blick frei Richtung Feldberg und Schauinsland.

Die Abwechslung tut den Augen gut, nachdem wir eine ganze Zeit vor lauter Bäumen fast den Wald nicht mehr gesehen haben. Wir haben das meiste an Höhenmetern geschafft und deshalb ist es höchste Zeit für eine kurze Pause – und für einen Blick auf das, was die Natur uns dort oben bietet. Der Ginster blüht in einem satten Gelb, rote, saftige Walderdbeeren verstecken sich hinter dichtem Grün, der lila Fingerhut weht sachte in der leichten Sommerbrise.

Bis zum Streckereck sind es noch rund zwei Kilometer, ein kurzes Stück Kandelhöhenweg eingeschlossen. 415 Höhenmeter zeigt der Tacho wenig später an, eine Stunde und 15 Minuten sind vergangen, seit wir in Kirchzarten losgeradelt sind. Am Streckereck – Touristiker haben den Begriff "Aussichtsbalkon" für den Platz über Freiburg kreiert – nehmen wir sofort die überdimensionale Holzliege in Beschlag. Belohnung muss schließlich sein, auch bei einer Genusstour. Gemütlich liegt es sich, die Aussicht reicht rüber bis an den Kaiserstuhl und weiter in die Vogesen, ins Föhren- und Glottertal. Schön ist es!

Feierabendrunde
ins Dreisamtal

Kein Wunder, dass das Streckereck beliebte Anlaufstation ist – für Wanderer, Mountainbiker und Jogger, die über das Wildtal oder den Rosskopf kommen. Auch Grillfreunde und Feierfreudige mögen das Streckereck, wie die große Feuerstelle samt "vergessenem" Leergut zeigt. Apropos Genuss: Wir (Kollege Schweinehund hat da ein Wörtchen mitzureden) müssen uns jetzt entscheiden, die Feierabendrunde mit einer Abfahrt zurück ins Dreisamtal gemütlich ausklingen zu lassen – oder ob wir die paar Meter hoch zum Rosskopf mitnehmen, den Turm hochsteigen und anschließend die technisch anspruchsvollen Trails Richtung Freiburg ausprobieren.

Weil wir von Freiburg aus aber noch zurück zum Ausgangspunkt müssen und gerne in Kirchzarten unser Feierabendbier trinken würden, nehmen wir die Originalroute und fahren bergab über Forstwege. Zurück im Dreisamtal, rollen wir auf Nebenstraßen und Radwegen nach Kirchzarten. Die Tourist-Info hat inzwischen geschlossen, das macht aber gar nichts. Geöffnet haben die Kneipen und Restaurants – und dort gibt es jetzt zum Abschluss der gemütlichen Feierabendrunde das wohlverdiente Feierabendbier. Prost!

Morgen lesen Sie: Unterwegs
auf dem Rhein-Schuttertal-Radweg

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