Pannenreaktor

Fessenheim wird mit mangelhaften Schweißnähten betrieben

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mi, 18. September 2019 um 13:47 Uhr

Elsass

Die Serie an Problemen mit dem Atomkraftwerk Fessenheim reißt nicht ab: Nun sind nicht vorschriftsgemäß ausgeführte Schweißnähte in zentralen Bausteinen der Anlage bekannt geworden. Der Betreiber sieht kein Sicherheitsrisiko.

Der französische Stromkonzern Electricité de France (EDF) hat Herstellungsmängel an sechs Reaktoren in Frankreich eingeräumt, darunter auch Reaktor 2 des Akw Fessenheim. In Frage stehen die Schweißnähte von 16 Dampferzeugern. Dies geht aus einer Mitteilung des Konzerns vom Mittwoch hervor.

Nach einer Prüfung der betroffenen Komponenten gemeinsam mit deren Hersteller Framatome ist man bei EDF allerdings der Ansicht, "die festgestellten Abweichungen stellen eine Nutzung des Materials nicht in Frage". EDF sieht demnach kein Sicherheitsrisiko. Fragt sich, ob die französische Atomaufsicht (ASN), die vergangene Woche informiert wurde, derselben Ansicht ist.

Alle drei Dampferzeuger können betroffen sein

Deren Sprecherin bestätigte auf Anfrage der Badischen Zeitung am Mittwoch, dass alle drei in Reaktor 2 des Akw Fessenheim eingebauten Dampferzeuger grundsätzlich von den durch EDF angezeigten Fehlern betroffen sein könnten.

Genauer: Die thermische Bearbeitung der Schweißnähte soll nicht vorschriftsgemäß ausgeführt worden sein. Fachleute sprechen hier von "Spannungsarmglühen". Die Behandlung der Nahtstellen zusammengefügter Bauteile bei mehreren hundert Grad Celsius über mehrere Stunden hinweg soll Spannung im Material abbauen und die Stabilität erhöhen. Bei diesem Vorgang seien bei Framatome, so die Sprecherin der ASN, die vorgeschriebenen Minimal- wie Maximaltemperaturen nicht eingehalten worden.

Wurden die mechanischen Eigenschaften beeinträchtigt?

Einem Papier des französischen Forschungsinstituts für nukleare Sicherheit (IRSN) ist zu entnehmen, das von Framatome angewandte Verfahren habe keine homogene Temperatureinwirkung auf die Komponenten erlaubt. Es sei zu prüfen, ob die mechanischen Eigenschaften des Materials beeinträchtigt worden seien – was dann wohl sicherheitsrelevant wäre.

Der Stromkonzern selbst hat zusammen mit dem Hersteller Framatome die Mängel festgestellt und untersucht – eines Verfahrens, das Framatome bereits seit 2008 anwendet. Aber erst jetzt sind anscheinend Zweifel daran aufgekommen. Dabei werden Komponenten von beachtlicher Größe wie Dampferzeuger nicht komplett erhitzt. Die Bearbeitung der Schweißnähte wird lokal vorgenommen. Die ASN will jedenfalls noch diese Woche die Produktionsstätte von Framatome in Saint Marcel südlich von Dijon in Augenschein nehmen.

Organisation fordert die Abschaltung des Akw

Einer der fraglichen Dampferzeuger aus Fessenheim 2 war im übrigen Grund für dessen Abschaltung für die Dauer von fast zwei Jahren zwischen 2016 und 2018. In der Reaktorschmiede Le Creusot war es bereits zu Schlampereien gekommen. Die Atomaufsicht hatte ihn dennoch als sicher bewertet und die Inbetriebnahme im März 2018 genehmigt.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund fordert André Hatz, Sprecher der elsässischen Organisation Stop Fessenheim, eine Abschaltung des Akw, zumindest bis die Atomkontrolleure der Expertise der EDF eine eigene entgegenstellen könnten. "Nach Stahl von schlechter Qualität haben wir es bei Fessenheim 2 nun auch noch mit mangelhaften Schweißnähten zu tun", kritisiert Hatz in einem Schreiben an Pierre Bois, den Leiter der ASN in Straßburg.