Oberkirch / Kappelrodeck

Fieberambulanz und Infekt-Sprechstunde eingerichtet – Hausärzte müssen Termine machen

mbr

Von mbr

Do, 26. März 2020 um 17:41 Uhr

Ortenaukreis

In Oberkirch und Kappelrodeck sind gezielt Ambulanzräume für Patienten eingerichtet worden, die vom neuartigen Corona-Virus infiziert sind. Am Freitag geht es in den beiden Kommunen los.

"Fieberambulanz" in Oberkirch

Für den Oberkircher Arzt Jan-Peter Juwana ist die Spitze des Corona-Eisbergs längst noch nicht erreicht. Bereits vergangene Woche ist der Facharzt für Arbeitsmedizin mit dem Vorschlag auf OB Braun zugegangen, in Oberkirch eine "Fieberambulanz" der KV einzurichten und dafür Räume zu suchen. "Wir werden diese Ambulanz ab diesen Freitag in der Musikschule einrichten", sagte Braun am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Rathaus. Um Patienten mit Corona-Infektion beim Arztbesuch räumlich deutlich von denen zu trennen, die sich nicht angesteckt haben, sei eine solch pragmatische Lösung gut, so Braun. Die Räume der Musikschule in der Butschbacher Straße seien optimal für einen solchen Ambulanz-Standort geeignet. Das Gebäude habe einen ebenerdigen Zugang, davor viele Parkplätze.

Kooperation mit den Hausärzten

Sinn und Zweck einer "Fieberambulanz" sei es, all die Corona-Patienten zu begleiten und zu versorgen, die nicht klinikpflichtig seien, erläuterte Doris Reinhardt, Kreisbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und Allgemeinmedizinerin aus Friesenheim. Infekt-Patienten müssten in der ambulanten Versorgung von den sonstigen Erkrankten getrennt werden. "Um solche Strukturen professionell zu gestalten, braucht es Informationen aus den Hausarztpraxen an die behandelnden Ärzte in diesen Corona-Ambulanzen. Insofern übernehmen die Hausärzte auch hier das Heft des Handelns und steuern mit ihrem Wissen über den Patienten auch die Behandlung." Die Untersuchung der Corona-Patienten finde dann in der speziellen Ambulanz statt.

"Infekt-Sprechstunde" in Kappelrodeck

Ganz ähnlich funktioniert das System der Patienten-Trennung auch in Kappelrodeck, wo Bürgermeister Stefan Hattenbach die Einrichtung einer "Infekt-Sprechstunde" bekanntgegeben hat: "Wir versuchen, Infektionsketten zu unterbrechen, wo auch immer das möglich ist." Geschaffen werde eine hundertprozentige räumliche Trennung: "Die Gemeinde stellt, bis der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann, einen Raum der Schlossbergschule zur Verfügung."

"Wenn wir mit innovativen, vertretbaren Mitteln Beiträge zur Eindämmung der Corona-Pandemie leisten können, dann ist das für uns das Gebot der Stunde", so Hattenbach. Die Sprechstunden erfolgen in Kappelrodeck ausschließlich nach telefonischer Vereinbarung und Vorbefragungen. "Die Patienten warten im Auto, wo dann in Einzelfällen auch Abstriche gemacht werden können" – für Hattenbach, eine Art von "Drive-In".

Patienten in beiden Ambulanzen werden via Handy zum Betreten der Räume aufgefordert.



Termin durch den Hausarzt


"Wer einfach so vor unserer Tür steht, wird gnadenlos abgewiesen", erklärte Jan-Peter Juwana die Vorgehensweise in Oberkirch. Einen Termin bekomme man ausschließlich über den Hausarzt. Dieser informiere die Ambulanz per Fax über den Patienten.

Und wer soll die Patienten in den Ambulanzen behandeln? Doris Reinhardt denkt da vor allem an Medizinstudenten. Zwar gebe es auch immer eine große Anzahl von Ärzten, die auch im Ruhestand noch sehr aktiv seien. "Aber davon sind ja viele auch schon Risiko-Patienten. Diese erfahrenen Kollegen können wir zwar bestens gebrauchen, aber zu ihrem eigenen Schutz eher in den administrativen Bereichen." Und die Ausstattung der Fieberambulanz? "Wir brauchen nicht viel. Das Stethoskop ist unser bester Freund. Damit können wir die Patienten abhören und wissen so schnell, woran wir sind", sagt Jan-Peter Juwana.