Auszeichnung

Filmemacherin Ulrike Ottinger erhält Hans-Thoma-Preis

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 03. März 2021 um 11:07 Uhr

Kino

Die in Konstanz geborene Filmemacherin und Künstlerin Ulrike Ottinger erhält den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg. Im Sommer 2020 war sie mit zwei monumentalen Filmen in Freiburg.

Die Filmemacherin, Fotografin und Malerin Ulrike Ottinger wird mit dem Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet, wie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mitteilt. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis ist die bedeutendste Auszeichnung, die das Land im Bereich der Bildenden Kunst vergibt. Er ist traditionell verbunden mit einer Einzelausstellung im Hans-Thoma-Museum in Bernau im Schwarzwald. Dort ist für den 15. August auch die Preisverleihung geplant.

"Ulrike Ottinger ist eine der aktuell einflussreichsten Künstlerinnen aus Baden-Württemberg", sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski am Mittwoch in Stuttgart. "Der Reichtum ihres künstlerischen Wirkens ist geradezu unerschöpflich." Die in Konstanz geborene Künstlerin kam im Sommer 2020 mit zwei Filmen, darunter der achtstündigen Dokumentation "Taiga" beim Freiburger Festival "Ins Weite".
"Manchmal braucht ein Film acht Stunden Zeit":
BZ-Interview mit Ulrike Ottinger zu ihren Filmen beim Freiburger Festival"Ins Weite" 2020

"Ulrike Ottinger ist eine Persönlichkeit, die in ganz verschiedenen Kunstgenres Werke von internationaler Gültigkeit geschaffen hat: in der Filmkunst, der Fotografie und auch in der Malerei", sagte Petra Olschowski. "In Zeiten, in denen die Kunst vor allem von männlichen Protagonisten geprägt war, gelang es ihr gegen alle Konventionen einen sehr eigenständigen und bildstarken Stil zu entwickeln, der bis heute aktuell und für viele Künstlerinnen und Künstler inspirierend ist. Ich freue mich sehr, dass unser wichtigster Preis für bildende Kunst dieser Ausnahmekünstlerin für ihr Lebenswerk verliehen wird."

Die Jury spricht den Hans-Thoma-Preis 2021 einer Künstlerin zu, "die sich seit Beginn ihres künstlerischen Schaffens gegen die dominanten Bildkulturen und filmischen Konventionen ihrer Zeit wandte.

Stets Avantgarde: Von der Pop-Art zum Film

Ulrike Ottinger entwickelte einen unverwechselbaren visuellen Stil, der sich durch eine extravagante und überbordende Bildsprache auszeichnet. In ihrer Kunst verlässt sie gewohnte Erzählstrukturen und ersetzt sie durch komplexe Meditationen über Geschlecht, sexuelle Identität und Macht."
Ulrike Ottinger, geboren 1942 in Konstanz, eröffnete Anfang der 1960er Jahre ihr Atelier in Paris, wo sie sich als Malerin zu einer der bedeutendsten Repräsentantinnen der Pop-Art in Europa entwickelte. Ende der 1960er Jahre widmete sie sich vermehrt dem Filmen, schrieb Drehbücher und etablierte sich schließlich ab den 1970er Jahren mit ihren experimentellen Film-Dokumentationen und Spielfilmen in der internationalen Filmszene. Ulrike Ottinger ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 2011 wurde ihr künstlerisches Gesamtwerk mit dem Hannah-Höch-Preis der Stadt Berlin gewürdigt. Seit 2019 ist sie Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jährlich die Academy Awards ("Oscars") verleiht. Sie lebt in Allensbach am Bodensee.
"Ich freue mich sehr, dass unser wichtigster Preis für bildende Kunst dieser Ausnahmekünstlerin verliehen wird."Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski
Ulrike Ottingers Filme wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesfilmpreis und dem Preis der deutschen Filmkritik. Ihre Werke sind Teil der wichtigsten internationalen Filmfestivals und wurden vielfach in Retrospektiven gewürdigt, zum Beispiel im New Yorker Museum of Modern Art, in der Pariser Cinémathèque française, dem Centre Pompidou, der Biennale di Venezia und jüngst im Louvre in Paris. 2020 erhielt sie die Berlinale Kamera im Rahmen der 70. Internationalen Filmfestspiele.
Ulrike Ottinger arbeitet auch als Regisseurin und Bühnenbildnerin für Theater und Oper. Sie inszenierte unter anderem "Clara S." an den Staatstheatern Stuttgart (1983) oder "Das Lebewohl" am Berliner Ensemble (2000). Darüber hinaus widmet sie sich seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn der Fotografie und setzt mit ihren Bildern, die meist im Vorfeld oder parallel zu den Filmarbeiten entstehen, eigene visuelle Akzente. Ihre Arbeiten waren auf der Biennale di Venezia, der Documenta 11, der Berlin Biennale sowie im Witte de With – Center for Contemporary Art Rotterdam, dem Museo Nacional Reina Sofia in Madrid, den Kunst-Werken Berlin und im NTU Center for Contemporary Art in Singapur zu sehen.