Stuttgart

Florian Schroeder und Thomas Berthold polarisieren bei Corona-Demo

dpa/BZ

Von dpa & BZ-Redaktion

So, 09. August 2020 um 14:55 Uhr

Südwest

Ein Kabarettist und ein Ex-Fußballer sind bei der "Querdenker"-Kundgebung in Stuttgart aufgetreten: Während Florian Schroeder den Teilnehmern den Spiegel vorhielt, solidarisierte sich Thomas Berthold mit ihnen.

Der provokative Auftritt des aus dem Kreis Lörrach stammenden Kabarettisten Florian Schroeder hat im Netz viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Schroeder (40) kam nach eigenen Angaben am Samstag auf die Bühne, um "die Grenzen ihrer Meinungsfreiheit" auszutesten. Für seine ersten Äußerungen bekam er noch Applaus, wie ein Video zeigt, das Schroeder in seinem eigenen Youtube-Kanal verbreitete: "Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream" sagt er, und: "Man hat mir gesagt, hier in Stuttgart ist die Freiheit."

"Wenn Ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst Ihr meine Meinung aushalten." Florian Schroeder
Doch recht schnell nimmt die Begeisterung des Publikums ab. Schroeder fragt, ob wir "in einer Corona-Dikatatur" leben. Nach einem vielstimmigen "Ja" aus der Menge argumentiert der Kabarettist dagegen: "Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dann dürftet Ihr euch hier gar nicht versammeln, dann dürftet Ihr hier gar nicht stehen."

Youtube: Der Auftritt von Florian Schroeder in Stuttgart



Auch auf die Frage: "Wollt Ihr die totale Meinungsfreiheit?" ist von den Zuhörern ein lautes "Ja" zu hören. Anschließend sagt Schroeder: "Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit ist, und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstand halten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können." Dafür erntet er Buhrufe und schiebt hinterher: "Wenn Ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst Ihr meine Meinung aushalten."

Fußballweltmeister Thomas Berthold ist auf derselben Kundgebung aufgetreten. Der 55 Jahre alte Ex-Profi forderte unter anderem, dass die Menschen wieder angstfrei leben sollten. Er habe kein Vertrauen in die Regierung.

"Pandemie der Lügen"

Nach Angaben der Polizei nahmen mehrere Hundert Menschen teil, die Veranstalter nannten die Zahl 5000. Demonstration und Kundgebung seien friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen.

Einige Demonstranten zeigten Transparente mit Aufschriften wie "Mit Maske – Ohne Mich", "Wir haben Euch durchschaut" oder "Pandemie der Lügen". Sie skandierten "Freiheit, Freiheit". Organisiert wurde die Demonstration von der Initiative "Querdenken 711".

Die Teilnehmer bemühten sich nach Angaben der Polizei überwiegend, die geforderten Mindestabstände einzuhalten. In Berlin hatten am vergangenen Wochenende Tausende gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, hatte die Polizei die Kundgebung aufgelöst.

"Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt." Thomas Berthold
Berthold sagte der "Bild am Sonntag": "Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt." Der dpa sagte er, "es war eine Herzensangelegenheit für mich, diese Plattform zu nutzen und Dinge zu sagen, die mir seit längerem durch den Kopf gehen". Sollte seine öffentliche Positionierung berufliche Konsequenzen für ihn haben, sei ihm dies egal.

Der 55-Jährige hatte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart gespielt. Als Verteidiger absolvierte er 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Italien.