Fotos, die über sich hinausweisen

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Sa, 07. September 2019

Weil am Rhein

Der Altweiler Tom Dreher zeigt im Stapflehus Bilder des Domhofs und will damit die Aura eines ganzen Stadtteils erlebbar machen.

WEIL AM RHEIN (nn). Mit der Ausstellung "Lemniskate – Blicke in und um den Domhof" beginnt im Altweiler Stapflehus heute um 18 Uhr eine Ausstellung, die auf mehrfache Weise außergewöhnlich ist. Zu sehen sind etwa 40 Fotografien, die anlässlich des Umbaus des evangelischen Pfarrhauses im Domhof entstanden sind. Die Aufnahmen sind aber nicht bloße Dokumentation, sondern selbst künstlerisch gestaltet und eröffnen ein Netz von Assoziationen und Interpretationen.

Urheber des Projekts ist der Altweiler Tom Dreher, dem am Herzen liegt, die historische Bedeutung des Stadtteils in Erinnerung zu rufen und den Blick für den Wert der erhaltenen Spuren zu schärfen. Er hat den Umbau des Pfarrhauses, in dessen Nachbarschaft er aufwuchs, ein Dreivierteljahr lang intensiv mit seiner Kamera begleitet. Dabei sind mehrere Tausend Aufnahmen entstanden.

Der 55-jährige Dreher tritt erstmals mit seiner fotografischen Kunst öffentlich in Erscheinung. Beruflich war er viele Jahre im Marketing eines großen Schweizer Unternehmens tätig. Allerdings hat er schon früh künstlerische Interessen verfolgt. Nach der Schulzeit in Weil besuchte er die Kunstgewerbeschule Basel, entschied sich dann aber für ein Duales Studium der Betriebswirtschaft und das Marketing. Weil aber die Lust am Gestalten nie erlosch, hat Dreher 2012 sein berufliches Engagement reduziert und widmet sich seither wieder künstlerischen Ambitionen.

Dass nun der Domhof zum Dreh- und Angelpunkt seiner Ausstellung wird, lag nahe. Als Kind hat Dreher schon im Domhof-Garten gespielt, als Archäologen dort Ausgrabungen vornahmen, veranlasste ihn das selbst zur Schatzsuche, und beim Umherstreifen in Altweil sind ihm Gutshöfe, Gaststätten und steilgieblige alte Wohnhäuser ans Herz gewachsen. Deshalb wirft die Ausstellung laut Titel nicht nur Blicke "in", sondern auch "um" den Domhof. Selbst, dass die Fotos im Stapflehus zu sehen sind, ist für Dreher eine vielsagende Vernetzung, die er in der Gestaltung der Ausstellung noch unterstreicht. Den drei Etagen des Stapflehuses sind die Bauphasen der Sanierung im Domhof zugeordnet, sowohl räumlich als auch zeitlich.

Die Fotografien, die in Formaten von 70 mal 80 bis 60 mal 160 Zentimeter vergrößert und handwerklich aufwändig von Beat Schöneck aus Riehen gerahmt wurden, tragen Titel wie Römer, Fecht, Hebel, Glaube, Liebe oder Hoffnung und geben so Interpretationshilfen für das Assoziationsgeflecht, in das sie Dreher einbettet. Wer es ausloten will, tut gut daran, die Ausstellung mit ihm zu besuchen.

Dabei dürfte deutlich werden, dass Dreher gerne mit Anspielungen und Verweisen arbeitet, um mal zu irritieren, mal Spannung zu erzeugen. Dazu passt der Titel der Ausstellung. Die "Lemniskate" ist die aus der Mathematik bekannte liegende Acht, die Dreher mancherorts auf der Domhof-Baustelle in verschlungenen Stromkabeln oder aufgereihten Schalterdosen wiederentdeckt hat und die für das Unendliche steht. Und so versteht er auch seine Fotografien, die nicht nur zeigen, was zu sehen ist, sondern jenseits ihres Rahmens eingebettet sind in ein großes Ganzes. Beim Besuch der Ausstellung kann man versuchen, daran teilzuhaben.

Die Ausstellung ist bis zum 6. Oktober jeweils donnerstags von 18 bis 20 Uhr, samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.