FRAGEN SIE NUR!: Wenn aus Zucker zähes Öl wird

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 18. Juli 2020

Fragen Sie nur

Warum kleben süße Flüssigkeiten,

salzige aber nicht?

Dass süße Flüssigkeiten nicht per se kleben, lässt sich leicht daran erkennen, dass Cola und Likör nicht im Glas kleben bleiben. Das Gleiche gilt für salzige Flüssigkeiten. "Eine Klebewirkung tritt im süßen Fall erst auf, nachdem der Wasseranteil aus der ursprünglichen Flüssigkeit verdampft ist", sagt Reinhard Brückner, Professor am Institut für Organische Chemie an der Universität Freiburg. Heißt: Wenn die verschüttete Cola beziehungsweise ein nicht entfernter Rest davon antrocknet. Dann verbleibt der Zuckeranteil als zähes Öl, weil er es "in der Kürze der Zeit" nicht schafft, als Feststoff auszukristallisieren – anders als Salz, das diesen Prozess problemlos hinbekommt. Das zähe Öl hat dank seiner Verformbarkeit eine viel größere spezifische Oberfläche als ein kristallines und zudem nicht verformbares Pulver. "Ein Zuckerfilm berührt ein Objekt also mit einer viel größeren Fläche als das ein Salzpulver tun kann", sagt Brückner. Die Enge des Zucker-Objekt-Kontaktes geht einher mit anziehenden Wechselwirkungen von Zucker und Objekt. "Und dieses Phänomen äußert sich makroskopisch als Kleben", sagt Brückner.

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