Freiburg ganz persönlich

Ute Schöler

Von Ute Schöler

So, 04. August 2019

Freiburg

Der Sonntag Das Ziel ist Völkerverständigung: Greeter zeigen Besuchern ihre Stadt.

Sie nennen sich "Greeter", vom englischen Verb begrüßen, und zeigen Besuchern kostenlos ihre Stadt. Seit Januar gibt es die Greeter auch in Freiburg. Über die "International Greeter Association" sind sie weltweit vernetzt.

Greeter Sanketh Ramachandra wirkt auf Anhieb sympathisch. Es ist 17 Uhr und nach seinem Arbeitstag als Softwareentwicklungsingenieur bei der Firma Sick in Waldkirch ist der 30-Jährige gespannt auf seinen ersten "Greet", wie die Spaziergänge genannt werden. Bislang weiß er nur: Es sind zwei rund 50-jährige Frauen mit drei Jugendlichen aus Norddeutschland.

"Mögt ihr zuerst mal ein Eis essen?", fragt Sanketh am vereinbarten Treffpunkt. Das beim Greet übliche "Du" wird locker angenommen, ein Eis aber verlockt gerade niemanden. Also schlägt Sanketh einen Weg durch den Stadtteil Stühlinger ein und erkundigt sich nebenbei nach Interessen.

Auf der blauen Brücke am Hauptbahnhof balanciert er mit den jungen Leuten einen Bogen hoch und zeigt von dort aus die Berge, wo er in seiner Freizeit viel unterwegs sei. Besonders der Sternwald sei "supergenial", schwärmt Sanketh, der auch seinen Arbeitsweg stets mit dem Rad zurücklegt. "Freiburg hat mich ganz viel verändert. Ich lebe viel bewusster", erzählt der junge Mann und führt seine Gäste 400 Meter weiter in den "Unverpacktladen". Aus der südwestindischen Zwölf-Millionen-Stadt Bangalore, einem Zentrum der Hightech-Industrie, stammend ist Sanketh Ramachandra 2014 für sein Masterstudium nach Freiburg gekommen.

Auf dem Platz der Alten Synagoge baden Kinder im Denkmalbrunnen. Sanketh berichtet von Diskussionen um diese inoffizielle Nutzung. Dann erzählt er von Vorzügen und Problemen der neuen Unibibliothek, welche er den Jugendlichen spontan auch von innen zeigt.

Die Hamburgerin Antje Schröder ist begeistert: "Man ist ganz nah dran an den Menschen Freiburgs. Es ist lustig und interessant." Besonders freut sich die 53-Jährige, dass ihr der Greeter seinerseits Fragen stellt und zudem auf die Jugendlichen gut eingeht. Die Idee ehrenamtlicher Stadtspaziergänge kennt sie von der Friedensorganisation Servas, bei der sie seit Studienzeiten engagiert ist. Wie Servas möchten auch die Greeter ein besseres Verständnis zwischen den Völkern fördern.

Die Freiburger Greeter hat Michael Meyer-Heisig aus der Gemeinde March initiiert, beruflich Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Kleines Wiesental. In London, Amsterdam und Marseille hatte er die 1992 in New York City erfundene Idee kennengelernt, die inzwischen auch in zwölf deutschen Städten funktioniert. Zu einer Gründungsveranstaltung, die Meyer-Heisig Ende Januar organisierte, kamen interessierte Freiburger zwischen 18 und 80 Jahren. Inzwischen haben die meisten der derzeit 30 Freiburger Greeter einen eigenen Spaziergang gestaltet.

Anhand eines Formulars, welches potenztielle Gäste online ausfüllen, koordiniert Meyer-Heisig die Anfragen.

Nicht einmal ein Trinkgeld ist für die Greeter erlaubt

Wer gerne Fahrrad fährt, spezielle Interessen oder körperliche Einschränkungen hat, kann dies angeben. Maximal sechs Personen dürfen es sein. Wie unter Freunden ist alles kostenlos. "Das darf keinesfalls kommerzialisiert werden", betont Meyer-Heisig. Nicht einmal ein Trinkgeld ist erlaubt.

Damit die Idee bekannter wird, soll im Oktober ein Flyer gedruckt werden. Gesucht werden noch Greeter mit italienischen und spanischen Sprachkenntnissen.