400 Retter proben im Kappler Tunnel

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 10. November 2014

Freiburg

Bei der nächtlichen Großübung am Samstag wurde ein Unfall mit Fahrzeugbrand und vielen Verletzten simuliert.

Einem anspruchsvollen Übungsszenario haben sich in der Nacht zum Samstag rund 400 Angehörige der Feuerwehr und der Rettungsdienste im Kappler Tunnel gestellt. "Ereignet" hatte sich eine Karambolage mit mehreren Fahrzeugen, die dann doch teils auch noch Feuer gefangen hatten. Insgesamt 19 "Verletzte" mussten aus den Fahrzeugen gerettet oder, weil sie auf dem Weg zu den Notausgängen in der verrauchten Tunnelröhre ohnmächtig geworden waren, gefunden und in Sicherheit gebracht werden. Die Retter probierten dabei neue Einsatztaktiken aus.

Tunnelbrände sind seltene Ereignisse, die allerdings große Tragweite haben können. Deswegen ist für den Betrieb von Tunneln vorgeschrieben, dass der Ernstfall alle vier Jahre unter möglichst realistischen Bedingungen geprobt werden muss. Dafür war in der Nacht zum Samstag der B 31-Tunnel für vier Stunden komplett gesperrt worden. Die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Wehren aus Freiburg und Kirchzarten, das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter, die Polizei und das städtische Garten- und Tiefbauamt probten das Zusammenspiel bei 7 Grad Celsius und einem kalten Höllentäler, der durch die Tunnelröhren blies. Besonders hart war der Einsatz für die 19 Verletztendarsteller, die zwischen den Notausgängen 16 N und 17 N teils lange auf dem kalten Boden lagen.

Ihre Rettung nahte aus der unfallfreien Nachbarröhre. Von dort starteten die Einsatzteams, löschten das "Feuer" und brachten die "Opfer" in Sicherheit. Sie wurden in die Mensa der Pädagogischen Hochschule nach Littenweiler gefahren, wo das "Notlazarett" für die Übung eingerichtet war.

"Es geht heute nicht um Schnelligkeit, es geht darum, dass jeder weiß, was er zu tun hat", sagt Christian Brauner von der Feuerwehr Freiburg, der sich hauptberuflich unter anderem an der International Fire Academy in Balsthal in der Schweiz mit Rettungseinsätzen in Tunneln befasst. Der angenommene Unfall ereignete sich in der Röhre stadteinwärts inklusive Feuer und kompletter Verrauchung, wie es im Fachjargon heißt. Das bedeutet: Auch die Atemschutzträger der Feuerwehr können nichts sehen. Deswegen benutzten sie nun im Einsatz Blindenstöcke, um die Fahrspur, aber auch Fahrzeuge im Rauch nach Verletzten abzusuchen. Zusätzlich wurden blinkende Lampen abgestellt, um beispielsweise die abgesuchten Bereich zu markieren. Eingesetzt zur Rettung der Verletzten wurden sogenannte Schleiftragen, die auf einer Seite Rollen haben und so durch den Tunnel gezogen werden können.

Ein solcher Einsatz ist selbst bei der Übung für alle Beteiligten fordernd: "Bei einem Tunnel ist schon die Dimension eines solchen Bauwerks eine große Herausforderung für die Rettungskräfte, weil man über weite Distanzen die Kommunikation sicher gestellt muss und sich die ganzen Maßnahmen des Einsatzes sich über eine Strecke erstrecken", erklärte Übungsleiter Carl-Friedrich Hoch.

Der Kappler und der Schützenalleetunnel verfügen über getrennte Tunnelröhren, in denen es deutlich seltener zu Unfällen kommt wie in Tunnel mit einer Röhre und Begegnungsverkehr, berichtet Heinz Haag vom Garten- und Tiefbauamt. Alle 130 Meter befindet sich ein Notausgang – vorgeschrieben ist ein Mindestabstand von 300 Metern.

Ein Video zu der Übung auf http://mehr.bz/uebung-tunnel