Porträt

Für den Freiburger Leiter des Goethe-Instituts ist Deutschunterricht eine Freude

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mi, 17. Juli 2019 um 17:10 Uhr

Altstadt

Kay Hug leitet seit rund einem Jahr das Freiburger Goethe-Institut. Anders als die Deutschlernenden am Institut stammt Hug aus Freiburg. Am Freitag gibt es an der Wilhelmstraße ein Sommerfest.

Im Goethe-Institut ist die Welt zu Hause. Von überall her kommen die Menschen, die hier Kurse absolvieren. Pro Jahr legen 1500 Menschen aus aller Welt hier ihre Deutschprüfungen ab. Anders als die Deutschlerner im Goethe-Institut ist Kay Hug selbst Freiburger. Der 59-jährige Historiker ist hier groß geworden, zur Schule gegangen, hat hier studiert und ist nun zum zweiten Mal schon als Mitarbeiter des Goethe-Instituts nach Freiburg zurückgekehrt, vor gut einem Jahr als Leiter des hiesigen Instituts.

Seine Eltern beschreibt Kay Hug als "bodenständige Badener", seine Ausrichtung auf internationales Arbeiten verdanke er dem gesellschaftlichen Aufbruch der 60er und 70er Jahre, als er wie viele Kinder damals im Zuge der Chancengleichheit den nicht "familientypischen" Weg in eine akademische Laufbahn einschlagen konnte. Geschichte, Deutsch und Englisch waren seine Studienfächer, schlussendlich sattelte der Historiker auf Deutsch, weil er dafür die besten beruflichen Chancen sah.

Erste Berufserfahrung in Taipei

Die erste Berufserfahrung als Deutschlehrer machte Kay Hug ab 1992 im 10.000 Kilometer entfernten Taipei, der Hauptstadt von Taiwan. Sein damaliger Freund und heutiger Mann wollte als Sinologe für ein Jahr dort arbeiten, Kay Hug fand eine Stelle als Deutschdozent an der Soochow-University Taiwan – und die beiden blieben ganze vier Jahre in dem sehr westlich orientierten Land. Einem Land in wirtschaftlichem Aufschwung und mit einer im Werden begriffenen Demokratie zum damaligen Zeitpunkt: "Das war eine hochspannende Zeit – und ein prägender Einstieg in internationales Arbeiten!"

Versteht sich von selbst, dass Kay Hug in Taipei Chinesisch lernte. Auch die Essenskultur wollte ergründet werden, in Taiwan nämlich werde die Küche auf höchstem Niveau nach Provinzen unterschieden. Unter vielen exquisiten Küchen war die Fujian-Küche sein Favorit. Fremd fühlte er sich im ausgesprochen fortschrittlichen Taipei nie, erzählt er. Dass er mit seinem Mann als schwules Paar auftrat, wurde sehr selbstverständlich aufgenommen, sagt Kay Hug: "Wir waren wirklich nichts besonderes – in Taipei fand 1994 immerhin der erste Christopher Street Day statt."

Hug ließ sich von der konfuzianischen Arbeitsmoral mitreißen

Besonders allerdings war die Begegnung mit einer Art konfuzianischer Arbeitsmoral. Lernen, Arbeiten, Erfolg, auch Geld als Voraussetzung für Investition in Bildung und Unternehmungen werden, so Hug, sehr geschätzt, und er habe sich davon ein bisschen anstecken lassen. Nur eine Dozentur an der Uni? In Taipei ein Unding, nahezu mit dem Ruch der Untätigkeit. Ein zweiter Job musste her. Und der tat sich auf beim Goethe-Institut Taipei. Nicht nur Sprachunterricht bot er dort an, sondern auch Fortbildungen für Lehrkräfte, damit war er zugleich Schnittstelle zu seiner Uni.

Vom Goethe-Institut Taipei kehrte er 1996 nach Freiburg zurück – als Dozent am hiesigen Goethe-Institut. Deutschunterricht ist für ihn eine Freude. 40 Prozent der Kursteilnehmer hier sind Studierende, 40 Prozent Berufstätige, die Deutsch für ihre Profession brauchen. Unglaubliche 20 Prozent nennt Hug "Leidenschaftslerner", die Deutsch für ihr Vergnügen lernen – alle drei Gruppen lernen mit richtig viel Einsatz.

Auch Abendkurse gibt es nun im Goethe-Institut

Von 2002 bis 2018 machte Kay Hug sich aus Überzeugung für die Goethe-Institute in Deutschland im Marketingbereich in München stark, zehn Jahre davon als Marketingleiter. Vor allem Online sollten sich die hiesigen Institute so authentisch und transparent wie möglich zeigen und anbieten. Mit Erfolg. Bis heute sind die Goethe-Institute Marktführer, wie Hug nicht ohne Zufriedenheit bemerkt.

Nun ist er an die Basis zurückgekehrt, behauptet als Leiter die Position des Instituts vor Ort. Zum Beispiel damit, dass künftig auch zweiwöchige Kurse zusätzlich zu den vier- und acht-wöchigen Kursen angeboten werden: "Für Menschen, die gezielt nach Freiburg kommen und hier einfach ihr Deutsch auffrischen wollen." Auch Abendkurse kommen neu ins Programm. Und ein Mehr an Musik im Institut kann Hug sich vorstellen, als einer, der Musik und Theater liebt. Das wichtigste aber seien im Goethe-Institut die je 200 aktuellen Kursteilnehmer, die sich gut unterstützt und wohl fühlen sollen, die Gelegenheiten für Unternehmungen und auch zur Vernetzung haben sollen. Für Kay Hug selber ist die Rückkehr nach Freiburg ein "coming home", wie er sagt, und zwar zu einem tollen Team.
Das Internationale Sommerfest des Goethe-Instituts und des Centre Culturel Francais für alle Freiburgerinnen und Freiburger findet am Freitag, 19. Juli von 19 bis 22 Uhr im Garten des Goethe Instituts und im Garten des Weinschlösschens, Wilhelmstraße 17a, statt.