Wie Verfolgte nach dem Krieg um ihr Vermögen kämpfen mussten

Peter Künzel

Von Peter Künzel

Mi, 19. März 2014

Freiburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten viele von den Nationalsozialisten verfolgte Freiburger um die Rückerstattung ihres Hab und Guts kämpfen – vier Beispiele.

Am 22. Oktober 1940 wird Selma Fließ, in der Maximilianstraße 14 wohnhaft, zusammen mit 350 anderen jüdischen Bürgern der Stadt in das Aufnahmelager Gurs im französischen Pyrenäenvorland deportiert. Dort wird sie fast eineinhalb Jahre festgehalten, bevor sie 75-jährig in das für ältere Häftlinge besser ausgestattete Lager Noé weiterverlegt wird. Sie überlebt auch dieses Lager und stirbt am 1. Februar 1945 in einem Altenheim in Guéret in Mittelfrankreich.

In ihrer Abwesenheit bemächtigt sich die Freiburger Finanzbehörde des noch stattlichen Vermögens der Literaturkennerin, die über den Dichter Wilhelm Raabe promoviert hatte. Dann zeigt sich die Universität an der außergewöhnlich reichhaltigen und wertvollen wissenschaftlichen Bibliothek von Selma Fließ interessiert, die zusammen mit dem Hausrat von Partei- und Polizeileuten nach ihrer Abschiebung beschlagnahmt und abgeholt wurde. Das Geschäft kommt zustande: So bestätigt die Universitätsbibliothek den Empfang von 870 Bänden, Büchern und Broschüren und überweist zum 26. Juni 1942 auf Selma Fließ’ Sperrkonto die Summe von 230 Reichsmark, welche dort unter dem Stichwort "Büchererlös" registriert wird. In den folgenden Wochen wird knapp die Hälfte der Bücher von der Bibliothek an die Direktionen der Freiburger Gymnasien weitergereicht.

Wo verbleiben die Bücher? Klar ist, dass es sich um ein "böswilliges" Geschäft unter Ausnutzung einer Zwangslage handelt. Daher strengt die Erbengemeinschaft 1949 einen Prozess vor dem Freiburger Landgericht an. Er endet mit einem Vergleich: Demzufolge sollen die Erben auf die Rückgabe der Bücher verzichten und werden dafür mit einer ...

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