Poolkatze

Wieso die Campus-Katze der Uni Freiburg in einem Buch auftaucht

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Fr, 08. März 2019 um 17:14 Uhr

Freiburg

Er liebt Tastaturen und hat ein Facebook-Profil: An der Technischen Fakultät der Uni Freiburg gehört ein schwarzer Kater zum Inventar. Nun erscheint er mit Uni-Katzen der ganzen Welt in einem E-Book.

Der schwarze Kater, der auch Poolkatze genannt wird, ist an der Technischen Fakultät bekannt. Er streift durch die grauen Gänge der Campus-Gebäude, hat in seinen rund 16 Jahren Lebenszeit miterlebt, wie neben den alten Kasernen moderne Glasbauten und Wohnheimblocks hochgezogen wurden, wo er zuvor nach Mäusen gejagt hat. Ganz besonders hat es ihm Gebäude 82 angetan.

Denn dort befindet sich neben der Mensa der Technischen Fakultät der Poolraum, ein Aufenthaltsraum für Studierende, in dem mehrere Computer stehen. Weil der schwarze Kater sich dort am liebsten aufhält, wurde er Poolkatze getauft. Auf der Facebook-Seite der Poolkatze können die mehr als 1700 Follower verfolgen, wie der Kater seinen Uni-Alltag verbringt. Wie er auf Laptops fläzt, wie er Stühle und Tische vereinnahmt und wie er durch die Uni-Gänge tapst.



Die Poolkatze ist nicht die einzige Campus-Katze. Auch die Uni Augsburg hat eine, deren Facebook-Profil "Campuscat Augsburg" fast 30.000 Nutzerinnen und Nutzer folgen. Unvergessen ist auch Sammy, der Kater der Uni Konstanz, der 2013 verstarb und dem die Uni mit einer rührenden Mail gedachte.

Die Poolkatze spielt in einem Buch über Campus-Katzen eine Rolle

Nun taucht die Poolkatze in einem E-Book auf – zusammen mit 19 anderen Campus-Katzen aus der ganzen Welt. Sie kommen aus den USA, Großbritannien, Russland und Singapur. Neben Bubba aus dem kalifornischen San José, Remy der Harvard Universität und Jasper von der Uni Cambridge sind auch der Poolkatze in dem englischsprachigen E-Book "Our Campus, their World" einige Seiten mit Fotos gewidmet.

Die Idee zu dem Werk stammt von den Niederländern Sandra und Ekko Ros. Die 34-Jährige und der 39-Jährige arbeiten in der nordniederländischen Stadt Groningen und haben ihren ganz eigenen Bezug zu Campus-Katzen: Sie besitzen selber eine, der sie sogar die Autorenschaft ihres Buchs zuschreiben: Professor Doerak. "Wir haben insgesamt drei Katzen", schreiben die beiden, "wir haben ihn seit fünf Jahren und in all den Jahren ging er stets zur Uni." Wieso? "Sein bester Freund, Katze Mickey, starb und Professor Doerak hörte auf zu essen und wurde depressiv, dann suchte er seinen Freund auf dem Campus." Als lokale Medien darüber schrieben, nahmen sich die Studierenden und die Uni-Mitarbeiter seiner an. "Seitdem wird er rund 150 Mal am Tag umarmt", erzählt das Paar. So soll er sich wieder gefangen haben.

Seit September 2018 befüllen die beiden einen Instagram-Account für ihren Professor Doerak. Name: universitycat. Darüber fanden sie andere Social-Media-Profile über Katzen, die sich an Universitäten aufhalten – und so kam die Idee, viele Campus-Katzen in einem Buch vorzustellen.

Die Katzen-Fans wollen ein weiteres Buch veröffentlichen

Sandra und Ekko sind vernarrt in Katzen. Sie bieten in Groningen sogar einen professionellen Katzen-Sitting-Service an, bei dem sie mit den Haustieren verreister Kunden spielen und diese versorgen. "Wir haben das Buch zum Spaß geschrieben, weil wir so viele herzerwärmende, witzige und herzzerreißende Geschichten über Campus-Katzen gehört haben", erzählen die beiden. Campus-Katzen hätten ein aufregendes Leben, sagen sie. Erst kürzlich verstarb eine der Katzen aus dem Buch bei einem Verkehrsunfall – Mali Ivica aus Zagreb. "Our Campus, their World" ist nur das erste Buch, wofür die beiden die prominentesten Katzen aus den Sozialen Netzwerken ausgesucht haben. In einem zweiten Buch sollen weitere zehn bis 15 Katzen vorgestellt werden.

Sie erklären ihr Projekt so: "Es gibt tausende Universitäten weltweit, aber nur eine Handvoll Campus-Katzen." Diese Katzentypen, versichern sie, seien besonders abenteuerlustig, neugierig, entspannt und anhänglich.

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Thank you @elliecamara for the picture. We hope Doerak's "assistance" helped you and your friends get good grades at your exams!

Ein Beitrag geteilt von Prof. dr. Doerak (@universitycat) am Feb 27, 2019 um 8:13 PST



Dass Professor Doerak als Autor genannt wird, erklären sie so: "Seine Freunde haben ihm nicht glauben wollen, dass er Professor ist, weil er nichts publiziert hatte. Also schrieb er ein Buch."

Cat-Content und Informatik-Studierende gehören zusammen

Ist es ein Phänomen, dass Katzen sich an Universitäten heimisch fühlen? Im Falle der Freiburger Poolkatze ist es sicher kein Zufall, dass der Kater, der auf dem Campus der Informatik-Studierenden und -Forschenden lebt, einen eigenen Facebook-Auftritt hat. Das Internet liebt schließlich Cat-Content und Informatik-Studierende sind meist glühende Fans von (Katzen-)Memes. Dementsprechend sind die Facebook-Posts der Poolkatze meist im sogenannten Lol-Speak verfasst. Dass Campus-Katzen auf Akademikerinnen und Akademiker einen Effekt haben, sind sich auch Sandra und Ekko Ros sicher: "Campus-Katzen schaffen Solidarität in der akademischen Gemeinschaft."



Ganz so pathetisch sieht das Sascha Frank nicht. Der 43-Jährige arbeite als IT-Techniker am Lehrstuhl für Simulation am Institut für Mikrosystemtechnik und ist die heimliche Bezugsperson der Poolkatze an der Technischen Fakultät. Die ursprüngliche Besitzerin der Poolkatze ist zwar eine Frau aus dem Stadtteil Mooswald, aber als bei ihr vor zehn Jahren noch zwei weitere Kätzchen einzogen, riss die Poolkatze aus – und traf bald auf Sascha, der damals noch Manager des Computerpools war.

"Ich habe den Kater anfangs immer rausgetragen, weil der Computerpool ja kein Katzenzimmer ist", erzählt er. Doch die Studierenden hätten den Kater immer wieder mit Essen angelockt. Einmal hätte jemand sogar am Freitagabend Fisch an die Türklinke zu seinem Büro gehängt. "Das habe ich erst am Sonntagabend entdeckt und dementsprechend hat es gerochen", erinnert sich Sascha. Ein anderes Mal sei er auf einem Schnitzel ausgerutscht, das jemand vor seine Tür gelegt hätte – alles für die Katz’.

Sascha Frank füttert die Poolkatze regelmäßig. Mit dem Facebook-Profil hat er allerdings nichts zu tun. Die Frau aus Mooswald erkundige sich immer mal wieder nach ihrem Schützling von damals, sagt Sascha. Überhaupt spricht er von seiner Beziehung zur Poolkatze recht nüchtern. "Irgendwann wusste ich, was der Kater will, wenn er miaut." Was er noch nicht wusste: Dass sein vierbeiniger Freund in einem Buch vorgestellt wird.

Professor Doerak: Instagram

Poolkatze: Facebook



Our Campus, their World: Download

Preis: 3,95 Euro

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