Friesenheim

Kandidaten stellen sich den Fragen von Schülern

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Mi, 22. Mai 2019 um 11:39 Uhr

Friesenheim

Vertreter der vier Parteien und Listen zur Kommunalwahl in Friesenheim informierten 120 Schüler der Werkreal- und Realschule.

Kandidaten zur Kommunalwahl haben sich an der Werkreal- und Realschule Friesenheim den Erstwählern Friesenheims präsentiert. Die Organisation lag bei Jugendbüro, Jugendclub und Schule. Reihum konnte je ein Vertreter der vier zur Kommunalwahl antretenden Friesenheimer Parteien und Listen zu sechs Themenkomplexen Stellung beziehen. Im Anschluss gab es vereinzelt Gespräche zwischen Kandidaten und Schülern bei "Politik und Pizza".

Die Idee
Für die Erstwähler aus den zehnten Klassen der Werkreal- und Realschule Friesenheim war das die Gelegenheit eine Vorstellung davon zu bekommen, wer da am Sonntag auf dem Stimmzettel zur Kommunalwahl steht und wofür die Kandidaten stehen. Im Vorfeld hatten sie gemeinsam Fragen formuliert, die zu sechs Komplexen zusammengefasst worden waren. Sie lauteten öffentlicher Nahverkehr, Jugendräume und -plätze, Klimaschutz, die Förderung der Schule und die Integration der Flüchtlinge. Die Friesenheimer Parteien und Listen waren in der Aula je mit einem Mitglied auf dem Podium vertreten und konnten die Standpunkte ihrer Fraktion darlegen. Es waren Ewald Schaubrenner (CDU), Christian Erb (Freie Wähler), Joseph Hugelmann (GLU) und Fred Kletzin (SPD). Einen weiblichen Fraktionssprecher gab es nicht. Pascal Berghausen aus der R8c verlas die Fragen und erteilte das Wort.

Uhren und Kärtchen
Damit alle Redner gleich behandelt werden, lief hinter jedem Kandidaten eine Eieruhr herunter, so lange er sprach. Zehn Minuten standen zu Beginn auf dem Zeitkonto. Am Ende ging Fred Kletzin mit 18 Sekunden Restzeit ins Ziel, Joseph Hugelmann mit 1:23 Minuten und Christian Erb mit 1:49 Minuten. Ewald Schaubrenner hatte die geringste Redezeit benötigt. Auf seiner Uhr waren am Ende noch 2:19 Minuten übrig. Für einen Hauch von Interaktion sollten rote und grüne Karten sorgen, die jeder der rund 120 Schüler an seinem Platz hatte, um damit live Zustimmung oder Ablehnung zu einer These zu signalisieren. Allein: Nur zwei oder drei Schüler reckten einmal ein Kärtchen zaghaft in die Höhe, und dies meistens im Spaß.

Inhaltliche Aha-Momente
Die erste Runde mit Fragen zur Person verging mit einem Mikro-Test-Schnauber von Ewald Schaubrenner, einem Rote-Karten-Grüne-Karten-Test von Christian Erb ("Versteht man mich gut?"), Erinnerungen Joseph Hugelmanns als erstem Kriegsdienstverweigerer der Gemeinde und Rückblicken von Fred Kletzin auf die Lage der Nation in den 1970er Jahren. Hugelmann gab beim Thema Klimaschutz eine Frage an die Schüler zurück, warum es eigentlich in Friesenheim noch keine Klimaschutzdemos gab. Christian Erb bekannte, mit dem Stoffbeutel Brötchen zu holen, um weniger Müll zu produzieren. Für den Wunsch der Schüler nach freiem WLAN in Friesenheim war Fred Kletzin Feuer und Flamme ("Das wäre toll"). Ewald Schaubrenner zeigte Verständnis für Forderungen nach weiteren Jugend-Treffpunkten, meinte aber auch, dass Jugendliche sich mehr in Vereinen einbringen sollten. Joseph Hugelmann schlug Jugendräume in allen Ortsteilen unter Selbstverwaltung der Jugendlichen vor. Er erinnerte an die jüngsten schlechten Erfahrungen der Gemeinde mit Vandalismus.

Beim Einstieg in den Themenkomplex Integration von Flüchtlingen vergriff sich Ewald Schaubrenner, der sich im Flüchtlingshilfekreis engagiert, unfreiwillig im Bild ("Wir sitzen alle im gleichen Boot"). Christian Erb appellierte an die Schüler, die jungen Neu-Friesenheimer in ihre Freundeskreise mitzubringen. "Dann funktioniert Integration am besten."

Offenbar wünschen sich viele Schüler der Werkreal- und Realschule mehr Wasserspender im Schulhaus. "Bislang gibt es nur zwei", erklärte Pascal Berghausen. Für alle Kandidaten ein offenbar leicht erfüllbarer Wunsch. Joseph Hugelmann schränkte pflichtgemäß ein: "Nur ohne Plastikbecher wegen der Plastikmüllvermeidung."

Knackiges Ende, knackige Pizza
Ziemlich abrupt endete der offizielle Teil mit einer knackigen Abmoderation: "Das war unsere Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl." Jugendreferent Andreas Pahlow übergab noch einmal an Bürgermeister Erik Weide, der sich anfangs etwas verspätet hatte. Er sandte einen deutlichen Appell an die Schüler: "Geht wählen, egal wen! Und lasst euch nicht abschrecken von den langen Listen. Wählen gehen ist die einfachste Art, selbst etwas zu tun."

Kaum war der Wahlaufruf des Bürgermeisters verklungen, machten sich die Jugendlichen über die zwölf eigens bestellten großen Pizzen nebst Cola und Limo her. Bei diesem Imbiss, so die Idee unter der Überschrift "Politik und Pizza", könnten die jungen Leute mit den Kandidaten ins Gespräch kommen und das eben Gehörte vertiefen oder noch einmal nachfragen. Insbesondere Peter Zimmermann (Freie Wähler) und Dietmar Kairies (GLU) nutzten die Gelegenheit, Erstwähler gezielt anzusprechen. Besonders konkret wurde es dabei nicht. Zimmermann erklärte die hohe Kunst des Wählens, indem er drei Schülerinnen von Panaschieren und Kumulieren berichtete, Kairies wies unter anderem auf die Informationsangebote der Parteien und Listen im Netz hin.