Frühling in Klängen und Texten

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 02. April 2019

Kirchzarten

Lumik-Konzert des Raschèr Saxophone Quartets mit Rezitator Olaf Creutzburg in Kirchzarten.

KIRCHZARTEN. Die Lumik-Konzertreihe, die Literatur und Musik verbindet und vom Kirchzartener Künstlerehepaar Kirsten Ecke und Michael Dinnebier ins Leben gerufen wurde, glänzte von Beginn an mit exquisiten Veranstaltungen, die beide Kunstgattungen auf hohem Niveau in oft einmaliger und origineller Zusammensetzung der auftretenden Künstler miteinander verbinden. Auch dieses Mal gelang wieder ein besonderer Wurf. Seit 50 Jahren gibt es in wechselnder Besetzung das von Sigurd Raschèr gegründete Raschèr Saxophone Quartet. Es hat sich der klassischen Saxofon-Musik verschrieben, für die neben Bearbeitungen klassischer Werke, vielfach von Bach, erst seit etwa 50 Jahren speziell komponiert wird. Für das mit "Frühlingsluft" betitelte Konzert im Bürgersaal in der Talvogtei taten sich Christine Rall (Sopransaxofon), Elliot Riley (Altsaxofon), Andreas van Zoelen (Tenorsaxofon) und Noah Bedrin (Baritonsaxofon) mit dem Freiburger Schauspieler Olaf Creutzburg zusammen.

Creutzburg eröffnete mit Goethes Gedicht "Osterspaziergang", ursprünglich ein Faust-Monolog, der des Doktors tiefempfundene Frühlingsgefühle beschreibt, hervorgerufen durch die "vom Eise befreiten Strom und Bäche" und die den lebensmüden Gelehrten im Stück vom Suizid abhielten. Die hochklassigen Musiker antworteten voller Esprit mit dem schwungvollen Allegro aus dem "Italienischen Konzert" BWV 971" von Bach in einer Bearbeitung von Andreas van Zoelen und entsprachen damit dem gleißenden Sonnenschein dieses herrlichen Frühlingssonntags. Creutzburg blieb bei Goethe und dessen euphorischem "Mailied", das sowohl das Ausbrechen der Natur im Wonnemonat in höchsten Tönen besingt, als auch das geliebte "Mädchen", womit in diesem Fall wohl die Pfarrerstochter Friederike Brion gemeint war.

Mit dem "Concerto for Saxophone Quartet" von Philip Glass betrat das Quartett modernes Terrain und brachte seinerseits durch die für diesen Komponisten typischen Wiederholungen von sich allmählich verändernden Klangfiguren mit satten Akkorden den Saal zum Vibrieren. Die Musik erinnerte an starke Meeresbrandung, deren Wellen sich oberflächlich gesehen gleichen, tatsächlich aber keine wie die andere ist. Der Rezitator blieb mit Joseph von Eichendorffs "Mondnacht" und Eduard Mörikes "Frühling lässt sein blaues Band..." klassisch, wie auch die Bläser mit dem wiederum von van Zoelen bearbeiteten "Trio C-Dur" op. 87 von Ludwig van Beethoven.

Hierbei und auch allen anderen Stücken wurde deutlich, dass sich das vor allem in der Jazz- und Pop-Welt etablierte Saxofon genauso in der klassischen Kammermusik wohlfühlt und in den verschiedenen Stimmlagen der Instrumente nicht nur einem herkömmlichen Streichquartett entspricht, sondern auch jedem Vergleich mit einem solchen im Hinblick auf Klangvielfalt und nuancierte Feinfühligkeit standhält. Vorausgesetzt, man hat das Glück, solch herausragende Musiker hören zu dürfen. Damit nun die Frühlingsgefühle nicht vollends überborden, schlüpfte Creutzburg gekonnt und höchst unterhaltsam mit dem Gedicht "Ich steh auf des Berges Spitze" von Heinrich Heine in die Rolle des diese Aufwallungen ironisch karikierenden Spötters. Dazu passte der flatterhafte Satz "Papillon" aus der Komposition "Quatuor" der Brüder Maurice und Faustin Jeanjean, in der die musikalischen Schmetterlinge bunt durcheinander flogen. Dieses fein abgestimmte Wechselspiel zwischen Lyrik und Musik hielt die Stimmung im Bürgersaal mit Werken von Erich Kästner, Hugo von Hoffmannsthal, dem isländischen Dichter Aasmund Olavsson Vinje und Kompositionen von Edvard Grieg, Béla Bartok und Erland von Koch auf künstlerischer Hochspannung, die sich immer wieder durch Beifallsstürme und -rufe entlud.

Die Veranstaltung war ein weiteres Juwel in einer hochkarätigen Veranstaltungsreihe, und man darf auf das nächste Lumik-Konzert gespannt sein, in dem der klassische Geiger des SWR-Rundfunkorchesters Michael Dinnebier und sein Bruder Markus, ebenfalls mit Geige, aber auch als Rock-, Folk- und Electronic-Gitarrist in einem Crossover auf die Liedermacherin Johanna Zeul treffen.

Das nächste Lumik-Konzert findet statt am Freitag, 17. Mai, 20 Uhr, Bürgersaal in der Talvogtei-Scheune in Kirchzarten.