Bezirksliga Hochrhein

Frust des Bosporus FC Friedlingen entlädt sich am Referee

Werner Hornig

Von Werner Hornig

So, 15. September 2019 um 22:37 Uhr

Bezirksliga Hochrhein

Während der FC Erzingen seine Minikrise beenden konnte, herrschte bei Aufsteiger Bosporus FC Friedlingen nach der 1:2-Heimniederlage Frust, der sich wohl auch in einer Entgleisung gegenüber dem Schiedsrichter entlud.

Waren es die spätsommerlichen 30 Grad, die die Wallung einiger Bosporus-Spieler samt Trainer Riza Bilici auslöste? Eher nicht, denn die meisten der türkischen Fußballer sind solche Temperaturen aus heimatlichen Gefilden ohnehin gewohnt. Nicht die Hitze machte ihnen zu schaffen, eher auf den Unparteiischen Ali Nassereddine (Ballrechten-Dottingen) waren die Hausherren am Sonntag nicht gut zu sprechen. Sie waren in Rage.

Nachdem die Hausherren gegen den FC Erzingen durch Artan Syla mit 1:0 in Führung gegangen waren (10.), forderten sie vier Minuten später vehement Strafstoß. Ali Hussein Kassem soll im Strafraum vom Erzinger Hasan Faslak gefoult worden sein, Nassereddine ließ jedoch weiterspielen und der Aufschrei war groß. Faslak beteuerte nach dem Abpfiff, dass er Kassem "nicht getroffen" hatte, Syla und Egzon Ademaj sahen jedenfalls wegen Reklamierens zunächst Gelb, Ademaj wegen anhaltenden Motzens Gelb-Rot (15.). Und das brachte BFC-Coach Riza Bilici auf Höchsttemperatur.

Schiedsrichter: "Bin bedroht und beleidigt worden"

Auch seine lautstarken Äußerungen ahndete der Referee mit Gelb-Rot. Und überdies: Rote Karte für Isa Mulaj (16.). Der Referee sprach später von einer Entgleisung des Friedlinger Angreifers. "Ich bin beleidigt und bedroht worden. Da gab es für mich keine andere Wahl", sagte Nassereddine beim Gang in die Halbzeit. Das riecht nach einem Nachspiel.

Zu diesem Zeitpunkt war die Partie wieder ausgeglichen, da Saban Ljimani kurz vor der Pause einen berechtigen Foulelfmeter zum 1:1 verwandelt hatte. Zu mehr reichte es den einfallslos agierenden Gästen zunächst nicht. Aber die Zeit sollte für Erzingen spielen, die immerhin weitere 45 Minuten in doppelter Überzahl spielen konnten. Aber zunächst spielte die Bilici-Elf nicht mit, die ihr Heil nicht in einer reinen Abwehrschlacht suchte. Mutig, immer wieder mit offensiven Nadelstichen, wurde Erzingen bekämpft. "Es war unglaublich, was meine Spieler geleistet haben. Es war mehr als schade, dass sie dafür nicht mit einem Punkt belohnt worden sind", bilanzierte Bilici und fügte an, "dass wir mit etwas Glück und einem guten Schiedsrichter wohl gepunktet hätten".

Dass es nicht soweit gekommen ist, hatte unglückliche Umstände. Zwar hatte Erzingen nach der Pause gefühlte 70 Prozent Ballbesitz, an wirklichen Torchancen mangelte es aber. Und so musste das Glück helfen. Ljimani tankte sich sechs Minuten vor dem Abpfiff mit dem Mute der Verzweiflung durch die Bosporus-Abwehr, er zog aus 18 Metern ab – Kassem stand im Weg und fälschte den Ball unhaltbar ab. "Da war für uns schon eine Menge Glück dabei", befand sogar FCE-Coach Klaus Gallmann, der sich "für den Sieg" entschuldigte. "Bosporus hat hervorragend gekämpft." Die Friedlinger hätten "aufgrund ihres Einsatzes sicher einen Zähler verdient gehabt". Aber am Ende zählten für Gallmann doch die drei Punkte. "Die waren bitter nötig nach den letzten beiden Niederlagen."

Tore: 1:0 Syla (10.), 1:1, 1:2 beide Ljimani (44./Foulelfmeter, 84.). Schiedsrichter: Nassereddine (Ballrechten-Dottingen). Zuschauer: 80. Gelb-Rot: Ademaj (15.). Rot: Mulaj (16./Schiedsrichterbeleidigung und – bedrohung/beide BFC).