Rheintalbahn

Fünf Jahre nach Tunnelhavarie - Debatte um Schadenersatz

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mo, 08. August 2022 um 20:08 Uhr

Südwest

Fünf Jahre nach der Tunnel-Havarie der Rheintalbahn bei Rastatt pochen Eisenbahnunternehmen auf Schadenersatz und eine schnellere Fertigstellung.

Fünf Jahre sind es am Freitag, dass die im Bau befindliche östliche Tunnelröhre in Rastatt unmittelbar unter den Gleisen der Rheintalbahn einbrach. Hektisch musste die Baustelle stillgelegt und die Röhre mit Beton verfüllt werden, sogar die dort eingesetzte Tunnelvortriebsmaschine ist bis heute einbetoniert.

Ein Gutachten sprach 2018 von einem volkswirtschaftlichen Schaden von zwei Milliarden Euro. 51 Tage musste zur Absicherung auch die überirdische Strecke gesperrt werden. Ein Desaster, eine Zumutung für den Personennahverkehr, rund 30 000 Bahnreisende mussten täglich auf Busse umsteigen. Aber auch ein extremer Schlag für die Transportwirtschaft, die die Strecke als ihre wirtschaftliche Hauptschlagader bezeichnet. Seinen Schaden aus diesen Wochen beziffert das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), der Träger von "Die Güterbahnen", denen fast 100 Unternehmen angehören, nun mit 100 Millionen Euro. Dieser entstand durch Umsatzausfälle und Mehrkosten als Folge von Umleitungen.

Mehrere Fernsehteams stehen am Montagmorgen auf Gleis zwei des Rastatter Bahnhofs und erwarten die Einfahrt eines ellenlangen Güterzugs der Schweizer SBB. Dessen Lok hat die Vereinigung der Güterbahnen mit einem Aufkleber verziert, der ihrer wachsenden Unzufriedenheit Ausdruck verleiht. Aus dem Zug steigt Sven Flore, stellvertretender Vorsitzender des NEE. Er gibt sich aufgrund jüngster Verhandlungen mit dem Ansprechpartner DB Netz verhalten optimistisch. Man sei soweit, zu debattieren, welche Entschädigungssumme gerechtfertigt sei, man empfange "gute Signale".

Peter Westenberger, der Geschäftsführer des NEE, gesellt sich zu ihm. Unabhängig von den für ihn undurchsichtigen Gesprächen zwischen Bahn und Baufirma über die Schuld ergebe sich ein Schadenersatzanspruch des NEE aus dem Trassenmietvertrag, sagt er. Beide betonen, wie wichtig die so lange ausstehende Entschädigung für sie sei – weil der Güterverkehr traditionell mit geringen Margen kalkuliere, weil man derzeit etwa wegen aus dem Ruder laufender Stromkosten hohe laufende Kosten habe und die Preise anheben müsse. "Wir müssen höllisch aufpassen, dass nicht das ganze System Eisenbahnen Schaden nimmt," warnt Flore.

"Lernen, bauen, entschädigen" hat das NEE sein Statement übertitelt. Es gehe nicht nur ums Geld, sondern auch darum, die Lehren aus der Havarie vor fünf Jahren zu ziehen. Etwa, indem man störungsfreie und zumutbare Umleitungen ertüchtig. Gerade würden die Wochenendsperrungen auf der Rheintalbahn wieder deren Notwendigkeit veranschaulichen. In Rastatt wird es 2024 gar zu einer einmonatigen Vollsperrung kommen. Die Bahn rechnet derweil mit der Inbetriebnahme der Tunnelstrecke im Dezember 2026. Mehr als neun Jahre nach der Havarie. Zumindest vorerst.