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Fünf Tipps für die Urlaubsreise mit dem Fahrrad

Fabian Hobert

Von Fabian Hobert (dpa)

Sa, 02. Juli 2022 um 15:45 Uhr

Reise

Sporturlaub, Genusstour, Familienferien: Mit dem Fahrrad verreisen längst nicht mehr nur extreme Radsportler. Radreisen werden immer beliebter. Einige Veranstalter haben sich darauf spezialisiert.

Glatter Asphalt und ein sensationeller Blick aufs Meer. In die Nase steigt der Duft von Thymian, und Schweiß tropft von der Stirn. Rennradfahren auf Mallorca ist zwar anstrengend, aber für die meisten Hobbysportler vor allem eins: eine tolle Radreise.

Es muss aber nicht nur das harte Trainingslager auf der spanischen Insel sein. Längst bieten viele Veranstalter Radreisen für Naturliebhaber an, die nicht hart trainieren wollen. "Der Trend geht dabei zu individuellen Touren", sagt Barbara Merz-Weigandt. Mit dem Fahrrad lassen sich weite Strecken zurücklegen. "Die Reisenden sind aber langsam genug, um die Umgebung mit all ihren Gerüchen und Menschen mitzubekommen, ein tolles Gefühl. Das ist das Schöne an Radreisen", sagt die Chefredakteurin von "My Bike", einem Magazin für Alltags- und Tourenradfahrer.

Eine Radreise bietet nicht nur faszinierende Naturerlebnisse, sondern jeden Tag eine neue Gegend. "Das ist die vielleicht schönste Art des Reisens. Und wer solche Touren individuell bucht, kann sein Tempo und im besten Fall auch die Längen der Etappen selbst bestimmen", sagt Reisejournalist Stefan Schwenke. Das Gepäck kann am Rad seinen Platz finden, oder wird für den Gast zum nächsten Hotel transportiert – ideal auch für Rennradfahrer.

Allein oder in der Gruppe

"Bei Individualreisen kann der Reisende über den Veranstalter meist eine auf ihn zugeschnittene Tour buchen", sagt Kathleen Lumma. "Bei Gruppenreisen muss er sich hingegen der Gruppe anpassen", so die Geschäftsführerin des ADFC Landesverband Baden-Württemberg. Gruppenreisen gebe es seltener als Individualreisen.

Mittlerweile gebe es Angebote und Anbieter für Radreisen für Fahrer von Rennrädern, Mountainbikes, Trekking-Rädern oder E-Bikes. Dazu zählen unter anderem: Huerzeler, Quäldich, Wikinger-Reisen, DAV Summit Club, Margreiter, Eitzinger Sports, Biketeam Radreisen, Bike Adventure Tours, Inselhüpfen, Radweg-Reisen oder der Bikereisenanbieter Beitune aus Südbaden.

Neben auf Radreisen spezialisierten Reiseveranstaltern bieten häufig Routenbetreiber Reisen an, die selbst einen Radweg pflegen und vermarkten. Der ADFC gibt auf seiner Website radurlaub-online.de eine Übersicht verschiedener Veranstalter, dazu Tipps für Rad, Tour und Transport.

Auf allen Kontinenten unterwegs

"Das Angebot ist groß. Beliebt sind Klassiker wie Fluss-Routen oder das Rennradtraining auf Mallorca, aber Radreisen kann man auf fast allen Kontinenten unternehmen", sagt Stefan Schwenke. "Von Afrika bis Asien, Grenzen setzen nur die Kondition und vielleicht das Budget."

Beliebt seien geführte Alpenüberquerungen und Etappentouren in Europa. Auch über die Alpen müssen das keine Hardcore-Reisen sein, es gebe alle Varianten. Manche Anbieter bieten beispielsweise als Twin-Konzept auch Reisen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden an.

"Wenn ein Partner langsamer oder weniger fahren möchte, wählt er einfach die kürzere oder leichtere Strecke", sagt Schwenke. "Am Abend im Etappenziel sieht man sich dann wieder. So kommen beide auf ihre Kosten und können trotzdem den Urlaub gemeinsam genießen."

Fokus: Sport, Essen oder Kultur?

Für Barbara Merz-Weigandt muss eine gute Radreise eine Mischung aus Sport, Kultur und Kulinarik sein. "Jeder kann mit dem Rad verreisen, vor allem in Deutschland und Europa. Viele Veranstalter bieten für jede Leistungsklasse und für fast jeden Geschmack eine passende Tour", sagt sie. Es gebe auf der ganzen Welt tolle Touren. "Grundsätzlich kann man sagen: Je exotischer die Tour ist, desto wichtiger ist ein Guide, der sich in der jeweiligen Region auskennt", sagt Barbara Merz-Weigandt.

"Aber man muss selbst herausfinden, was einem wichtig ist", sagt Schwenke. "Einfach mal im Reisebüro beraten lassen oder etwas im Internet stöbern. Es ist unglaublich spannend, was man alles findet und welche Gegenden man mit dem Fahrrad entdecken kann."

Einen großen Unterschied sieht Kathleen Lumma bei den Vorlieben der Radfahrer. Bei Rennrad- und Mountainbike-Fahrern stehe im Vordergrund der Sport mit Kondition- und Technikaufbau, häufig in Gruppen. Bei diesen Sportreisen bereiten sich die Radfahrer häufig auf die kommende Saison vor. "Bei Trekkingtouren geht es vielmehr darum, eine Reise in der Natur bewusst zu erleben. Häufig lassen sich solche Touren mit einem Kulturangebot kombinieren", sagt Kathleen Lumma. Das Schöne sei dabei, dass diese Art von Reisen für eine sehr breite Zielgruppe möglich ist. "Strecke und Schwierigkeitsgrad lassen sich individuell anpassen, selbst Rundtouren und Touren für die ganze Familie sind möglich", sagt Lumma.

Herausforderung gefällig?

Vor dem Buchen sollten sich Interessierte überlegen, wie anspruchsvoll die Strecke sein darf, so Schwenke. Entscheidend für die Wahl: eine realistische Einschätzung der Strecke. Es soll ja schließlich eine Urlaubsreise werden. Je nach Leistungsfähigkeit und Strecke können Radfahrer entspannt bis zu 50 Kilometer am Tag zurücklegen, mit einem E-Bike bis zu 70 Kilometer. "Es kommt aber auf die Vorlieben bei der Tour an. Wer lieber eine ausgedehnte Pause einlegen will, fährt insgesamt weniger am Tag", sagt Merz-Weigandt. Je nach Veranstalter erhalten Reisende GPX-Dateien für das Fahrradnavi oder ein Roadbook und das Gepäck wird zur nächsten Unterkunft transportiert.

Für Einsteiger empfiehlt Kathleen Lumma, vor der Tour regelmäßig Fahrrad zu fahren und bei der ersten Reise eine geführte Einsteigertour für wenige Tage zu wählen. Mehrere Tage hintereinander auf dem Rad zu sitzen, sei für viele Urlauber ungewohnt. "Es fährt ein Guide mit, der viele Tipps geben kann. Bei einer Tour mit Standortquartier kann auch ein Tag Pause eingelegt werden, ohne anschließend der ganzen Gruppe hinterherfahren zu müssen", sagt sie.

"Wer sonst nur einmal im Jahr Fahrrad fährt, sollte vorher ein paar Runden daheim fahren und bei der Planung auf kürzere Etappen setzen", sagt Schwenke. "Dann macht die Tour mehr Spaß und man setzt sich nicht unter Druck."

Eigenes oder Leihrad?

Barbara Merz-Weigandt rät, vor der Planung darauf zu achten, ob und wie das Fahrrad zum Start kommt. "Ein E-Bike darf nicht per Flugzeug transportiert werden. Muss ein Mietrad her, sollten sich Reisende vorher über das Modell erkundigen", sagt sie.

Hilfestellung bei der Frage "eigenes Rad oder Mietrad?" gibt Stefan Schwenke. Das hänge vom eigenen Rad und von der Anreise ab: "Wer daheim schon ein gutes Rad fährt, will meist auch in den Ferien nicht darauf verzichten. Und wenn der Ausgangspunkt gut zu erreichen ist, nehmen die meisten ihr eigenes Rad mit", sagt er. "Bei Fernreisen bietet sich ein gutes Leihrad an, das ist dann einfach bequemer."

Aber mit einem ganz neuen Fahrrad sollten Reisende besser nicht gleich eine längere Tour unternehmen. "Jedes Rad fährt, lenkt und bremst unterschiedlich. Daran müssen sich Besitzer erst langsam gewöhnen", sagt Kathleen Lumma. Und das gilt erst recht vor der ersten großen Urlaubstour.

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