"Für die Chöre ist es fast erdrückend"

Bertold Obergföll

Von Bertold Obergföll

Do, 05. November 2020

Ettenheim

DIE VEREINE UND CORONA – heute: Kirchenchor Münchweier.

(bo). Die Corona-Pandemie schränkt das öffentliche Leben ein. Vor allem die Vereine sind betroffen. Die Badische Zeitung fragte nach, welche Konsequenzen die Corona-Pandemie hatte, wie die Vereine darauf reagierten und  wie sie die weiteren Perspektiven sehen. Heute:  Marianne Schnell vom Kirchenchor Heilig Kreuz in Münchweier.

» Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf das Vereinsleben? Mitten in den Vorbereitungen für Ostern hat uns der Lockdown getroffen, wir waren wie erstarrt. Von April bis August waren dann auch keinerlei Proben möglich. Im Sommer haben aber viele Chormitglieder nach Möglichkeiten zum gemeinsamen Singen gefragt.

Wie hat der Verein auf die Einschränkungen reagiert? Zusammen mit Pfarrer Martin Kalt hat unser Dirigent Bernhard Schmidt ein sehr gut ausgearbeitetes Hygienekonzept erstellt, das wir an zwei Probeorten eingesetzt haben. Wir haben die Mindestabstände für uns noch um einen Meter vergrößert. Der halbe Kirchenraum wurde für eine Hälfte des Chors genutzt. Die andere Hälfte wendete sich im Gemeindehaus der Notenlehre und der Rhythmusschulung zu. Wir waren auch schon dabei, für Weihnachten ein für Frauen und Männer unterschiedliches Repertoire zu erlernen. Viele waren froh, endlich wieder gemeinsam singen zu können. Einige ältere Chormitglieder sind jedoch aus Sorge um ihre Gesundheit nicht gekommen.

Wenn die Corona-Pandemie andauert, welche Konsequenzen wird das auf den Verein und das Vereinsleben haben? Der erneute Lockdown-light stellt uns die Frage, wie es weitergehen kann. Ich habe wirklich die Sorge, dass bei einigen von uns die Freude am gemeinsamen Singen auf Dauer nachlassen könnte. Wir sind an die 30 Sängerinnen und Sänger. Wir haben professionelle Kräfte aus Freiburg. Aber die tun mir richtig leid. Die verdienen ihr Geld vor allem an Ostern und Weihnachten. Ostern konnte in der bekannten Form nicht gefeiert werden. Jetzt dürfen wiederum keine Proben stattfinden. Es wird wohl auch kein weihnachtliches Singen geben.

Für die Chöre sind die Einschränkungen existentiell, fast erdrückend. Singen gehört doch dazu. Trotz der ungewissen Zukunft für unseren Amateurchor haben sich erfreulicherweise zwei neue Sänger zum Mitmachen angemeldet. Und uns allen ist deutlich geworden, wie wichtig für uns das Singen und die Gemeinschaft miteinander ist.

Marianne Schnell gehört dem Vorstandsteam des Kirchenchors an.