Wahlkreis 283 (Emmendingen-Lahr)

Für Heike Dorow (Grüne) müssen Klimaschutz und Soziales Hand in Hand gehen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 13. September 2021 um 19:00 Uhr

Kreis Emmendingen

Heike Dorow kandidiert im Wahlkreis Emmendingen-Lahr für Bündnis 90 /Die Grünen. Für die BZ hat sie die aus ihrer Sicht sieben größten Herausforderungen und mögliche Lösungen benannt.



Heike Dorow (54)

Wahlkreis Emmendingen-Lahr

ist in Ettenheimmünster geboren. Ihre erste politische Aktion wandte sich, noch als Schülerin, gegen Atomkraft. Danach standen Ausbildung und Familie im Fokus: Studium und Fotografenlehre gingen schief, später Studium für soziale Arbeit an der Berufsakademie und Abschluss als Diplom-Sozialpädagogin. Jugendarbeit für die Stadt Offenburg. Seit 20 Jahren angestellt bei der Stadt Lahr als Sozialarbeiterin, von der Jugendhilfe bis zur Seniorenarbeit, seit zehn Jahren für den Pflegestützpunkt tätig. Seit 20 Jahren ehrenamtliche Kulturarbeit in der Lahrer Rockwerkstatt. Eintritt in die Partei Die Grünen 2016, seit 2017 im Vorstand, seit 2019 im Ortenau-Kreistag, Sprecherin im Jugend- und Sozialausschuss. Verheiratet, zwei Söhne.



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Dinge, die wir jetzt angehen müssen und meine Vorschläge dazu:

  • Der Klimawandel
    ist die Zukunftsaufgabe Nummer Eins und sie muss verbunden sein mit einer Daseinsvorsorge für die jetzigen und künftigen Generationen und gesamteuropäischen Lösungen.
  • Mehr Beachtung
    verdient der ländliche Raum. Da leben 60 Prozent der Bevölkerung. Wenn Bauernhöfe und Dörfer verschwinden, verlieren wir mehr als offene Landschaften.
  • Entscheidungsprozesse
    müssen schneller werden. Dafür ist Entbürokratisierung notwendig. Und mehr Spielräume für Verwaltungen. Im Moment läuft Vieles disfunktional – so viel Zeit haben wir nicht.
  • Einen sauberen rechtlichen Rahmen
    braucht die häusliche 24-Stunden-Pflege. Mit Verträgen, die Arbeitszeiten, Urlaub und Lohn regeln und einer Gegenfinanzierung durch die Pflegeversicherung.
  • Wohnraum schaffen
    ist wichtig, aber wir dürfen das nicht nur aus Stadtsicht betrachten. Zuzug in wachsende Städte lässt den ländlichen Raum ausbluten. Wohnen, Arbeit und Mobilität gehören zusammen.
  • Mehr Wertschätzung
    ist generell notwendig für alle, die in Gesundheit- und Pflege tätig sind. Für Beschäftigte muss sich das auch finanziell zeigen; im Ehrenamt mit Rentenpunkten oder Ähnlichem.
  • Digitalisierung
    ist ein Schnittstellenthema für alle Lebens- und Arbeitsbereiche, ein Teil der notwendigen Daseinsvorsorge. In jedem Winkel der Bundesrepublik.
  • Mehr Therapeuten
    sind dringend im Kinder- und Jugendbereich notwendig. Es kann nicht sein, dass ein junger Mensch, dem es schlecht geht, monatelang auf Hilfe warten soll.
  • Generationengerechtigkeit
    und Zukunftswirkungen müssen bei politischen Entscheidungen stärker mitgedacht werden, einschließlich einer längerfristigen Verlässlichkeit von Entscheidungen.
  • Mehr Vernetzung
    der stationären und ambulanten Gesundheitsangebote in einer Art Case-Management wäre gut für Patienten und schnellere Genesung und damit auch wirtschaftlich effizienter.
  • Kinder und Jugend
    müssen stärkere Rechte in der Politik bekommen und eine Bildung, die gewährleistet, dass uns keiner verloren geht. Wir brauchen jeden Einzelnen für die Entwicklung der Gesellschaft.
  • Ehrenamt und Kultur
    sind systemrelevant! Das ist unser gesellschaftlicher Kitt und kein nettes Beiwerk. Sie ermöglichen, die Vielfalt unserer Gesellschaft zu gestalten und brauchen Unterstützung.
  • Gesundheit und Pflege
    brauchen einen tiefgreifenden Strukturwandel hin zu einer Bürgerversicherung, mit Beiträgen von Allen und auch staatlichen Geldern für die Infrastruktur.
  • Der Bahnausbau
    auf der Rheinschiene und nach Bayern und Österreich muss deutlich beschleunigt werden, um die Güter von der Straße auf Züge zu bekommen. Die Entscheidungsprozesse dauern zu lange.

So kam ich zur Politik

Ihre Mutter stammte aus Ettenheimmünster, ihr Vater war Kriegsflüchtling und erfuhr viel Ablehnung im Dorf. Das blieb ihr nicht verborgen. Sie spürte die Ungleichbehandlung – und strengte sich an: Als einzige aus der Grundschulklasse kam sie aufs Gymnasium. Im Studium war sie eine von zwei Bafög-Empfängern; einige Mitstudierende drangsalierten sie. Immer wieder stieß sie auf Ungleichbehandlung, Ungerechtigkeit. "Die einen ziehen Vorteile für sich, während die Hilfsbereiten, Engagierten plötzlich wie Trottel da stehen. Das geht so nicht! Wir brauchen Miteinander, um unsere Probleme zu lösen."

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