Job-Start-Börse 2019

"Für jeden den richtigen Beruf" – Interview mit Christian Ramm

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Di, 28. Mai 2019 um 10:19 Uhr

APA

Christian Ramm ist der Chef der Freiburger Arbeitsagentur. Im BZ-Interview erklärt er, wie Schulabgänger den richtigen Job für sich finden.

Gute Zeiten für junge Leute: Es gibt mehr Ausbildungsplätze als potenzielle Lehrlinge. Wie Schulabgänger den Weg durch den Dschungel der beruflichen Möglichkeiten finden, erklärt Christian Ramm, Chef der Arbeitsagentur Freiburg im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Sarah Schädler.

BZ: Warum sollte ein angehender Azubi die Job-Start-Börse besuchen?
Christian Ramm: Bei der Job-Start-Börse können Ausbildungssuchende direkt mit Auszubildenden ins Gespräch kommen. Die Gesprächspartner können genau erzählen, was der Beruf mit sich bringt, was sie als Azubis erleben, wie das Klima im Unternehmen ist. Es gibt in jedem Beruf ganz tolle Sachen und auch Sachen, die manch einer nicht so besonders schön findet. Es geht darum, auch darüber offen zu reden.

BZ: Wie sieht die Situation im Agenturbezirk aus?

Ramm: Bei uns ist es zurzeit so, dass wir mehr Ausbildungsstellen haben als Bewerber. Die Zahl
derer, die keine Ausbildungsstelle bekommen, obwohl sie einen Ausbildungsplatz suchen, liegt bei
ungefähr 50. Insgesamt ist die Situation für junge Menschen so gut wie seit langem nicht mehr. Letztes Jahr waren es 600 unbesetzte Ausbildungsstellen im
Agenturbezirk. Also für die jungen Menschen ist das jetzt eine super Situation.

Diese Unternehmen stellen sich bei der Job-Start-Börse 2019 vor:



BZ: Welche Branchen sind besonders von unbesetzten Stellen betroffen?

Ramm: Da muss man differenzieren: Große Schwierigkeiten haben der Hotel- und Gastronomiebereich, der Pflegebereich, aber auch bestimmte Handwerksberufe und technische Berufe insgesamt. Eine Vielzahl von Bewerbern gibt es hingegen im IT-Bereich und in sehr gehobenen kaufmännischen Berufen.

BZ: Welche Herausforderungen gibt es?

Ramm: Die Berufswahl kommt für viele junge Menschen zum ungünstigsten
Zeitpunkt: In der Pubertät, wo sie ganz viele Dinge haben, die für sie
wichtig sind, müssen sie bei der Berufswahl rational vorgehen. Aber davon kommen wir nicht weg. Deshalb brauchen sie auch eine neutrale Unterstützung. Bei der Berufsberatung achten wir darauf, dass Beruf und Mensch zusammenpassen. Das ist für den jungen
Menschen, aber auch für den Arbeitgeber wichtig.

BZ: Wie unterstützt die Arbeitsagentur junge Menschen?

Ramm: Wir gehen niederschwellig vor und sind dort, wo die jungen Menschen sind. Wir in der Region haben seit 2017 an dem Pilotprojekt "Beratungsort Schule" teilgenommen. Das bedeutet, dass ein Berater der Arbeitsagentur jede Woche an einem bestimmten Tag in einer Schule ist, informiert und berät. Wir machen das ab dem Schuljahr 2019/2020 an allen Schulen. Dann gibt es noch die Agentur mit dem BiZ oder das Gleis 25, die Jugendberufsagentur am Bahnhof, wo wir unterstützend tätig sind.

BZ: Was steht bei der Beratung im Mittelpunkt?

Ramm: Wir beraten die jungen Menschen aufgrund ihrer Eignung, ihrer Neigung und ihrer Fähigkeiten. Über Vorstellungen wird gesprochen und ob diese realistisch sind. Wichtig ist aber auch – und das ist ja die Herausforderung – all die Alternativen, die es gibt, zu klären. Es gibt zwar Selbsterkundungstools und andere Online verfügbare Unterstützungsmöglichkeiten, aber das persönliche Gespräch ist natürlich viel wichtiger und viel entscheidender.

BZ: Was würden Sie jungen Menschen raten?

Ramm: Die Berufswahl ist ein Prozess und individuell sehr unterschiedlich. Es geht darum, Angebote wie die Job-Start-Börse anzunehmen, ins Gespräch zu gehen, sich bei Berufsberatern zu informieren. So können sich Optionen zeigen, die der Suchende noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Es gibt für jeden den richtigen Beruf. Man muss ihn nur finden. Und wir
möchten die Menschen bei der Suche unterstützen.