Kino-Tipp

"Für Sama" aus Syrien – ein Albtraum namens Realität

Günter H. Jekubzik

Von Günter H. Jekubzik

Do, 25. Juni 2020 um 14:24 Uhr

Kino

Der bewegendste Film seit langem und sicher für lange Zeit ist kein Produkt der Traumfabrik Hollywood, sondern eines der Albtraum-Fabrik namens Realität.

Die oscar-nominierte Dokumentation "Für Sama" zeigt als poetischer Videobrief einer Filmemacherin an ihre kleine Tochter Sama die erschütternden Zustände im weltweit hingenommenen Syrienkrieg.

Verletzte und sterbende Kinder, kleine Jungs, die ihren toten Bruder in das letzte funktionierende Krankenhaus Aleppos bringen. Das ist – obwohl nie sensationsheischend aufgenommen – schwer zu ertragen. Doch wie viel schwerer muss es für die junge Mutter hinter der Kamera sein, die immer wieder ihre kleine Tochter Sama in diesen Situationen sieht?



Reporterin Waad al-Kateab erzählt in "Für Sama" von den begeisterten Anfängen der Revolution gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad im Studentenviertel von Aleppo. Von den ersten Massenmorden an den Protestlern und dann vom jahrelangen, brutalen Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Während Waad ihre bald international verbreiteten Berichte aufnimmt, lernt sie den Arzt Hamza kennen. Er errichtet in den Trümmern der Stadt zweimal eine neue Klinik. Doch diese Rettung für Tausende Menschen wird von den syrischen und russischen Raketen bewusst als Ziel gesucht. So erleben wir diesen furchtbaren Krieg aus der Innenperspektive, aus dem Inneren eines Krankenhauses. Berührend ist nicht nur der Kampf um jedes Leben und die unzerstörbare Hoffnung der Helfer.

Das Wunderbare an diesem Film, den man nie vergessen wird, ist die kunstvolle und dabei zutiefst menschliche Form der Ansprache an die eigene Tochter. Das Material, das Waad, Hamza und ihre Freunde bei der Evakuierung retteten, wurde in England auf eine exzellente Weise montiert, die gleichzeitig gute Seiten des Lebens und seine Schrecken zeigt. (Läuft in Freiburg, ab 16.)