Arbeit an der Janusz-Korczak-Schule

"Für unsere Schüler ist es wichtig, möglichst viel Selbstständigkeit zu lernen"

Leonie Engler, Klasse 8a, St.-Ursula-Gymnasium

Von Leonie Engler, Klasse 8a, St.-Ursula-Gymnasium (Freiburg)

Di, 03. Mai 2022 um 11:10 Uhr

Schülertexte

Um mir das Leben an der Janusz-Korczak-Schule, einem SBBZ, besser vorstellen zu können, habe ich, Leonie Engler, die Rektorin der Schule, Cornelia Rüthlein, interviewt und ihr Fragen über ihren Beruf und die Schule generell gestellt.

Zischup: Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Rüthlein: Mein Name ist Cornelia Rüthlein, ich bin 64 Jahre alt und die Schulleiterin dieser Schule, von Beruf bin ich Sonderschullehrerin. Ich habe zuerst ein Grund- und Hauptschullehrerstudium gemacht, das Referendariat und dann noch ein Aufbaustudium in Sonderpädagogik.

Zischup: Was genau ist die Janusz-Korczak-Schule?

Rüthlein: Die Janusz-Korczak-Schule ist ein SBBZ, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung und körperlich-motorische Entwicklung. Das beschreibt die Hauptschwierigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler.

Zischup: Welche Qualifikationen muss eine Lehrerin hier haben im Gegensatz zu einem Lehrer oder einer Lehrerin an einer Standardschule?

Rüthlein: Zu jeder Schulart muss man das entsprechende Studium machen plus das Referendariat. In Baden-Württemberg studiert man zwei Sonderschulfachrichtungen. Ich zum Beispiel habe als Hauptfach Geistigbehindertenpädagogik studiert und als Nebenfach Sprachbehindertenpädagogik.

Zischup: Wie viele Kinder sind an der Schule und wie viele sind durchschnittlich in einer Klasse?

Rüthlein: An unserer Schule gibt es insgesamt 48 Kinder und in jeder Klasse sind es sechs Kinder. Jede Klasse hat zwei Lehrer oder Lehrerinnen. Bei uns gibt es keine Jahrgangsklassen, dafür haben wir zu wenige Kinder, aber die Klassen werden so zusammengestellt, dass es mit dem Alter untereinander passt.

Zischup: Wo liegen die Unterschiede bei den Fächern zu einer Schule mit Kindern ohne Einschränkungen?

(Wir schauen gemeinsam den Bildungsplan an, hier sind die "Bildungsbereiche"/Schulfächer mit den Lerninhalten aufgeschrieben, auch Mathematik, Sprache, Musik usw.)

Rüthlein: "Selbständige Lebensführung" zum Beispiel – das ist jetzt ein Fach, das es auf einem Gymnasium nicht gibt, aber für unsere Schüler ist es sehr wichtig, möglichst viel Selbstständigkeit lernen zu können.

Zischup: Wie muss man sich einen normalen Schultag vorstellen?

Rüthlein: Die Kinder werden zuhause mit dem Bus abgeholt und kommen um 8.45 hier an. Wenn die Kinder angekommen sind, gibt es einen Morgenkreis in der Klasse und man bespricht, was das Thema für den Tag ist. An unserer Schule gibt ganzheitlichen Unterricht, das ist sozusagen so etwas wie Projekttage. In einem Thema behandelt man Deutsch, Umwelt, Wissen und Erfahrungen – das alles müssen die Lehrer im Blick haben, wenn sie mit den Kindern arbeiten. Nach dem Mittagessen gibt es eine Mittagspause, zum Ausruhen und Entspannen. Um 14 beginnt der Projektunterricht wieder für zwei Stunden, bis die Kinder frei haben.

Zischup: Was ist die größte Herausforderung an Ihrer Arbeit für Sie?

Rüthlein: Es ist unterschiedlich, aber Corona ist in letzter Zeit eine große Herausforderung. Zum einem ist es eine schwere Belastung, alles mit den wechselnden Coronaverordnungen zu regeln. Aber es ist auch eine emotionale Belastung, weil unsere Schülerinnen und Schüler durch ihre Vorerkrankungen ein höheres Risiko haben. Unser Ziel war also über diese zwei Pandemiejahre, dass die Schule ein sicherer Ort blieb.

Zischup: Was ist Ihre Motivations- und Kraftquelle, um ihren Beruf zu meistern?

Rüthlein: Es gibt so vieles, aber ich denke, die gute, gemeinsame Arbeit mit meinen Kollegen und den Eltern unserer Kinder ist sehr bereichernd. Natürlich machen mich auch die Fortschritte unserer Kinder sehr glücklich. Wenn man zurückblickt und dann die Entwicklung sieht, staunt man einfach und denkt: "Wie schön!"