Reisetipp

Fußball, Felder und Flaniermeilen: Dortmund hat viel zu bieten

Katharina Hensel

Von Katharina Hensel

Fr, 26. November 2021 um 22:01 Uhr

Reise

Schwarz-gelbe Leidenschaft in einer der grünsten Städte Europas: Dortmund ist abwechslungsreich und mehr als nur einen Abstecher wert.

Zugegeben, das Ruhrgebiet zählt auf den ersten Blick nicht zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland. Aber es ist einen Besuch wert: So ist Dortmund mit fast 600.000 Einwohnern die neuntgrößte Stadt der Bundesrepublik – und mit 63 Prozent Grünfläche eine der grünsten Europas. Sieben Tipps für einen entspannten Dortmund-Trip:

» Für Fußballfans
Ein Muss für jeden auch nur entfernt fußballverrückten Dortmund-Besucher ist, na klar, der Signal-Iduna-Park. Schon wer vom Bahnhof dorthin schlendert, dem fallen kleine und große Details auf, die das Schwarz-Gelb-Fieber der Stadt widerspiegeln: teils ganz plakativ wie ein Bild der Südtribüne auf den Stufen hoch zur Innenstadt. Teils weniger offensichtlich mit Stromkästen, Klettergerüsten oder Mülleimern in Schwarz-Gelb. Sind die in anderen Städten eigentlich auch schwarz-gelb?, beginnt man sich irgendwann zu fragen. "Sie werden hier überall was mit Fußball finden, das ist halt so", sagt Sigrun Späte von Dortmund-Tourismus mit ruhrgebietiger Direktheit.

Auf der stadtfernen Seite des Ruhrschnellwegs hat das Schwarz-Gelbe sein Zentrum: An einer Allee samt begrüntem Parkplatz, liegt der Signal-Iduna-Park, die Heimat des BVB Dortmund. Dort können Fans je nach aktuellen Corona-Regeln Stadiontouren mitmachen, sich mit Trikots, Tand und Tassen eindecken und vielleicht sogar Tickets für ein Spiel ergattern.

» Für Familien
Im Westfalenpark ist für alle etwas dabei: Kleinkindspielplätze, Rosengärten, eine Sternwarte und viele kleine Teiche. "Idyllisch", beschreibt Sigrun Späte den Park, "ein sehr entspanntes Sein." Da auf dem Gelände Radfahren oder Rollschuhlaufen nicht erlaubt sei, müsse man nicht auf irgendwelchen Verkehr aufpassen. "Für Familien mit Kindern ist das wirklich großartig", findet Späte. Eine Parkbahn auf Schienen zuckelt an den verschiedenen kleinen Gartenanlagen, Plätzen und Restaurants vorbei oder man lässt sich von der Seilbahn über den Park hinweg tragen und bekommt beim Gondeln ein leicht alpines Gefühl. Zum Wandern ist der Westfalenpark zwar nicht groß genug, aber es lässt sich mühelos ein abwechslungsreicher Tag darin verbringen. Der Florianturm, Dortmunds rund 220 Meter hoher Fernsehturm inmitten des Parks, ist eine gute Location für Selfies und – wenn er geöffnet ist – auch für den perfekten Blick auf Dortmund.

» Für Flanierer
Die rund zwei Kilometer vom Westfalenpark zum Phoenixsee bewältigt man am besten per Rad über die Emscherpromenade, einem Streifen Grün inmitten der Stadt. Der See ist zu Fuß in gemütlichem Tempo in anderthalb Stunden (bei rund drei Kilometern Strecke) umrundet, zahlreiche Cafés an seinem Ufer bieten Gelegenheit für Pausen. Tretbootfahrer werden im Sommer hier ebenso happy wie Entenbeobachter.

Der Phoenixsee ist ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel in Dortmund: Dass hier mal ein Stahlwerk war, lässt sich höchstens noch erahnen. Das Werk wurde an chinesische Investoren verkauft, erzählt Sigrun Späte, "die haben das verschifft und in China aufgebaut". Auf dem früheren Werksgelände entstand der See, auf den Grundstücken drumherum stehen moderne Wohnhäuser. Ein wenig kann man diese Geschichte nachvollziehen, wenn man die kleine Kulturinsel an der Kaipromenade betritt. Dort erzählen bebilderte Banner und ein Industriekunstwerk von der Vergangenheit des Ortes. Heute verbringen hier viele Dortmunder ihre Freizeit. "Wenn die Leute wissen wollen, wer in Dortmund so lebt, müssen sie mal sonntagnachmittags um den Phoenixsee gehen", so Späte, "da sieht man, wie man im Ruhrgebiet so sagt, alle Sorten Mäuse, die hier so leben. Inklusive Fußballprofis."

» Für Schlenderer
Das Dortmunder Kreuzviertel mit Häusern im Jugendstil und kunstvoll verzierten Fassaden hat als Szeneviertel jede Menge Ausgehmöglichkeiten zu bieten, aber auch kleine Läden mit Second-Hand-Mode, Zimmerpflanzen oder antiquarischen Büchern. In den Eiscafés werden hausgemachte Sorten wie Marzipan-Mohn oder Haferflocke auf die Waffel gepackt, überhaupt ist die Auswahl an vegetarischen und veganen Angeboten groß.

Auf dem Südwestfriedhof erholen sich Ruhesuchende, einige hundert Meter entfernt ist der Westpark mit Grillplätzen, Klettergerüsten und einem Biergarten.

» Für Shopping-Fans
Parfüm, Schmuck, Kleidung, zwischendrin das Shopping-Center Thier-Galerie sowie der Geruch von Bratwurst und Crêpes: Der Westenhellweg ist die Shoppingmeile der Stadt. Kultur statt Konsum bieten Galerien, Theater und das Deutsche Fußballmuseum, ebenso die Stadtkirche Sankt Reinoldi oder die Petrikirche mit kunstvollen Schnitzereien. Besonders voll ist die Fußgängerzone an Markttagen, dann besorgen sich die Dortmunder auf dem Hansaplatz regionales Obst, Gemüse und Fleisch.

» Für Kulturinteressierte
Das Dortmunder U ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Früher gehörte das Gebäude der Union-Brauerei, aus dieser Zeit stammt noch "das U", der hohe goldene Buchstabe auf dem Dach. Drinnen stellen auf mehreren Etagen Dortmunder Künstler, der Hardware-Medienkunstverein oder auch die Hochschulen der Stadt aus. Im Umfeld des U haben sich viele Künstler niedergelassen, "so ist ein kreatives Quartier entstanden", sagt Sigrun Späte. Ein Kunstmuseum im klassischen Sinn ist das Museum Ostwall, das Ausstellungen zu moderner Kunst zeigt.

» Für Kumpelige
Zwiebeltürme und gotische Bögen sind nicht unbedingt das, was man mit einer Zeche verbindet. Die Zeche Zollern aber hat sie und ist damit "die schöne kleine Schwester des Weltkulturerbes Zollverein", findet Sigrun Späte, das ja in Essen eher ein glattes Gebäude ist, das hauptsächlich durch seine Größe beeindruckend wirkt. Die Zeche Zollern in Dortmund dagegen erinnere an einen Gutshof, sagt Späte. Dazu passt auch die Umgebung: Um die Zeche herum stehen Backsteinhäuser mit Vorgärten, es herrscht eine fast schon dörfliche Stimmung. Inmitten dieser kleinen Gebäude erheben sich die reich verzierten Zwiebeltürme. Das Gelände ist von einem gusseisernen Zaun umgeben, man muss Eintritt zahlen.

Denn inzwischen befindet sich in und unter den riesigen Hallen ein Museum für Industriekultur. In drei Ausstellungen, in verschiedenen Gebäuden um einen begrünten Innenhof gruppiert, kann man die Bedeutung dieser und anderer Zechen erfahren. Die Dauerausstellung zeigt das Leben der Kumpel, für Kinder gibt es dort extra Ausstellungsschilder und einen "Kinderkeller", in dem man den Alltag unter Tage nachempfinden kann. Soundeffekte inklusive. Technische Geräte sind in der Maschinenhalle zu sehen. Wer nach den Ausstellungen eine Stärkung braucht, kehrt ins Restaurant im ehemaligen Pferdestall der Zeche ein – übrigens auch eine beliebte Location für Hochzeiten.

Weitere Infos: Mit dem Zug von Freiburg nach Dortmund drei- bis viermal am Tag Direktverbindungen, Dauer etwa fünf Stunden. Mit dem Auto über A 5 und A 45 je nach Verkehrslage etwas länger. Innerhalb Dortmunds kann man sich gut mit U-Bahn und Rad fortbewegen; visit.dortmund.de