"Ganz cool kann man aktuell nicht sein"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Do, 06. August 2020

Mountainbike

BZ-INTERVIEW mit Kai Sauser, der mit seinem Bruder Rik den Bike Giro im Engadin und das gleichnamige MTB-Etappenrennen im Hochschwarzwald organisiert.

. Wie soll man es nennen? Das Glück des Tüchtigen? Oder einfach Schwein gehabt? Jedenfalls haben die Sauser-Brüder kurz vor dem Engadin Bike Giro das Okay für die Mountainbike-Etappenfahrt bekommen und auch der Rothaus Bike Giro im Hochschwarzwald wird vom 20. bis 23. August mit 500 Teilnehmern stattfinden. Seit 20 Jahren organisieren Kai und Rik Sauser mit ihrer Event GmbH Sportveranstaltungen, aufgrund von Corona waren die Unwägbarkeiten jedoch noch nie so groß. Jürgen Ruoff hat sich mit Kai Sauser unterhalten.

BZ: Die Erleichterung wird groß sein: Nach Wochen der Ungewissheit können Sie jetzt endlich wieder planen.
Sauser: Ja klar. Es gab ein paar Wochen, in denen man gedacht hat, dass dieses Jahr gar nichts mehr geht. Dann gab’s irgendwann mal erste Lichtblicke und es sind für uns fast schon punktlandungsmäßig die Öffnungen mit einer Teilnehmerzahl gekommen, die für uns funktioniert. Das war beim Engadin Bike Giro so und auch beim Bike Giro hier im Schwarzwald.

BZ: Wie habt Ihr als Sportevent-Agentur den existenzbedrohenden Stillstand erlebt?
Sauser: Das war von heute auf morgen ein Schlag auf den Hinterkopf, den man sich nicht vorstellen kann. Es ging ja so schleichend los, als es die ersten Fälle gab und die ersten Veranstaltungen abgesagt wurden und irgendwann kam dann die ganz große Keule. Wir hatten noch die Hoffnung, dass es nur ein paar Wochen geht, aber das hat sich relativ schnell verflüchtigt. Wir haben ja auch ein Geschäft in der Villinger Innenstadt, das war auch vier Wochen komplett dicht. Da wird es einem schon ganz anders.

BZ: Der Engadin Bike Giro in der Schweiz, den Sie ebenfalls organisieren, war meines Wissens das erste Mountainbike-Rennen nach dem Shutdown.
Sauser: In der Schweiz war es das erste MTB-Rennen und es war auch der erste Wettkampf mit einem internationalen Starterfeld. Es gab aber wohl in Tschechien schon im Mai und Juni vereinzelt Cross-Country-Rennen mit nationaler Besetzung.

BZ: Welche Corona-bedingten zusätzlichen Hindernisse mussten Sie auf dem Weg zur Realisierung des Rennens in der Schweiz aus dem Weg räumen?
Sauser: Wir mussten uns in allen Bereichen Gedanken machen und haben ein Schutz- und Hygienekonzept erstellt. Unser Konzept ist auf drei Seiten relativ kompakt gehalten, denn es bringt ja nichts, wenn man vor lauter Formulierungen das Wesentliche aus den Augen verliert. Es muss verständlich sein, kurz und kompakt. Das geht damit los, dass wir versucht haben, die Teilnehmer so gut wie möglich auseinanderzuhalten. Wir haben das Feld in Startblöcke aufgeteilt, dass nicht alle zusammenstehen. Wir haben eine Mund-Nasen-Bedeckungspflicht vor dem Start eingeführt. Während des Rennens ist es relativ unproblematisch, da Mountainbiker ja nicht in Riesenpulks fahren, viele sind allein unterwegs. Unser Personal an den Verpflegungsstellen hatte Schutzhandschuhe an und Masken auf, zusätzlich stand Desinfektionsmittel bereit.

BZ: Die Teilnehmer mussten vor dem Start Masken tragen, während des Rennens logischerweise nicht, aber nach der Zieldurchfahrt war auch wieder Maskenpflicht. Hat das funktioniert?
Sauser: Das hatten wir im Engadin so drin, aber praktisch war es dann so, dass sich das nach der Zieldurchfahrt relativ schnell sortiert hat, weil viele allein oder in Kleingruppen ankamen. Aufgrund dieser Erfahrung im Engadin wird das Tragen einer Maske nach der Zieldurchfahrt beim Bike Giro im Hochschwarzwald keine Pflicht mehr sein. Die Praxis hat gezeigt, dass das nicht notwendig ist, weil die Abstände groß genug sind. Wir setzen da auch auf eine gewisse Eigenverantwortung, dass der Abstand eingehalten wird, wenn mal mehrere Leute zusammenstehen.

BZ: Was war das skurrilste Erlebnis im Umgang mit der besonderen Situation?
Sauser: Das gab es nicht. Es war eigentlich ein völlig normales Wettkampfwochenende in der Schweiz. Klar, die Leute hatten Masken auf, es war ein klein wenig anders und es gab keine Siegerehrung. Der sportliche Wettkampf lief aber unkompliziert und gerade wegen der besonderen Situation herrschte eine schöne, sehr spezielle Stimmung: Die Sportler waren dankbar, dass wir uns getraut haben, den Wettkampf auszurichten. Und wir haben uns gefreut, dass die Sportler gekommen sind.

BZ: Wann stand fest, dass der Rothaus Bike Giro im Hochschwarzwald ebenfalls ausgetragen werden kann?
Sauser: Die Lockerung vom Land kam Ende Juni, dass ab August wieder Veranstaltungen bis 500 Leute stattfinden können. Davor waren wir schon in enger Abstimmung mit dem Kultusministerium und wir haben uns dann auch den offiziellen Segen für unsere Veranstaltung geholt.

BZ: Besteht die Chance, dass das Limit von 500 Startern ähnlich wie in der Schweiz noch aufgestockt wird?
Sauser: Nein, nein, nein. Jetzt sowieso nicht mehr, weil es zu kurzfristig wäre und für Baden-Württemberg gilt das 500er-Limit bis Ende Oktober.

BZ: Wie viele Teilnehmer haben sich bisher angemeldet?
Sauser: 460 sind es bis jetzt.

BZ: Welche Corona-bedingten Auflagen gibt es für den Bike Giro im Hochschwarzwald?
Sauser: Die Teilnehmer bekommen von uns den Leitfaden zugeschickt und jeder muss ihn unterschreiben. Erst danach bekommt er die Startnummer von uns ausgehändigt. Die Begleitpersonen werden ebenfalls alle erfasst. Wir erfassen den ganzen Tross inklusive Organisationsteam. Die Nachverfolgbarkeit ist ja ein zentraler Baustein des Konzepts.

BZ: Das Rennen in der Schweiz war hochkarätig besetzt mit Cross-Country-Fahrern, Langdistanz-Spezialisten und solchen, die alles können. Wird das beim Bike Giro im Schwarzwald ähnlich sein?
Sauser: Es wird auch ein gutes Feld am Start sein, aber so stark wie in der Schweiz wird es nicht sein. Wir merken, dass es jetzt wieder mehr Angebote gibt und dementsprechend verteilt sich das etwas. Parallel ist das Swiss-Epic-Etappenrennen in der Schweiz und da tritt beispielsweise das Team Bulls komplett an.

BZ: Das bedeutet, dass Simon Stiebjahn aus Langenordnach, der den Rothaus Bike Giro schon gewonnen hat, nicht bei seinem Heimrennen im Schwarzwald am Start sein wird?
Sauser: Richtig. Dem sind sozusagen dieses Mal die Hände, respektive die Beine gebunden. Julian Schelb, der Vorjahressieger aus dem Münstertal, wird jedoch am Start sein.

"Start und Ziel ist in der

Biathlonarena – das ist

schon etwas Besonderes."

BZ: Es ist der vierte Bike Giro, erstmals ist Todtnau als Etappenort mit dabei anstelle von Feldberg. Wie kam es dazu?
Sauser: Feldberg wollte nicht mehr aktiver Etappenort sein, wir haben uns dann nach Alternativen umgeschaut. Wichtig bei der Suche war, dass es eine Kommune im Hochschwarzwald ist. Wir haben mit der Hochschwarzwald Tourismus GmbH gesprochen und dann sind wir auf Todtnau gekommen, wo es ja auch einen Bike-Park gibt. Über die Gemarkung von Todtnau sind wir bereits in den Jahren davor gefahren, es gab also schon eine Verbindung und irgendwann haben wir einfach angefragt. Wir freuen uns, dass wir nun mit zwei neuen Etappen oben auf dem Notschrei als Start- und Zielort sind, in der Biathlonarena, das ist ja schon etwas Besonderes.

BZ: Eigentlich könnten nur noch stark steigende Corona-Fallzahlen in der Region die Veranstaltung stoppen. Verfolgt Ihr die Entwicklung mit einer gewissen Nervosität oder seid Ihr ganz cool?
Sauser: Ganz cool kam man aktuell nicht sein, dazu ist alles zu unberechenbar. Ja, die Zahlen steigen wieder etwas, aber alles ist noch im Rahmen. Im Schwarzwald sind die Corona-Zahlen auf sehr niedrigem Niveau. Hundertprozentige Sicherheit gibt es im Moment aber nicht.