GANZ NEBENBEI: Ein weiter Blick

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Sa, 03. April 2021

Elzach

Nein, es ist gar nicht lustig. Es bleibt gefährlich, dramatisch, verwirrend, ermüdend. Und es ist verständlich, wenn sich sehr viele Menschen Sorgen machen, sie um die Gesundheit und ihre Existenz bangen oder auch nur wünschen, es möge endlich vorbei sein: Corona, was sonst? Trotz allem sollte man nicht vergessen, dass die Welt nicht hinter Breisach oder Basel aufhört, auch nicht am Bosporus oder in Beirut. Was im Corona-Dauer-Informations-Bombardement oft zu kurz kommt: "Welt-Nachrichten". Gerade im Elztal gibt es ja Initiativen, bei denen man schon immer über den Tellerrand hinausblickt – nur drei Beispiele: "Ayuda Andina" (Peruhilfe), "Drive to help" (Gambia) oder Flohmärkte für Sansibar. Leider gibt es viele, viel zu viele Gegenden in der Welt, wo es im "normalen" Alltag viel zu viele Plagen gibt – Corona kommt auch dort noch dazu. So darf man – trotz aller eigenen Corona-Erschöpfung – stets an ein Zitat der US-amerikanischen Schriftstellerin Helen Keller erinnern: "Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte. Bis ich einen Mann traf, der keine Füße hatte."

Eisbefreiung

"Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden, belebenden Blick. / Im Tale grünet Hoffnungs-Glück./ Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in die Berge zurück..." Wer Johann Wolfgang von Goethes "Osterspaziergang" aus dem "Faust"-Monolog zitiert, darf sagen: Für’s Elztal gilt 2021 fast dasselbe: Noch vor kurzem so viel Schnee auf den Bergen wie im tiefsten Winter, jetzt verharrt er nur noch ganz oben in letzten Positionen. Und drunten im Tal schien ab Mittwoch fast der Sommer ausgebrochen – plötzlich überall Leute mit Fahrrädern, T-Shirts, kurzen Hosen. Sogar der erste Barfußgänger überquerte froh den Waldkircher Marktplatz. Das Osterglück wäre perfekt, wenn dieser fiese Virus sich genauso wie der Winter in Schwäche zurückzöge. Tut er aber leider nicht. Was sagt Goethe dazu ? "Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.". Aha. Wie so viele andere. Mensch, Goethe!

Eier-Franz

Gar nicht mal so wenige Einheimische hier bekommen ihre Ostereier sozusagen "frei Haus", denn die Hühnerhaltung ist ja im Elz- und Simonswäldertal noch immer durchaus verbreitet. Und dort, wo jetzt in Waldkirch der Norma-Markt ist, gab’s einst – lang her – sogar mal einen großen Geflügelhof. Eier, immer ein Thema, zu Ostern, aber auch sonst. "Eier! Wir brauchen Eier!" forderte einst ein Fußballnationaltorwart. Sein Nachfolger bekam jetzt schon am Gründonnerstag zwei Stück ins Nest, äh ins Netz. Wodurch jetzt endlich jeder weiß, dass in Europa ein Land namens Nordmazedonien existiert. Ach ja, und dann gab’s da mal noch jenen Mann, der einst in Stuttgart dringend einen "Eier Franz" anrufen wollte. Sehr große Ratlosigkeit bei der Telefonauskunft. Bis sich dann herausstellte: Ach so, er meinte die "Air France".

Eiertanz

Was war zuerst da? Henne oder Ei? Schwabendichter Eduard Möricke (1804 – 1875) eiert in dieser Frage nicht lange rum. Deshalb von ihm dazu die Worte zum Osterwochenende:

"Die Sophisten und die Pfaffen

stritten sich mit viel Geschrei:

Was hat Gott zuerst erschaffen,

wohl die Henne, wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?

Erstlich ward’ ein Ei erdacht,

doch weil noch kein Huhn gewesen,

Schatz, so hat’s der Has’ gebracht."

Und wir ergänzen noch sehr gerne:

Die Redaktion wünscht ohne Frage

den Lesern schöne Eiertage !

(und zwar bei jeder Wetterlage).