GANZ NEBENBEI: Verkehrte Welt

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Sa, 04. April 2020

Elzach

Als hätte man’s gewusst: Am vergangenen Wochenende Sommerzeitbeginn und gleichzeitig endlich Schneefall. Zumindest Kandel, Hörnle- und Rohrhardsberg & Co. waren kurzzeitig weiß. Wer erinnert sich? Vor einem Jahr gab’s hitzige Debatten, in Deutschland vor allem, na ja, bei einigen Bürgern vor allem, pro/contra Sommerzeit. Jetzt, in der Seuchen-Situation interessiert’s keinen mehr. Aprilscherze waren diese Woche aus demselben Grund ebenfalls nicht in Mode, auch in der Zeitung nicht, denn am liebsten will man mit so einem Scherz die "wunderfitzigen", neugierigen Leser ja irgendwo hinlocken, eben in den April schicken – aber die Leute sollen ja nun zuhause bleiben.

Ganz stille Blüte

Zwei große Schilder fallen auf, wenn man durch die Kandelstadt fährt. Am Ortsausgang Richtung Suggental und Buchholz jenes von einem Verkaufsstand mit Selbstpflück-Tulpenfeld, wo es heißt: "Waldkirch blüht auf", was hoffentlich bald nicht nur für Waldkirch allein wieder der Fall sein wird.

Am Ortsausgang Richtung Kollnau steht die große Reklame einer bekannten französischen Glimmstengelmarke: "Und die Welt steht still" steht im Werbefoto eines sehr relaxten Monsieurs. Wenn man von der entspannten Szene absieht und nur den einen Satz sieht, muss man sagen: Noch nie sagte es Zigarettenwerbung so treffend. Hm.

Der Schein trügt

Ganz still steht sie zum Glück nicht, die Welt, aber es ist alles anders. Fährt man mit dem Auto durch’s Elztal, so kommen Gedanken dieser Tage, wo kein Wölkchen den blauen Himmel trübt, scheinbar alles in Ordnung ist: Vor 35, 40 Jahren gab es auch hier, in Waldkirch, lange und ernsthafte Diskussion, ob ein Atombunker gebaut werden soll – für die Bevölkerung im Fall eines Atomkriegs oder -unfalls. Wenn man jetzt, 2020, sieht, wie jeder sich nach normalen Zeiten sehnt, nach erst ein paar Tagen Corona-Einschränkungen, dann kann man sich nur vage vorstellen, wie es wohl erst im Atombunker wäre. Radioaktivität verschwindet nicht, wie (hoffentlich!) ein Virus nach ein paar Wochen, sondern bleibt jahre-, jahrzehnte-, jahrhundertelang.

Zell-mit-teilung

Der Spruch zum Wochenende kommt vom hochverehrten und unvergesslichen Groß- und Altmeister des Humors, Heinz Erhardt (1909 bis 1979) und der Spruch sagt in vier Zeilen ganz viel über das Menschsein an sich aus:

"Das Leben beginnt auf alle Fälle

in einer Zelle.

Und manchmal endet’s auch – bei Strolchen –

in einer solchen..."