Gedankenspielereien zur Zukunft in Szene gesetzt

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Mo, 03. Juni 2019

Lörrach

Premiere für erste Inszenierung von Kirstin Quartier und Pia Löwe als Birgit Vaiths Nachfolgerinnen beim Jungen Theater.

LÖRRACH. Ein Jahr nach dem Abschied der langjährigen Theaterleiterin Birgit Vaith ist das Junge Theater wieder da. Unter der Leitung von Kirstin Quartier und Pia Löwe begeisterte das fünfköpfige Ensemble im Alten Wasserwerk das Premierenpublikum mit dem selbst erarbeiteten Stück "Nächster Halt: Zukunft". Es kreiste um ein Thema, das die Jugendlichen sehr beschäftigt.

Aus allem Für ergibt sich auch ein starkes Wider

Wie sieht unsere Zukunft aus? Wie können wir selbst sie durch unser Verhalten beeinflussen? In solchen Gedankenspielereien verlieren sich Nele und ihre Freunde bei einem ihrer Treffen. Sie erfinden Sportarten der Zukunft wie Sitzgolf oder Gesichtsyoga, stellen sich vor, wie das wäre, all seine Freunde programmieren und eine perfekte Frau schaffen zu können. Wie es mit dem Klima weitergeht, wird darstellerisch durchdekliniert: Hitzekoller, Kampf gegen einen Hurrikan, das Frieren bei arktischer Kälte und ein starkes Erdbeben. Aus allem Für ergibt sich aber auch ein starkes Wider. Das gipfelt in der verzweifelt ausgerufenen Frage: "Gibt es irgendetwas, was einfach nur Spaß macht?"

Erik Ressel, Simeon Sampat-Mehta, Anthony McSheehy, Clara Borgne und Amanda Giering spielten schon ziemlich virtuos auf der Klaviatur grundsätzlicher Theaterelemente, obwohl drei von ihnen absolute Bühnen-Neulinge sind: Da kam der Haptik eine große Rolle zu, wurden Blätter aus alten Zeitungen gerissen, geknüllt und in die Luft geworfen, das Gefühl der Schwerelosigkeit im All in Zeitlupe ausgekostet, das Publikum durch direkte Ansprache mit einbezogen und beim Robot-Schwanensee auch choreografisch gearbeitet. Mit einer weiteren gute Idee wartete das Ensemble gegen Ende des Stücks auf. Das Thema "Zukunft" wurde aus einer neuen, alten Perspektive beleuchtet, nämlich aus Sicht der kürzlich verstorbenen Oma von Nele.

Wer frühere Inszenierungen des Jungen Theater gesehen hatte, erkannte auch, wo die beiden Regisseurinnen herkommen. Man dürfe das auch ruhig sehen, fanden Kirstin Quartier und Pia Löwe. Bei ihrem Einstieg als Spielleiterinnen und Theaterpädagoginnen haben die ehemaligen Spielerinnen mit ihrer Gruppe erstmal eine solide Basis erarbeitet und über eine relativ langen Phase generelle Theaterarbeit gemacht. Irgendwann ging man dann gemeinsam auf die Suche nach einem Thema. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung, nicht auf eine literarische Vorlage zurückzugreifen, wie es Birgit Vaith gewöhnlich tat, bereits gefallen. "Wir hatten Lust, mit den Jugendlichen ein Stück zu erarbeiten. Andererseits kam uns das für den Start auch gelegen, wenn man noch nicht weiß, wie groß das Budget ist. Stücke muss man nämlich kaufen." Irgendwann kristallisierte sich dann das Thema Zukunft als wichtigstes heraus. Damals sei noch niemandem bewusst gewesen, dass das bis zur Uraufführung eine solche gesellschaftliche Relevanz bekommen würde. In Improvisationen wurde das Thema ausgelotet und in verschiedene Richtungen angegangen wie Technisierung, Perfektionierung, Klimawandel oder Umweltverschmutzung.

In den Proben einfach spielen lassen und das dabei Erlebte während der Woche in Textform, vor allem auch ins Darstellbare zu gießen, gehörte zu den Aufgaben der Regisseurinnen. Daran wurde wiederum beim erneuten Spielen gefeilt. So wuchs der viel versprechende Beginn für die Zukunft des Jungen Theaters. Über das SAK kann man sich für die neue Saison wieder anmelden.

Weitere Aufführungen im Alten Wasserwerk (Tumringer Straße 269) am Freitag, 28. Juni, um 18 Uhr und am Sonntag, 30. Juni, um 17 Uhr. Reservierung per E-Mail an: info@junges-theater.eu