Gegen den Corona-Blues

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Do, 09. September 2021

St. Blasien

Bernd Salfner stellt lustige Zeichnungen aus, die er zur Aufmunterung an Freunde geschickt hatte.

. 80 Zeichnungen mit Corona-Bären fertigte Künstler Bernd Salfner während des Lockdowns im vergangenen Herbst und Winter an und verschickte täglich eine der Zeichnungen an seinen Freundes- und Bekanntenkreis, um die gedrückte Stimmung zu heben. 20 Zeichnungen, die immer einen Bezug zur aktuellen Situation aufweisen, sind nun bis 19. September im Kreismuseum in St. Blasien im Haus des Gastes zu sehen.

Schon als Kind begann Bernd Salfner, gefördert von einem Lehrer, der sein Talent erkannt hatte, mit der Malerei. Die Kunst machte er aber nicht zum Beruf, sondern er studierte Medizin und praktizierte lange Jahre als Kinderarzt. Aber die Malerei ließ ihn nicht los, immer wieder war er Gast an Kunstakademien, unter anderem in München, Wien und Düsseldorf und pflegte Kontakte zu Künstlern. Seit sich Salfner 2003 von seiner Tätigkeit als Arzt zurückgezogen hat, widmet er sich ganz der Kunst.

Zeichnungen spielen im Werk des Künstlers eine große Rolle, immer wieder entstehen aber auch große Ölgemälde. Einen besonderen Erfolg erzielt Salfner mit seinen skulpturalen Arbeiten, die er aus geschredderten Karteikarten aus seiner Kinderarztpraxis anfertigt. Die Karteikarten sind ihm zum Wegwerfen zu schade, denn sie spiegeln, wie er sagte, sein Leben, das Leben der Kinder und die gesellschaftliche Entwicklung wieder.

Bereits während des ersten Lockdowns fertigte Salfner, um Freunde und Bekannte aufzuheitern, Zeichnungen an und verschickte diese per E-Mail, Schweine waren damals das Motiv. Inzwischen ist auch ein Buch mit den Zeichnungen und den Reaktionen auf die Bilder entstanden. Zu Beginn des erneuten Lockdowns erhielt er zahlreiche Bitten um weitere Bilder, auf Wunsch vieler standen diesmal Bären im Mittelpunkt. An 80 Tagen fertigte der Künstler die Aquarell- und Tuschezeichnungen und versandte diese am nächsten Tag. Die Zeichnungen nehmen dabei auf das Geschehen am jeweiligen Tag oder die allgemeine Situation Bezug. Die coronabedingte Einsamkeit zeigt die Zeichnung eines Bären, der hinter einem Fenster ein Schild mit der Aufschrift "Hallo" hochhält. Ein Bär, der vor einen geschlossenen Vorhang tritt, weist auf die Situation in der Kulturszene hin. Die schwierige Lage von jungen Familien während des Lockdowns zeigt die Darstellung eine Bärenmutter im Homeoffice am Computer und ihren Nachwuchs. "Mutter-Kind-Kur?" lautet die ironische Unterschrift zu dieser Zeichnung. Aber auch auf die eigene Situation nimmt Salfner mit dem "Familienfoto für Großeltern" Bezug, er hat wie so viele andere seine Enkel lange nicht gesehen. Eines der Lieblingsbilder von Salfner aus der Fasnachtszeit zeigt einen als Biene Maja verkleideten Bären mit der Unterschrift: "Kostüm ungebraucht, günstig anzugeben". Viele der Zeichnungen hat Salfners Partnerin mit passenden Gedichtzeilen, etwa von Rainer Maria Rilke, versehen.

Info: Die Ausstellung mit den sehenswerten Zeichnungen ist bis 19. September im Kreismuseum zu sehen: dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17 Uhr. Es gilt die "3G-Regel".