Geklebt und zugenäht

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Sa, 18. Juli 2015

Neues für Kinder

Die Freiburger Buchbinderin Iris Haischer macht aus viel Papier wunderschöne Bücher.

Material, wohin man schaut: Rollen, Bögen, Stapel, Schnipsel in allen Farben, auf Tischen und Schränken. "Damit mache ich den Büchern schöne Kleider", erklärt Buchbinderin Iris Haischer. In ihrer Werkstatt in der Freiburger Konradstraße zeigt sie gleich ein paar ihrer Schätze: Für die Einbände nimmt sie grasgrün eingefärbtes Leder von Oasenziegen, abwischbares Bibliotheksgewebe, teures Pergament, mehrfarbiges Marmorpapier oder rote Elefantenhaut. "Dafür fahre ich einmal im Jahr extra nach Afrika und erzähle den Elefanten schlimme Witze – dann werden sie rot", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Stimmt doch gar nicht! Elefantenhaut ist gemasertes, besonders haltbares Papier. Aber weil Iris Haischer auch Buchbindekurse für Kinder gibt, kann sie sich ein bisschen Flunkerei nicht verkneifen.

Elefanten gibt es beim Buchbinden aber trotzdem: Wenn ein Krümel Klebstoff unter den Einband gerät und eine Beule macht, wird das Elefant genannt. Nicht zu verwechseln mit dem Eselsohr, das beim Umknicken einer Seitenecke entsteht und auch nicht schön ist. Die Arbeit einer Buchbinderin umfasst drei Bereiche, erklärt Iris Haischer: "neu binden, reparieren und restaurieren." Aber welche Bücher brauchen überhaupt handgemachte Kleider? Die meisten kriegen doch schon in der Druckerei maschinell einen Umschlag verpasst. Iris Haischer fertigt neben Mappen und Schachteln bunte Tagebücher in allen Größen. Dazu schneidet sie dicke Papierstapel mit der Schneidemaschine in Seitengröße, dann wird dieser Block zum Buch verbunden. Bei der Klebebindung wird eine Schnittkante zusammengeklebt, bei der Fadenheftung näht sie die Seiten in kleinen Heften aufeinander. Zum Schluss werden die erste und die letzte Seite mit dem Einband montiert. Das Buch muss am Ende stabil und beweglich sein.

Iris Haischer ist aber auch Ärztin für alte und wertvolle Bücher aus Museen und Sammlungen: Bei manchen ihrer Patienten ist die empfindliche schmale Seite – der Buchrücken – gebrochen. Bei anderen flattern die Seiten heraus, schimmeln oder sind zerrissen. An manchen haben Mäuse und Würmer geknabbert. Oder der Bücherwurm. Den gibt es wirklich, nur ist der eine Käferlarve! Manchmal fehlt einem Buch aber auch eine ganze Ecke, etwa weil ein Hund zugebissen hat. Dann kann Iris Haischer nur neues Papier einfügen. Der Text ist dann allerdings weg. Beim Restaurieren braucht es Zahnarztbesteck und viel Fingerspitzengefühl, damit das Buch nach der "Operation" trotzdem noch alt aussieht.

All das hat Iris Haischer in ihrer Ausbildung zur Buchbindemeisterin gelernt. Das ist ein sehr alter Beruf, den vor langer Zeit die Nonnen und Mönche in den Klöstern erfunden haben. Seitdem hat sich viel verändert, aber Iris Haischer macht in ihrer Werkstatt immer noch alles mit der Hand. Nur ihre Schneidemaschine braucht Strom.