Geld in Sparschwein, Dose oder Tüte

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Sa, 02. November 2019

Ettenheim

Die Weltsparwoche ist offenbar immer noch gefragt – am Mittwoch war in der Ettenheimer Sparkassen- und Volksbank-Filiale einiges los.

ETTENHEIM. Man mag es angesichts von Zinsen, die sich immer weiter der Null nähern, kaum glauben. Aber die Weltsparwoche ist immer noch gefragt. Sowohl in der Filiale der Sparkasse Offenburg/Ortenau als auch in jener der Volksbank Lahr herrschte am Mittwoch emsiges Kommen und Gehen vor dem eigens für diese Woche aufgebauten Kinderschalter. Zeitweise bildete sich am späten Mittwochvormittag sogar eine kleine Schlange.

Die Geldzählmaschine in der Sparkassenfiliale rattert und rattert. Der zehnjährige Julius Geppert schaut gebannt auf das Zählwerk, das schon mehr als 300 Euro anzeigt. Da bleibt die Maschine plötzlich stehen, eine Münze hat sich verklemmt. Viktoria Polychronidou und Jasmin Hug, die beiden Auszubildenden der Sparkasse, die den Kinderschalter bedienen, versuchen, die Maschine wieder zum Laufen zu kriegen. Ohne Erfolg. "Das ist der Vorführeffekt", sagt Polychronidou und lacht. Filialleiter Stephan Hurst muss ran. Er kennt die Tricks und Kniffe und zieht mit einer riesigen Pinzette ein altes 50-Pfennig-Stück aus dem Schacht. "Jahrelange Erfahrung; meine Finger stecke ich da nicht rein", sagt er schmunzelnd und gibt die Münze an Julius zurück. Dann knattert die Maschine wieder los und bleibt bei 380,77 Euro stehen. Julius nickt zufrieden und erhält als Belohnung einen Farbkasten.

"Es ist die Sehnsucht nach etwas, das es immer gab", sagt Hurst, der seit 1986 bei der Sparkasse und seit zehn Jahren Filialleiter in Ettenheim ist, zu der Tatsache, dass die Weltsparwoche immer noch so viele Menschen in die Geldinstitute treibt.

Ein paar Häuser weiter, in der Filiale der Volksbank, rattert an diesem Vormittag ebenfalls die Geldzählmaschine. Wann ist der Weltspartag zur Weltsparwoche geworden? Manuela Jockers, die die Volksbankfiliale leitet, lacht. "Das ist schon sehr lange her. Jedenfalls muss das vor 1983 gewesen sein, da habe ich bei der Volksbank angefangen", sagt sie.

Die Auszubildenden stehen hinter den Kinderschaltern

Auch in der Volksbankfiliale bedienen die Auszubildenden in dieser Woche den Kinderschalter mit der Geldzählmaschine. Leon Schiff und Daniela Lehmann begrüßen die Eltern, Großeltern und Kinder und nehmen die Sparschweine, Dosen oder auch Plastiktüten voller Geld in Empfang.

Familie Stiefel aus Ettenheim ist an der Reihe. Das Riesensparschwein des siebenjährigen Kian spuckt 60,13 Euro aus, das kleinere seiner dreijährigen Schwester Delia 7,11 Euro. Auch hier bekommt jedes Kind ein Geschenk. Delia wählt ein Steckspiel, Kian eine Taschenlampe. Dazu dürfen sie sich einen Saft nehmen und eine Brezel. "Sparen lernen ist Teil der Erziehung", sagt Vater Stiefel. "Heutzutage sind die Verführungen so groß, da muss man schon aufpassen."

Inzwischen hat sich eine kleine Schlange gebildet. Eine Mutter hat ihren jüngsten Sohn Karl, gerade mal ein halbes Jahr alt, mit einem Tragetuch vor den Bauch geschnallt. Das rosa Sparschwein macht Zicken und lässt sich nicht öffnen: "Das ist noch mein altes aus meiner Kindheit", sagt sie. Ob es dafür vielleicht keinen Schlüssel mehr gibt? "Vergangenes Jahr ging es noch auf", sagt sie und greift selbst zum Schlüsselbund. Mit Erfolg: Die Maschine beginnt zu rattern. Mit großen Augen schaut Karl fasziniert der Geldzählmaschine zu. 49,84 Euro gehen schließlich auf sein Konto. Karl hat noch genug Zeit darüber nachzudenken, was er später einmal mit dem Geld anfangen will.