Nahwärmekonzept Schule/Halle

Gemeinderat Kappel-Grafenhausen vertagt die Entscheidung

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Mi, 30. Oktober 2019 um 10:05 Uhr

Kappel-Grafenhausen

In Sachen Nahwärmekonzept hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung noch nicht entschieden. Dafür wird nun die Hackschnitzel-Variante neu berechnet.

Der Gemeinderat hat am Montagabend noch keine Entscheidung über die Art der neuen Heizanlage für das Nahwärmekonzept getroffen, die einmal Schule und Halle heizen soll. Stattdessen plädierte die große Mehrheit der Gemeinderäte dafür, die Variante mit einer Hackschnitzelanlage genauer berechnen zu lassen.

Fünf Varianten wurden untersucht

Stefan Häuser vom Ingenieurbüro Lenz in Umkirch hatte fünf Varianten untersucht und die Kosten berechnet (die BZ berichtete). Ziel des Vorhabens ist es, die bestehenden Räume der Ferdinand-Ruska-Schule, den geplanten Erweiterungsbau sowie die Mehrzweckhalle mit einem Nahwärmesystem zu heizen. Dabei kann die noch gut funktionierende Gasheizung in der Schule als Spitzenlastkessel weiter verwendet werden. Die beiden Varianten mit Strohheizung, die Häuser auf Bitte von Frank Andlauer (CDU) zusätzlich berechnet hatte, schieden aus Kostengründen schnell aus. Beide Anlagen wären mit 940 000 oder 924 000 Euro Investitionskosten mehr als doppelt so teuer wie die anderen Anlagen. Häusers Fazit dazu: "Grundsätzlich eine interessante Technologie, aber nur für größere Netze sinnvoll."

Pellets und Holzhackschnitzel bleiben übrig

Blieben die beiden Varianten mit Pellets und Holzhackschnitzel übrig, die von den Kosten her nicht so weit auseinander liegen. Die Pelletsanlage schlägt mit 380 000 Euro Investitionskosten zu Buche, die Hackschnitzelanlage mit 431 000 Euro. Wobei sich die laufenden Kosten für Material, Wartung und Service bei der Pelletsanlage laut Häuser auf 46 600 Euro belaufen, bei der Hackschnitzelanlage auf 45 900 Euro. Vorteil bei den Pellets wäre, dass das Lager im vorhandenen Heizraum eingerichtet werden könnte, mit etwa fünf Anlieferungen im Jahr, die sich auf den Winter konzentrieren. Für die Hackschnitzel müsste ein zusätzlicher Lagerraum gebaut werden; die Hackschnitzel würden im Winter wöchentlich angeliefert.

Kosten für Lagerraum werden auch geprüft

Johannes Lehmann (CDU) fragte nach, ob die Hackschnitzel nicht aus dem eigenen Wald gewonnen werden könnten. Häuser antwortete, dass das möglich sei. Seine Erfahrung sei, dass es bei Hackschnitzelanlagen zu höheren Wartungskosten komme, weil die Hackschnitzel oft unterschiedliche Qualitäten und Feuchtigkeit aufwiesen. Andererseits könnten durch die Nutzung des eigenen Holzes die laufenden Kosten gesenkt werden. Bürgermeister Jochen Paleit gab zu bedenken: "Für die Produktion von Hackschnitzeln fehlt uns eigentlich alles", angefangen von Kapazitäten der Waldarbeiter über die Technik bis hin zu Lagermöglichkeiten.

Doch auch Andlauer und Joachim Leser (CDU) sprachen sich für Hackschnitzel aus. Leser verwies darauf, dass die Herstellung von Pellets sehr energieaufwendig sei. Für die Hackschnitzel müsste man einen zusätzlichen Lagerraum bauen, da müsse man schauen, dass an der Schule kein Fenster zugebaut werde: "Vielleicht wäre ein unterirdisches Lager möglich?". Darüber hinaus könnte man Synergieeffekte schaffen, wenn man sich auch für das geplante Nahwärmenetz in Kappel für eine Hackschnitzelanlage entscheide. Andlauer kritisierte, dass bei der Berechnung der Pelletsanlage mit 50 Euro je Megawattstunde ein zu tiefer Preis angenommen worden sei. Er liege derzeit eher bei 70 Euro: "Dann kommen wir auf andere Jahreskosten", sagte er. "Dazu ist die Co2-Bilanz bei Hackschnitzeln eindeutig besser." Wenn es mit dem Holz aus dem eigenen Wald nicht klappe: "Die Ortenauer Wald-Service bietet auch Hackschnitzel an."

Bürgermeister ist offen für Hackschnitzel

Bürgermeister Paleit verwies zwar noch darauf, dass die Pelletsanlage im Kindergarten Sonnenschein einwandfrei funktioniere. Er zeigte sich aber auch nicht abgeneigt, die Hackschnitzel-Variante genauer berechnen zu lassen. Der Lagerraum sei bisher mit 40 000 Euro berechnet. Das reiche bei Weitem nicht aus, wenn man ihn in die Erde versenke. Schließlich stellte Lehmann den Antrag, dies und die Kosten für die eigene Herstellung von Hackschnitzeln zu berechnen. Ihm folgten elf Räte, drei waren dagegen, einer enthielt sich.