Eine Messe in Zeiten des Krieges

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 09. Juli 2019

Gengenbach

Die katholische Bezirkskantorei unter Matthias Degott überzeugt mit Mozart und Haydn.

GENGENBACH. Zwei Stücke hat Bezirkskantor Matthias Degott für das Sommerkonzert der katholischen Bezirkskantorei Gengenbach in der Kirche St. Martin auf das Programm gesetzt und damit durchaus einen Kommentar zur Gegenwart abgegeben. Die sehr selten gespielte Eucharistische Litanei KV 125 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), die er als Sechzehnjähriger im Jahr 1772 komponierte, verweist auf die Heilswirkung der Sakramente, des Abendmahls, und die "Paukenmesse" von Joseph Haydn (1732 bis 1809) aus dem Jahr 1796 hat den Zusatz "in tempore belli", eine Messe in Kriegszeiten.

Die Stücke wurden zusammen mit Mitgliedern des philharmonischen Orchesters Freiburg und den Solisten Felicitas Frische (Sopran), Sibylle Kamphues (Alt), Hans Jörg Mammel (Tenor) und Georg Gädker (Bariton) ausgeführt.

Die Akustik der St. Martin Kirche ist nicht ganz einfach, weil sie den Klang sofort übernimmt und vermischt. Anfangs ist das Orchester im Verhältnis zum Chor zu laut und überdeckt ihn.

Die Litanei beginnt mit voller Klangmacht: "Kyrie eleison". Schon bald kommt die Altistin mit reifer Stimme, sehr dunkel gefärbt hinzu, sie steht sehr im Kontrast zum strahlenden Sopran von Felicitas Frische, die sehr sauber, beseelt und gut geführt, kraftvoll, hell und voluminös ihre Partien zu gestalten weiß.

In der Litanei wechseln solistische und chorische Abschnitte immer wieder ab. Nach einem kraftvollen prägnanten Zwischenspiel des Chores treten Bass und Tenor auf. Kräftig im Ton und auch später in der Paukenmesse voluminös, sanglich fließen lassend und innerlich, trägt Georg Gädker vor. Hans Jörg Mammel verfügt über einen sehr hellen lyrischen Tenor mit einer sehr deutlichen Diktion.

Immer wieder fallen Crescendo und Decrescendo auf

Gesamtleiter Matthias Degott legt viel Wert auf die dynamische Gestaltung, immer wieder fallen Crescendo und Decrescendo auf, und gegen Ende kommt die Verschränkung der Stimmen in "Brot, durch Allmacht des Wortes Fleisch geworden" sehr schön zur Geltung.

Einen ganz anderen Charakter gleich vom Beginn an hat die "Paukenmesse", die mit einem sanften, weichen Einstieg ins "Kyrie" sich nach und nach immer größer werdend aufbaut, ins Strahlende angelegt. Besonders deutlich wird das Verhältnis von Text und Musik in den Worten "suscipe deprecationem" (erbarm dich unser), das "suscipe" sehr flehend und rufend, "deprecationem nostram" ganz zurück genommen. Kontraste dieser Art sucht Degott in der Ausgestaltung häufig, immer am Text entlang.

Das "Benedictus" klingt versöhnlich, weich. Noch zarter wird es im "Agnus Dei" – das Lamm Gottes – jenes Stück, in das Haydn den ansteigenden Paukenwirbel hinein komponiert hat, welcher der ganzen Messe den Namen gab, und das eine große Spannung erhält, bis diese kippt und in das "Dona nobis pacem" (Gib uns Frieden) mündet.

Komponiert wurde die Messe zu einer Zeit, als Napoleon von Italien kommend vor den Toren Wiens stand. Die Messe war vollendet, bevor der Friedensschluss 1797 stattfand. Ein gelungenes Konzert, das Publikum applaudierte lange und herzlich, und mochte sich auch nach zahlreichen Verbeugungen noch nicht erheben.