Zischup-Interview

"Genmais bringt keine höheren Erträge"

Melina Weis, Klasse 9c, Theodor-Frank-Realschule, Teningen

Von Melina Weis, Klasse 9c, Theodor-Frank-Realschule & Teningen

Mi, 26. März 2014 um 13:31 Uhr

Schülertexte

Zum Thema Genmais hat Zischup-Reporterin Melina Weis Gottfried May-Stürmer, einen Experten des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) interviewt. May-Stürmer arbeitet in der BUND-Regionalgeschäftsstelle Heilbronn-Franken.

Zischup: Was ist eigentlich der gentechnisch veränderte Mais 1507 und wieso soll er bei uns angebaut werden?
Gottfried May-Stürmer: Der Mais 1507 hat ein Gen einer Bodenbakterie, des Bacillus, abgekürzt Bt, eingebaut. Dieses führt dazu, dass der Mais in jeder Zelle ein Gift produziert, das Schmetterlinge umbringt, unter anderem den Maiszünsler, einen Schmetterling, dessen Raupe an Mais frisst und dort Schaden anrichten kann. Er ist außerdem resistent gegen den Herbizidwirkstoff Glufosinat, der den Handelsnamen Basta trägt. Der Mais 1507 liefert keine höheren Erträge als auf natürlichem Weg gezüchteter Mais. Der Einbau der Maiszünslerresistenz soll zu einem verringerten Pestizideinsatz führen. In Brasilien hat sich aber gezeigt, dass Schädlinge innerhalb weniger Jahre Resistenzen entwickeln, so dass der Pestizideinsatz wieder gewaltig ansteigt.
Die Herbizidresistenz vereinfacht die Bekämpfung von unerwünschten Gräsern und Kräutern, wenn dieses Herbizid eingesetzt wird, und ermöglicht so die Bewirtschaftung größerer Flächen mit weniger Arbeitskraft. Die EU-Kommission hat allerdings angekündigt, dass die Zulassung des Herbizidwirkstoffs Glufosinat nicht verlängert werden soll.

Zischup: Ist Genmais eigentlich gefährlich – und wieso, oder wieso nicht?
May-Stürmer: Genveränderter Mais, der Insektizid produziert, ist auf jeden Fall gefährlich für Insekten. Das Bt-Toxin ist nicht nur für den Maiszünsler giftig, sondern auch für andere Schmetterlinge und weitere Insekten wie den Marienkäfer. Es gibt auch Hinweise, dass dieser Mais für Kühe schädlich wirkt, die ihn fressen – das wird allerdings vom Hersteller bestritten.

Zischup: Glauben sie, dass der gentechnisch veränderte Mais gefährlich für die Umwelt ist?
May-Stürmer: Das ist sehr wahrscheinlich. Dass das Bt-Gift für Insekten schädlich wirkt, ist klar – das ist sein Zweck. Befürworter sagen, Bt-Toxin darf sogar im Öko-Landbau eingesetzt werden. Das stimmt. Aber im Öko-Landbau wird der Wirkstoff außen auf die Pflanzen ausgebracht und unter der Einwirkung von Sonnenlicht wird er in wenigen Tagen vollständig abgebaut. Beim genmanipulierten Mais wird er in jeder Zelle produziert und ist dem Einfluss von Sonnenlicht entzogen. Außerdem sind die Mengen, die ein Maisacker produziert um das mehr als hundertfache größer als die, die ein Bauer spritzen dürfte. Hinzu kommt, dass die Herbizidresistenz nur sinnvoll ist, wenn das Herbizid auch eingesetzt wird. Glufosinat ist aber ein gesundheitlich hoch problematischer Wirkstoff und soll deshalb EU-weit verboten werden. In Deutschland ist Glufosinat im Maisanbau nicht mehr erlaubt – der Anbau von Mais 1507 macht also wenig Sinn.

Zischup: Kann man mit dem Genmais den Welthunger stillen?
May-Stürmer: Genveränderter Mais bringt keine höheren Erträge als konventionell gezüchtete Sorten. Genverändertes Soja und genveränderter Raps bringen sogar erheblich niedrigere Erträge als konventionelle Sorten. Schon deshalb sind sie kein Mittel gegen den Welthunger. Sie werden nur deshalb angebaut, weil sich damit größere Flächen mit weniger Arbeitskraft bewirtschaften lassen – schön für Besitzer großer Flächen, weniger schön für Kleinbauern und Landarbeiter, deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird. Zudem landet der größte Teil der GVO-Pflanzen im Tierfutter. Um dieselbe Menge an tierischen Nahrungsmitteln zu erzeugen, braucht es aber fünf bis 15 Mal mehr Fläche als bei pflanzlichen Nahrungsmitteln. Der Anbau von Futterpflanzen verschärft daher das Hungerproblem. Eine Ausnahme ist Gras auf Flächen, auf denen kein Acker- oder Gartenbau möglich ist, welche von Wiederkäuern wie Kühen, Schafen und Ziegen genutzt wird. Der Anbau von genveränderten Pflanzen für den Export hat in mehreren Ländern wie Argentinien oder Paraguay zur Verdrängung von Kleinbauern und der Nahrungsmittelerzeugung für den Eigenbedarf geführt. Es gibt aber tatsächlich ein Land, in dem Menschen hungern und genveränderte Pflanzen angebaut werden: Burkina Faso. Dort wird aber nur genveränderte Baumwolle angebaut – also keine Nahrungspflanze. Es ist wohl nicht falsch, zu behaupten, dass sich mit der Agrargentechnik ein paar Konzerne das Monopol über die Lebensgrundlagen der Menschheit sichern wollen – sicher keine guten Voraussetzungen zur Beseitigung des Welthungers.

Zischup: Wo kann man sich als Verbraucher informieren?
May-Stürmer: Bei pflanzlichen Nahrungsmitteln muss ab einem Schwellengelhalt von 0,9 Prozent deklariert werden, ob sie genveränderte Bestandteile enthalten – bei verpackten Lebensmitteln auf der Packung, bei unverpackten oder im Restaurant gut sichtbar an der Theke, am Stand und so weiter. Bei tierischen Nahrungsmitteln muss nicht angegeben werden, ob sie mit genveränderten Futtermitteln erzeugt werden. Es gibt aber das geschützte Logo "Lebensmittel ohne Gentechnik", das die Verwendung genveränderter Futtermittel ausschließt. Bei Erzeugnissen aus dem Öko-Landbau ist Gentechnik verboten. Bei Milch und Milchprodukten sind in fast jedem Supermarkt Produkte "ohne Gentechnik" zu finden, auch bei Eiern.
Weitere Informationen:

www.gentechnikfreie-regionen.de
www.keine-gentechnik.de
www.ohnegentechnik.org
Eine relativ informative Seite der Gentechnikbefürworter ist www.transgen.de.

Gottfried May-Stürmer

Gottfried May-Stürmer, Diplombiologe, Jahrgang 1956, arbeitet beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Regionalgeschäftsführer von Heilbronn-Franken und Agrarreferent des Landesverbands Baden-Württemberg. Seit 2010 ist er einer von drei Sprechern des Aktionsbündnisses Gentechnikfreie Landwirtschaft Baden-Württemberg. Er ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern.