Ausstellung

Gerhard Birkhofer und der Werkstoff Holz: "Es geht um den ästhetischen Reiz"

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Fr, 15. November 2019 um 12:02 Uhr

Gottenheim

Für ihn ist es ein neues Material: Gerhard Birkhofer zeigt in seiner Galerie in Gottenheim die Ausstellung "Wooden squares". Am heutigen Freitag lädt er zur Vernissage.

BZ: Herr Birkhofer, nach Metall, Kunststoff und ganz viel Malerei ist diesmal Holz das Material Ihrer neuen Arbeiten. Wie kam es dazu?

Birkhofer: Manche Idee kommt einem irgendwann mal weit weg von dem, woran man ständig arbeitet, und fern von den Dingen, die immer um einen herum sind. Mir kam die Idee, mich nach vielen Arbeiten mit Kunststoff nach einem neuen Material umzuschauen, beim Familienbesuch bei meinem Sohn in Dubai. So kam ich auf schlichtes Industrieholz, das ich zu einem eigenen Thema machen kann. Ich habe dann im Internet gesucht, ob es so etwas schon gibt, habe aber nichts gefunden. Schließlich will ich niemandem hinterherlaufen.

" Meine Arbeiten sind schnörkellos und schlicht, so wie ich es bin. Sie brauchen keinen goldenen Rahmen."
BZ: Welche Bedeutung hat der Stoff, aus dem die Werke sind?

Birkhofer: Eigentlich ist das Material zweitrangig. Wenn man sich zu sehr darin verliert, geht es nur darum, Effekte zu erhaschen. Bei meiner Kunst geht es vielmehr um das Warum. Viele fragen sich, wie lebe ich. Ich frage, warum lebe ich. In der Schule habe ich Blumen gemalt, wusste aber nicht weshalb. Viele akzeptieren das, was sie sehen, doch ich frage, was ist dahinter und versuche in meinen Werken das Dazwischen zu überwinden. Das ist ein aufwändiger Weg, der aber auch vermeintlich schlichten Bildern Bedeutung geben kann.

BZ: Wenn man sich die neuen Werke anschaut, erkennt man aber trotz des neuen Werkstoffs, dass es echte Birkhofer sind.

Birkhofer: Auch jetzt geht es mir, wie bei all meinen Werken, wieder um das davor, dazwischen und dahinter. Ich bin auf der Suche nach dem, was verborgen liegt. Es geht um den ästhetischen Reiz im Inneren von etwas, das jeder zuhause hat. Bei der Suche gibt es natürlich auch das Risiko, Dinge oder Strukturen zu finden, die man nicht erwartet. Oder solche, die bewusst ins Innere verlegt wurden, zum Beispiel Astlöcher. Meine Arbeiten sind schnörkellos und schlicht, so wie ich es bin. Sie brauchen keinen goldenen Rahmen.
Gerhard Birkhofer
Der 72-Jährige arbeitet als Maler, Bildhauer und Autor in Gottenheim. Er studierte in Freiburg Kunst und Deutsch an der Pädagogischen Hochschule und Kunstgeschichte an der Universität. Von 1981 bis 2012 lehrte er an der Pädagogischen Hochschule, er ist Verfasser zahlreicher Bücher der Kunstpädagogik und war von 1986 bis 1994 Vorsitzender des Landesverbands Bildender Künstler Baden-Württemberg.

"Ein Quadrat birgt eine starke Ruhe in sich. Aber es ist doch wieder alles ganz anders."
BZ: Ein neues Material birgt doch bestimmt auch neue Herausforderungen?

Birkhofer: Im Februar habe ich mit dem neuen Projekt angefangen und muss zugeben, am Anfang gab es auch eine lange Phase des Staubs. Doch aus Erfahrung wird man klug, ich habe viel Neues beim Umgang mit dem Material gelernt. Das ist für mich sehr reizvoll, wie auch neue Begegnungen mit Menschen. Und ich bin gerne vielfältig, daher gibt es verschiedene Kompositionen bis hin zu Würfelskulpturen. Gerade beim Schleifen von Multiplexplatten muss man sehr genau sein, eine Schicht von einem Millimeter in der Tiefe kann später ein bis zu fünf Zentimeter breites Band ergeben. Jeder kleine handwerkliche Fehler ist sofort zu sehen. Für meine Kunst bin ich aber stets auch zu großem körperlichen Einsatz bereit, so kann die Arbeit an einem Bild auch mal mehrere Tage dauern.

BZ: Ein Kernthema Ihrer Arbeiten sind Quadrate, was hat es damit auf sich?

Birkhofer: Inspiriert hat mich schon immer das berühmte schwarze Quadrat von Malewitsch. Das ist eine absolute Grenze der Kunst. Ein Quadrat birgt eine starke Ruhe in sich. Aber es ist doch wieder alles ganz anders. Die Quadrate geraten durch die parallel verlaufenden Bänder in Schwingungen und entwickeln ein Eigenleben. Die Arbeiten sind einfach schön, das Holz ist nicht wie bei einem Schreiner oder Bastler zum Gebrauch gedacht, es geht rein um den ästhetischen Reiz und um das, was sich im Inneren versteckt.
Termin

Die Ausstellung "wooden squares" ist bis Sonntag, 8. Dezember 2019, in der Galerie Birkhofer, Nägelseestraße 13, in Gottenheim zu sehen; Vernissage ist am Freitag, 15. November um 17 Uhr; geöffnet: freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.