Gesetzt für den Biathlon-Weltcup

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mi, 15. September 2021

Biathlon

Janina Hettich erneut deutsche Meisterin / Roman Rees ist Vizemeister und DM-Bester und Benedikt Doll überzeugt mit Konstanz.

. Benedikt Doll ist auf dem Weg nach Korsika, Roman Rees treibt Sport daheim im Schwarzwald "nach Lust und Laune". Zur freien Verfügung ist diese Woche für die beiden Weltklasse-Biathleten, hinter ihnen liegt die deutsche Biathlonmeisterschaft am Arber im Bayerischen Wald. Drei Rennen in drei Tagen, körperlich ist das so früh in der Saison ein Schlauch. Eine erholsame Woche hinterher tut da gut. In den vergangenen Jahren flossen die DM-Ergebnisse stets in die Qualifikation für die noch freien Startplätze im deutschen Weltcup- und IBU-Cup-Team mit ein, für Roman Rees war das stets eine beträchtliche Belastung. Dieses Mal ist das anders: Die Quali-Wettkämpfe werden im November in Obertilliach (Österreich) ausgetragen. Einerseits. Zum anderen zählt der 28-Jährige aus Hofsgrund jetzt zu jenen privilegierten Athleten, die für den ersten Weltcup-Block bis Weihnachten gesetzt sind. "Das war angenehm. Ich hatte dieses Mal nicht so den mentalen Druck", sagt Rees (SV Schauinsland), er konnte frei und mit einer gesunden "Angriffslust" in die DM-Rennen gehen. Heraus sprang Rang zwei im Einzel mit nur einem Fehlschuss bei 20 Versuchen. Im Sprint (zehn Schuss, zwei Fehler) lag er als Vierter 3,9 Sekunden hinter der Bronzemedaille, lediglich in der Verfolgung (20 Schuss/vier Fehler) fiel er mit Rang neun etwas ab. In der internen Meisterschaftswertung war er dennoch bester Deutscher. "Mit meinen Laufleistungen war ich sehr zufrieden, ich war immer unter den drei, vier Schnellsten", sagt Rees, "in Sprint und Verfolgung habe ich mit 80 Prozent Trefferquote jedoch schlecht geschossen, das ist nicht mein Anspruch".

"Durchwachsen" nennt Benedikt Doll seine DM-Auftritte, "wenn ich bei einer Deutschen mitmache, ist eine Medaille schon mein Ziel". Die hat der Ex-Weltmeister, der seit Jahren zum harten Kern des Weltcup-Teams gehört und deshalb stets gesetzt ist, nicht errungen. Mit den Rängen fünf (Einzel), sechs (Sprint) und fünf (Verfolgung) war er zwar konstant unter den Besten zu finden, der Ausreißer nach oben fehlt jedoch. Mit der Laufbestzeit im Einzelwettkampf fühlt er sich jedoch in seinen sommerlichen Trainingsbemühungen bestätigt. Am Schießstand habe er solide gearbeitet, lediglich die drei Fehlschüsse im stehenden Anschlag im Sprint fuchsen ihn. "Bei Skiroller-Wettkämpfen kriege ich schnell zittrige Beine, weil mehr Spannung auf dem Muskel ist und entsprechend wacklig bin ich dann beim Schießen", sagt der Biathlet der SZ Breitnau. In der Schwarzwälder Trainingsgruppe von Roman Böttcher haben sie im Sommer eine andere Verteilung der Intensitäten gewählt: "Ich fühle mich gut. Ich konnte im Training alles machen, es ist bisher eine runde Sache".

Auch Janina Hettich vom SC Schönwald ist gut durch den Sommer gekommen. Derzeit ist sie gerade beim Techniktraining in Oberhof, die besten deutschen Biathletinnen haben eine andere Trainingsplanung als die Männer. Sie bekommen nächste Woche eine schöpferische Pause, bevor dann im Herbst mit Lehrgängen zielgerichtet auf den Weltcup-Start hingearbeitet wird.

Fokus von Janina Hettich liegt auf dem Skaten

Die 25-Jährige, die in Lauterbach bei Schramberg wohnt, hat sich im vergangenen Winter im deutschen Frauen-Weltcupteam etabliert. Mit der Staffel wurde sie bei der WM auf der Pokljuka (Slowenien) Vizeweltmeisterin. "Das geht in die richtige Richtung", lautet ihr Urteil nach den Meisterschaftsrennen am Arber. Wie im vergangenen Winter konnte sie sich einen Titel sichern, dieses Mal den im Sprint nach fehlerloser Schießleistung. "Im Einzel und Verfolger habe ich nicht so gut getroffen. In der Verfolgung war ich unsicher und unentschlossen am Schießstand." In beiden Wettkämpfen wurde sie Achte. Im vergangenen Jahr hatte sie sich bei der nationalen Meisterschaft im Einzel durchgesetzt.

In der Vorsaison lag bei ihr der Fokus auf "Konstanz am Schießstand", was ihr mit einer grandiosen Null-Fehler-Serie im Weltcup gelang. Erst hinten raus in der Saison unterlief ihr der eine oder andere Schießfehler zu viel. "Ich möchte die Treffsicherheit beibehalten. Mein Augenmerk liegt derzeit jedoch auf dem Laufen, da gibt es noch Verbesserungspotenzial."

Nach einem Höhentrainingsblock im Herbst wird der letzte Lehrgang der besten Biathletinnen vor dem ersten Weltcuprennen dieses Mal nicht in Skandinavien stattfinden, sondern in den Alpen.