A5 bei Herbolzheim / Riegel

Gestohlener Lastwagen schleift Auto kilometerweit mit – Unfallfahrt endet auf der A5 bei Riegel

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 24. November 2020 um 23:08 Uhr

Südwest

Ein 48-Jähriger hat von Karlsruhe aus in Richtung Süden mehrere Autos gerammt und damit mehrere Menschen verletzt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Am Ende zog er mit einem gestohlenen Laster ein eingeklemmtes Auto hinter sich her.

Nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei hat ein 48-Jähriger am Dienstagabend zunächst in Rheinstetten und Karlsruhe mit verschiedenen Fahrzeugen mehrere Unfälle verursacht. Dann soll er seine Fahrt auf der Autobahn A5 bis in den Raum Freiburg fortgesetzt haben – mit weiteren Unfällen und zum Schluss in einem gestohlenen Lastwagen. Die Kripo in Karlsruhe hat die Ermittlungen unternommen – und sie versucht nun auch aufzuklären, was die genauen Hintergründe und Motive für die Taten waren, bei denen mehrere Menschen verletzt und viele weitere gefährdet worden sind.

Geendet hat die Flucht im Landkreis Emmendingen. Kurz hinter der Ausfahrt Herbolzheim auf der A5 Richtung Süden lagen am Dienstagabend gegen 20.15 Uhr im dichten Nebel Autowrackteile auf der Fahrbahn. Zwei Autos standen auf dem Standstreifen, berichtet ein Augenzeuge aus dem nördlichen Breisgau, der zu dem Zeitpunkt auch auf der Autobahn unterwegs war.

"Es war ja klar, dass da noch jemand in dem Auto sitzen muss." Ein Zeuge
Wenig später entdeckte er das Unfallauto – und es waren dramatische Szenen: Offenbar war der blaue Wagen im Nebel auf einen Sattelzug aufgefahren. Das stark beschädigte Fahrzeug hatte sich unter das Heck des Lasters geschoben – und dieser hatte seine Fahrt einfach fortgesetzt, ohne anzuhalten. "Das hat unglaublich Funken geschlagen und stark geraucht", so der Augenzeuge zur BZ. "Es war ja klar, dass da noch jemand in dem Auto sitzen muss", fügt er hinzu.

Der Fahrer des Lastzuges habe auch nicht auf Lichthupen anderer Verkehrsteilnehmer reagiert. Ein anderer Lastwagen versuchte dem Zeugen zufolge in einer waghalsigen Aktion, den Sattelschlepper mit dem Unfallauto auszubremsen, doch der Fahrer habe ausweichen können. Geistesgegenwärtig hätten mehrere Autofahrer den Unfall-Laster mit eingeschalteter Warnblinkanlage nach hinten zum nachfolgenden Verkehr hin abgesichert.



In dem eingeklemmten Auto waren zwei Insassen

Zu dem Zeitpunkt hatten mehrere Autofahrer bereits den Notruf gewählt und die Polizei alarmiert. Zum Stehen kam der Lkw schließlich etwa acht Kilometer südlich nach einem weiteren Unfall im Bereich der Autobahnanschlussstelle Riegel. Die genauen Umstände hierzu sind noch unklar.

Polizei und Rettungskräfte kümmerten sich um die beiden Insassen des eingeklemmten Autos mit Schweizer Zulassung. Sie wurden verletzt, über die Art und Schwere der Verletzungen wurde am Dienstagabend nichts bekannt.

Gegen 20.50 Uhr sei der Fahrer festgenommen worden, teilten am späten Abend Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Karlsruhe mit. Denn der 48 Jahre alte Tatverdächtige, bei dem es sich um einen Algerier handeln soll, hat am Dienstagabend zwischen Karlsruhe und Riegel offenbar eine ganze Serie von Straftaten begangen und Unfälle verursacht.

SUV überschlug sich auf der Flucht und geriet in Brand

Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei kam es bereits gegen 18.40 Uhr in Rheinstetten-Moersch zu einem Auffahrunfall, in den der 48-Jährige verwickelt sein soll. Dabei sei ein Mensch leicht verletzt worden. Der Tatverdächtige soll von der Unfallstelle Richtung Karlsruhe geflohen sein.

Nur Fünf Minuten später soll er laut Polizeiangaben dann eine Radfahrerin auf der Kaiserallee im nahen Karlsruhe angefahren und dabei verletzt haben. Im Bereich der Karlsruher Weststadt seien der Polizei weitere Unfälle und Verkehrsgefährdungen gemeldet worden, die sie aktuell dem 48-Jährigen zuordnet.

Versuchte er, weitere Autos zu rauben?

Schließlich habe sich der SUV mit polnischem Kennzeichen – die Polizei spricht in einer Meldung vom Dienstagabend von "seinem" SUV – auf einer Straße mitten in einem Wohngebiet überschlagen und sei in Brand geraten. Der Verdächtige kletterte aus dem Wrack und hielt ein vorbeikommendes Auto an. Laut Polizei bedrohte er die Fahrerin mit einem Messer und raubte ihren Wagen.

Mit diesem habe er einen weiteren Unfall verursacht und sei weiter Richtung Süden gefahren. Auf der A5 habe er weitere Unfälle verursacht und Autofahrer gefährdet. Möglicherweise habe der 48-Jährige auf Parkplätzen entlang der Autobahn erneut versucht, Fahrzeuge zu kapern.

Bei Herbolzheim soll er schließlich den Lastwagen in seine Gewalt gebracht haben. Wo und wie genau ist noch unklar. Bei der Auffahrt auf die Autobahn ist es dann laut Polizei zum Unfall mit dem Schweizer Wagen gekommen, der unter dem Lkw eingeklemmt und kilometerweit mitgeschleift wurde.

Die Fluchtfahrt endete dann wenige Hundert Meter südlich der Anschlussstelle Riegel, auf Höhe des Gewerbegebietes Oberwald. Der Lkw wurde durch einen weiteren Unfall gestoppt. Es kam zu einem Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften. Die Feuerwehren aus Emmendingen und Riegel waren vor Ort. Die eingeklemmten Insassen wurden mit der Rettungsschere aus dem mit dem Lkw verkeilten Pkw befreit und dann von Notarzt und Rettungsdienst versorgt. Sie wurden schwer verletzt, Lebensgefahr besteht laut Polizei zum Glück nicht.
Zeugen gesucht

Die Kriminalpolizei Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Geschädigte und Zeugen werden gebeten, sich unter 0721/666-5555 zu melden.