BZ-Interview

Ist Stottern heilbar?

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Mo, 21. Februar 2011

Gesundheit & Ernährung

Der "Oscar"-Farvorit "King's Speech" hat das Thema Stottern wieder ins Bewußtsein gebracht. Wie überlistet man das eigene Handicap? Ein Gespräch mit dem Logopäden Karl Schneider.

Lange, gedehnte, dem Ernst der Lage angemessene Pausen, dazu ein kleines Holpern beim Buchstaben W – von den schweren Stotterproblemen des britischen Königs George VI ist in seiner "King’s speech" kaum noch etwas zu hören. Er bewältigt die Rede seines Leben im gleichnamigen Film fast fehlerlos – auch dank der Hilfe seines Therapeuten. Sind solche Wunder möglich? Ist Stottern heilbar? Michael Brendler fragte den Logopäden Karl Schneider, Schulleiter und Fachbereichsleiter Stottern an der Schule für Logopädie des IB Medizinische Akademie in Freiburg.

BZ: Herr Schneider, der Film "The King’s speech" beschönigt ja etwas die Situation: Sein Stotterleiden ist George VI nie ganz losgeworden. Noch kurz vor seinem Tod musste seine Weihnachtsansprache vom Radiosender BBC Satz für Satz aneinandergeschnitten werden. Kann man einem stotternden Menschen im Jahr 2011 mehr versprechen?

Schneider: Wir Therapeuten können ihm zumindest versprechen, dass wir jedem, der sein Problem in den Griff bekommen möchte, der bereit ist, sich auf diesen steinigen Weg zu machen, auch helfen können. Stottern scheint hochgradig beeinflussbar zu sein. Das sieht man zum Beispiel im Kindesalter: Jedes zehnte Kind, so schätzt man, stottert zwischenzeitlich oder weist zumindest eine sogenannte physiologische Unflüssigkeit der Sprache auf. Letztendlich wird es aber nur bei einem von hundert aller Kinder chronisch.

BZ: Bei neun von zehn Kindern wächst sich diese Störung also wieder heraus?
Schneider: Zum Teil passiert das tatsächlich von selbst, meist sind die Kinder aber auf die Hilfe der Eltern und eines Therapeuten angewiesen. Insofern sollte man ein derart auffälliges Kind so früh wie möglich behandeln.

BZ: Was im Umkehrschluss wahrscheinlich bedeutet, irgendwann ist es zu spät für eine erfolgreiche ...

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