BZ-Weihnachtsaktion

Das Lörracher Frauenhaus bietet bedrohten Frauen Schutz

Sophia Kaiser

Von Sophia Kaiser

Di, 06. Dezember 2022 um 07:01 Uhr

Lörrach

Die Nachfrage ist groß und das Lörracher Frauenhaus trotz Erweiterung zu klein. Carolin Throm beantwortet wichtige Fragen zu der wichtigen Einrichtung, die die BZ-Aktion "Hilfe zum Helfen" unterstützt.

Bis zum Dreikönigstag, 6. Januar, sammelt die Badische Zeitung im Rahmen der Hilfsaktion "Hilfe zum Helfen" Spenden. Empfänger sind neben vielen bedürftigen Einzelpersonen verschiedenste soziale Einrichtungen, wie zum Beispiel das Frauenhaus. Dieses wurde 1985, damals noch als Wohnung, etabliert. Doch warum genau braucht es ein solches? Carolin Throm, Teil der geschäftsführenden Leitung des Vereins "Frauen helfen Frauen" (FhF), beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum braucht es ein Frauenhaus?

In einem Frauenhaus können Frauen, und auch deren Kinder, Schutz vor häuslicher Gewalt finden. Frauenhäuser sind anonym, die Adressen nicht öffentlich bekannt. Laut Throm kommen sie dann zum Einsatz, wenn andere Beratungsmöglichkeiten oder justiziable Schritte, wie Bannmeilen oder Wohnungsverweise, nicht ausreichend sind. Die primäre Zielgruppe seien vor allem Frauen, die sich nicht ohne Weiteres eine Nacht in einem Hotelzimmer leisten oder beruflich flexibel den Ort wechseln können.

Wie wenden sich die Schutzsuchenden ans Frauenhaus?

In den meisten Fällen erfolge eine Kontaktaufnahme durch die Frauen selbst per Telefon, erzählt Throm. Recherchen im Internet oder Hinweise aus dem Umfeld sind ausschlaggebende Faktoren. Auch durch die Polizei fänden Vermittlungen statt. Häufig sei sie es, die von Gewaltdelikten gegen Frauen zuerst erfährt. In einem Vorgespräch wird die generelle Situation der Frau geklärt, geprüft ob im Haus Platz ist und dann ein Abholtermin vereinbart. Auch nachts stünden Frauen bereit, um Anrufe entgegenzunehmen. Aufgenommene Frauen müssen sich zutrauen alleine einkaufen gehen zu können. Bei Fällen, wo das aus Sicherheitsgründen nicht gehe, wird die Schutzsuchende an ein anderes Frauenhaus in Deutschland vermittelt.

Wie viele Frauen finden Platz?

Während letztes Jahr nur zwölf Frauen Platz fanden, sind es dieses Jahr, nach Umbauarbeiten, 14. Ab nächstem Jahr werde es zwei Frauenhäuser in Lörrach geben, die 24 Plätze bieten, so Throm. Dennoch sei die Anzahl für den Bedarf noch viel zu wenig. In ganz Europa gelte die Istanbul-Konvention, durch die Frauen in der Gesellschaft geschützt werden sollen. Anhand von Einwohnerzahlen würden die eigentlich benötigten Plätze für schutzbedürftige Frauen berechnet – für den Landkreis Lörrach sind es 59.

Wie wird die Anonymität des Hauses garantiert?

Da die Telefonnummer des Frauenhauses öffentlich bekannt ist, sei das immer der erste Anlaufpunkt für Kontaktaufnahmen des Umkreises der Frau. Eine Telefonbarriere soll in dem Fall Abhilfe schaffen. Die Frauen sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie mit ihren Männern sprechen wollen. Außerdem gäbe es Sicherheitsvorkehrungen, in Form von Videosprechanlagen oder Ähnlichem. Menschen, die das Haus von extern betreten, müssen eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Kleine Sicherheitskonzepte sollen Frauen auf den möglichen Ernstfall, dass der Misshandler sie ausfindig macht, vorbereiten. In manchen Fällen, wie Gerichtsterminen, sei das Aufeinandertreffen unausweichlich. Ausfindig gemachte Frauen würden dann an ein anderes Frauenhaus weitervermittelt.

Wie wird den Frauen im Frauenhaus geholfen?

In erster Linie erhalten Frauen Schutz. Sie können in Ruhe nächste Entscheidungen planen und sich geborgen fühlen, erklärt Throm. Die Mitglieder von FhF stehen zudem mit psychosozialer Beratung zur Seite. "Der Unterschied ist wichtig: Wir sind keine Psychologinnen oder Therapeutinnen, sondern Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen", erklärt Throm. Ziel dieser psychosozialen Beratung sei, die Frauen in ihren Handlungsmöglichkeiten zu beraten, sie zu stabilisieren, um eigenständige Entscheidungen zu treffen. Viele Frauen, die ins Frauenhaus kommen, seien durch verbale und physische Gewalt in einem Zustand, in dem sie sich nichts zutrauen, unselbständig und eingeschüchtert sind. In moderierten Gruppen gäbe es zudem die Möglichkeit, sich mit den anderen Frauen auszutauschen.

Wie lange können die Frauen bleiben?

Im Gegensatz zu anderen Frauenhäusern in Deutschland gebe es in Lörrach keine maximale Aufenthaltsdauer, sagt Throm. Die Länge des Aufenthaltes sei stark von den individuellen Bedürfnissen der Frauen abhängig. Von einer Nacht bis zu einem Dreivierteljahr oder länger, gibt es eine breite Spanne. Faktoren, die die Dauer beeinflussen, seien die Dauer der Krise, der Wohnungsmarkt, die Sprachkompetenz und äußere Bedingungen.

Wie wird das Frauenhaus finanziert?

Generell greife hier die Tagessatzfinanzierung, so Throm. Für jede Frau erhält das Frauenhaus Unterkunft- und Betreuungskosten vom Landkreis. Diese würden zwar einen Großteil finanzieren, aber werden nur bei Frauen gezahlt, die einen Anspruch darauf haben. Das schließe zum Beispiel Frauen aus, die noch nicht lange genug in Deutschland leben, illegal oder als Zwangsprostituierte gearbeitet haben. Für diese Frauen würden die Unterkunftskosten vom Verein übernommen. Für Neuanschaffungen könne beim Land jährlich ein Zuschlag beantragt werden, der dennoch einen Eigenanteil fordere. Spenden von Unternehmen und Privaten sowie Zuschüsse der Gemeinden bilden die dritte Finanzierungssäule. Generell sei der Haushalt nie komplett sicher, so Throm, da vor allem der Tagessatz von wirtschaftlichen Bedingungen des Kreises abhängig sei. "Wir finden grundsätzlich, dass die Finanzierung der Frauenhäuser in die öffentliche Hand gehört. Gewaltschutz geht nämlich uns alle an."

Wie alt sind die Frauen im Haus?

Aufgenommen werden Frauen ab 18 Jahren, doch generell lasse sich Betroffenheit von Gewalt nicht am Alter eingrenzen. Nur pflegebedürftige Frauen könne man nicht aufnehmen, da die Frauen im Haus sich selbst versorgen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Neben doppelt so vielen Plätzen gebe es im nächsten Jahr, nach Abschluss der Umbauarbeiten, auch Platz für eine Frau mit Handicap oder eine Seniorin, da es ein ebenerdiges, barrierefreies Apartment gibt. Durch ein angegliedertes Zusatzzimmer, können auch Frauen mit jugendlichen Söhnen, die älter als 13 Jahre sind, einziehen. Damit seien drei aktuelle Zugangsbeschränkungen aufgehoben. "Wir gehen von einer hohen Nachfrage auch für diese Frauengruppen aus", sagt Throm. Zudem böten veränderte Bürostrukturen auch genügend Zimmer für die Beratung von doppelt so vielen Frauen.

Spendenkonten "Hilfe zum Helfen":
Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
IBAN: DE 25683500480001008820,
Volksbank Dreiländereck

IBAN: DE95683900000000003131