Nachrichten, die ins Ohr gehen

Pascal Lienhard

Von Pascal Lienhard

Di, 13. Juni 2017

Gottenheim

Für Sehbehinderte gibt es vorgelesene BZ-Artikel auf CD.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Die meisten BZ-Abonnenten erwarten in ihren Briefkästen täglich eine gedruckte Zeitung. Blinde und sehbehinderte Menschen bekommen die Badische Zeitung zwar auch in den Briefkasten, allerdings nur einmal pro Woche und nicht auf Papier, sondern auf CD. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden (BSVSB) macht das gut zwei Dutzend Interessierten möglich.

"Es sind Menschen mit Sehbehinderung auf uns zugekommen und haben erklärt, dass sie das Gedruckte nicht mehr lesen können", erklärt Mischa Knebel, Geschäftsführer des BSVSB. "Eine Tageszeitung ist für viele das A und O. Da haben wir überlegt, wie wir helfen können." Das Projekt startete 2001, damals wurden Artikel noch auf Kassette aufgesprochen. Das hatte Nachteile: "Wir mussten eine Wocheneinheit in 90 Minuten unterbringen", sagt Knebel. 2008 wechselte der Verein zu CDs.

Für das Projekt braucht es engagierte Menschen. "Den allergrößten Anteil stemmen sogenannte Aufleser, die ehrenamtlich tätig sind", informiert Knebel. Sechs Aufleser hat der BSVSB allein für die BZ-Ausgabe Freiburg-Stadt. Eine davon ist Theresia Ott aus Gottenheim. Sie liest seit 2009 Artikel. Mit fünf anderen wechselt sie sich wöchentlich mit den Aufnahmen ab. Was aufgesprochen wird, entscheiden die Ehrenamtlichen selbst. Die einzige Vorgabe ist, dass Nachrichten aus der Region im Mittelpunkt stehen sollen. Eine Schwierigkeit: Da die Artikel eine ganze Woche abdecken, sind einige schnell nicht mehr aktuell. Gerade am Anfang sei das sehr schwierig gewesen, findet Ott.

Das Engagement nimmt viel Zeit in Anspruch, ein Großteil der Aufleser für die BZ sind Pensionäre. "Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist, das mit einem Beruf zu verbinden", meint Ott. "Wir haben auch einen jungen Lehrer in unseren Reihen, auf den nehmen wir etwas Rücksicht." Wenn sie selbst dran ist, liest sie anderthalb bis zwei Stunden täglich.

Die technischen Geräte stellt der Verein, das Kopieren und den Versand übernimmt die Hauptstelle. Der BSVSB nutzt wiederbeschreibbare CDs und verschickt sie in speziellen Versandboxen portofrei als Blindensendung. Wenn die Nutzer die CDs gehört haben, gehen sie zurück an den Verein. Dafür sind an den Versandboxen Adress-Karten angebracht, die gewendet werden können. Auf der einen Seite ist die Adresse der Abonnenten, auf der anderen die des Vereins. Links unten wird ein Stück des Zettels abgeschnitten, so fällt die Orientierung leichter.

Margret Dubaschny aus Kirchzarten nutzt das Angebot seit rund zehn Jahren. Sie ist stark sehbehindert. "Ich will informiert bleiben", sagt sie. "Meist höre ich die gesamte CD an. Ansonsten habe ich Angst, was zu verpassen", fügt sie lachend hinzu. Und man könne ja auch mal weiterschalten.

Resonanz oder Verbesserungswünsche gibt es selten. "Bei einem Treffen mit Abonnenten meinte mal eine Person, dass es zu wenig Sportnachrichten gebe", erinnert sich Ott. "Jetzt lese ich öfter was vom SC Freiburg vor." Zufrieden scheinen die Nutzer zu sein: "Eine Abonnentin hat mir mal gesagt, dass sie so froh sei, dass es uns gibt", freut sich Ott. So sorgen die Aufleser dafür, dass die Nutzer jede Woche eine Postsendung voller Neuigkeiten erhalten.

Info: Sehbehinderte oder blinde Personen, die das Angebot testen wollen, können eine kostenlose Probenummer beim BSVSB beantragen. Ein Jahresabonnement mit 51 Ausgaben kostet 35 Euro (in der Weihnachtswoche gibt es keine Ausgabe). Weitere Informationen zu diesem Angebot und dem Verein gibt’s im Internet unter der Adresse

http://www.bsvsb.org