Große Melodiebögen tragen das Konzert

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 17. September 2019

Offenburg

Zipflo Reinhardt und Band sorgen für einen vollen Stiftskeller.

LAHR. Volles Haus beim Jazz im Stiftsschaffneikeller. Die neue Saison startet der Lahrer Kulturkreis hochkarätig besetzt mit Zipflo Reinhardt und Band. Eine große Fangemeinde zieht der fast 70-jährige Jazzgeiger an, der – über Umwege – mit dem legendären Gitarristen Django Reinhardt verwandt ist.

Zuweilen – zum Beispiel beim Klassiker "Polka Dots and Moonbeams" – zupft Zipflo (der eigentlich auf den Vornamen Josef getauft ist) auch die Saiten, doch generell ist sein Sound geprägt von weichem, zuweilen elegischem Streichersound. Nicht energetischer Gypsy-Swing, sondern Fusion-Jazz mit großen Melodiebögen sind Reinhardts Metier. Fast gleichberechtigt agiert auf der Bühne Andy Herrmann an E-Piano und Flügel. Auch er ein Jazzer mit viel Gefühl, der sich selbstlos in Akkordbegleitungen zurückziehen kann, aber auch mitreißend auftrumpfen in Improvisationen, die klassische Elemente genauso souverän einbeziehen wie kleine elektronische Tricks, die dem E-Piano Hammondorgel-Schmacht entlocken. Musikalisch gut begründet wechselt Herrmann, Professor an der Musikhochschule in Luzern, vom Flügel zum E-Piano und zurück, die meisten Soli erklingen akustisch. Auf Versatzstücke braucht Herrmann nicht zurückzugreifen, Ideen hat er selbst genug. Zusammen mit Schlagzeuger Matthias Daneck und Bassist German Klaiber bildet Herrmann eine der Formationen, mit denen Zipflo Reinhardt regelmäßig unterwegs ist. Abstimmungen untereinander erfordern nur ein Zucken der Augenbraue – man versteht sich. Kein Wunder, dass Reinhardt glänzend aufgelegt ist an diesem Abend und am Ende gar ins Plaudern kommt.

Bassist Klaiber – Professor an der Jazz- und Rockschule Freiburg und Dozent an der Musikhochschule Trossingen – hält sich weitgehend im Hintergrund mit soliden, unaufgeregten, aber nie langweiligen tiefen Tönen von Kontrabass und E-Bass. Matthias Daneck hat, kurz bevor er als Schlagzeuger Ute Lemper zu Konzerten in New York begleitet, gerade noch Zeit, um – nicht zum ersten Mal – im Stiftsschaffneikeller seine ausgefeilten Rhythmen vorzuführen an einem Drum-Set, das ohne Gimmicks auskommt. Braucht der Mann einfach nicht, weil seine überraschenden Akzentverschiebungen ebenso puristisch wie effektiv sind. Mit "Summertime" als Zugabe verabschieden sich Reinhardt und Band nach zwei Stunden Konzert von einem begeisterten Publikum.