Zugverkehr

Gundelfingen fordert Land auf, Breisgau-S-Bahn wieder halbstündlich halten zu lassen

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Di, 12. Januar 2021 um 20:45 Uhr

Gundelfingen

In einer Resolution kritisiert die Gemeinde das Verkehrsministerium scharf. Denn seit dem Fahrplanwechsel sind unter anderem Richtung Freiburg 17 Halte weggefallen.

Die Gemeinde Gundelfingen macht sich dafür stark, dass die S-Bahnen in Gundelfingen wieder im Halbstundentakt halten. In einer Resolution fordert der Gemeinderat das Verkehrsministerium des Landes auf, die Streichungen "unverzüglich" zurückzunehmen. "Es kann nicht sein, dass das Land große Summen in die Elektrifizierung der Elztalbahn und eine Verbesserung der Barrierefreiheit investiert und die Züge dann an den Bürgerinnen und Bürgern vorbeifahren! Eine umgekehrte Verkehrswende vom ÖPNV zurück zum Auto kann nicht die Lösung dieser Tage sein", heißt es in der Resolution. Die verschlechterten Zugverbindungen hätten das Vertrauen der Pendlerinnen und Pendler Gundelfingens in die Landesregierung nachhaltig erschüttert.

"Eine umgekehrte Verkehrswende vom ÖPNV zurück zum Auto kann nicht die Lösung dieser Tage sein." Raphael Walz, Bürgermeister
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember halten weniger S-Bahnen im Ort. Werktags fallen 17 Verbindungen in Richtung Freiburg und 19 Verbindungen in Richtung Denzlingen weg. Auch am Wochenende halten weniger S-Bahnen in Gundelfingen. Das Land begründete die Entscheidung, den Bahntakt auszudünnen, mit der Umrüstung der Züge. An die neuen S-Bahnen seien ausfahrbare Spaltüberbrückungen montiert worden, um den Einstieg zu erleichtern. Um diese aus- und einzufahren, müssten die Züge allerdings länger im Ort halten. Weil sie so aufgrund des engen Taktes auf der "überlasteten Rheintalstrecke" nachfolgende Regionalbahnen und ICEs abbremsen würden, müssten einige Haltestellen gestrichen werden, sagte ein Sprecher des Ministeriums der BZ. Überdies sei Gundelfingen durch die Regionalbahn und die S-Bahn überdurchschnittlich gut ans Schienennetz angebunden.

Gemeinderat: Argumente des Landes nicht stichhaltig

Rat und Verwaltung bezeichnen in der Resolution die vorgetragenen Begründungen als nicht stichhaltig. Die Entscheidung des Landes sei "ein Schlag ins Gesicht. Die Verbindungen der Elztalbahn müssen ausgebaut und nicht verringert werden". Schließlich strenge sich die Gemeinde an, die Menschen vom Umstieg auf den ÖPNV zu überzeugen. Sie investiere jährlich mehr als 200 000 Euro in den Busverkehr und beteilige sich über die Kreisumlage an den Investitionen für den Schienenverkehr. Weil immer mehr Gundelfinger aufs Rad umsteigen würden, habe der Autoverkehr im Ort leicht reduziert werden können.

Überdies sei die Verringerung der Zugverbindungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ein "gesundheitspolitischer Skandal". In den ohnehin zu vollen Zügen könnten die zwingend notwendigen Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Nachdem die Elztalbahn durch den Einsatz längerer Züge ein wenig Abhilfe geschaffen habe, würden die Bemühungen nun völlig konterkariert.

Bürgermeister fühlt sich "abgewatscht"

Um eine Lösung zu finden, soll Verkehrsminister Winfried Herrmann zur nächsten öffentlichen Verbandsversammlung des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg eingeladen werden, kündigte Bürgermeister Raphael Walz an, der sich nach den bisherigen Gesprächen mit Ministerialdirektor Uwe Lahl "abgewatscht gefühlt" habe.