Gundelfingen verteilt Gratis-Masken an Bürger

Andrea Gallien und Manfred Frietsch

Von Andrea Gallien & Manfred Frietsch

Do, 21. Januar 2021

Schallstadt

Wie reagieren Gemeinden im Breisgau auf diesen Vorstoß?.

. Wer Bus oder Bahn fährt oder in einem Geschäft einkaufen will, muss künftig einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen. Erlaubt sind die günstigen OP-Masken und die teureren FFP-2-Masken. Letztere bietet die Gemeinde Gundelfingen für Menschen,
die älter als 60 Jahre sind, nun kostenlos an. Ein Vorbild für andere Gemeinden in der Region Freiburg? Die BZ hat in einigen Rathäusern nachgefragt.

Schallstadts Bürgermeister Sebastian Kiss kann das Vorgehen seines Gundelfinger Kollegen Raphael Walz nachvollziehen, auch wenn die Maskenbeschaffung nicht zum Aufgabenbereich der Gemeindeverwaltung gehöre. Wenn Schallstadt ebenso handeln könnte, hätte er sich auch aus ethischer Sicht wohler gefühlt, sagt Kiss, denn es sei Wunsch der Gemeinde, die Menschen zu schützen, die das größte Risiko tragen.

Schallstadt habe Ende vergangenen Jahres die Möglichkeit gehabt, eine größere Menge FFP-2-Masken anzuschaffen, davon aber Abstand genommen: zum einen aus Kostengründen, auch weil die Apotheken und Krankenkassen Menschen über 60 und Risikopatienten mit einem Angebot an FFP-2-Masken versorgen, vor allem aber deshalb, weil sich die Gemeinde logistisch nicht in der Lage sah und sieht, die Masken zu verteilen, ohne "eine neue Engstelle zu schaffen, die das Infektionsrisiko wiederum erhöht hätte". Der Zugang zum Bürgerbüro sei eng, so Kiss, und da dort nur ein Angestellter beschäftigt sei, könne es im Vorraum leicht zu einer nicht gewünschten Ansammlung von Menschen kommen. Im neuen Rathaus, hofft er, werde sich die Situation entspannen, aber das ist ja noch im Bau.

Die Gemeinde Ehrenkirchen hat auch einen Vorrat an FFP-2-Masken, allerdings zur Versorgung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, den Kitas und der Feuerwehr. Eine Versorgung bestimmter Alters- oder Risikogruppen in der Bevölkerung sei in Ehrenkirchen nicht geplant, zumal diese derzeit über Krankenkassen und Apotheken vergünstigt Zugriff auf ein bestimmtes Kontingent an FFP-2-Masken haben. Noch im Dezember, so Hauptamtsleiter Christoph Blattmann, habe die Gemeinde 2000 FFP-2-Masken nachgeordert.

Ehrenkirchen war wie andere Gemeinden, aber auch Kliniken, Apotheken und Pflegedienste im März 2020, als der Mangel an Masken und Desinfektionsmitteln groß war, unter das Dach des neu gebildeten Amtes für Notfallvorsorge der Stadt Freiburg und des Landkreises geschlüpft. Dieses hat selbst Material geordert und weiteres aus Landesbeständen zugewiesen bekommen. Die Vorräte dort seien noch groß genug, sagt Blattmann, und auch, wenn es andernorts mittlerweile vielleicht günstigere Angebote gebe, "bleiben wir aus Solidarität dabei".

In Umkirch werden zu den Sitzungen des Gemeinderates inzwischen jeweils FFP-2-Masken an die Räte und die teilnehmenden Vertreter der Verwaltung verteilt. "Wir haben einen ganzen Schwung bestellt und setzen sie auch im Rathaus und bei der Notbetreuung in den Kindergärten ein", erklärt Hauptamtsleiter Marcus Wieland. Die meisten Ratsmitglieder – wenn auch nicht alle – behielten die Masken während der Sitzung im Bürgersaal auf und nähmen sie nur ab, wenn sie selbst sprechen. Besucher der Sitzungen seien aufgefordert, eigene Masken mitzubringen, inzwischen möglichst OP-Schutzmasken. "Zwingen können wir allerdings niemand", erklärt Wieland.

Eine Ausgabe von FFP-2-Masken an Teile der Bevölkerung sei bisher kein Thema. Das müsste wohl auch der Gemeinderat beschließen. Im Frühjahr 2020 startete die Gemeinde zusammen mit dem DRK-Ortsverein eine groß angelegte Initiative zur Herstellung von Stoffmasken und ihrer flächendeckenden Verteilung an alle Bürger von 70 Jahren an, "da war Umkirch Vorreiter, es gab ja damals fast nirgends Masken", berichtet Wieland.

Bötzingen streicht Bürgerfragestunde

Auch in March werden inzwischen FFP-2-Masken an die Teilnehmer der Gemeinderatssitzungen verteilt. In Eichstetten gab es schon bei der Sitzung vor Weihnachten OP-Schutzmasken für alle Besucher der Sitzungen, auch für Zuhörer. Nicht so in Bötzingen, wo alle Teilnehmer ihre Masken selbst mitbringen und während der Sitzung in der Festhalle auch aufbehalten. Dort wurde jetzt auch die Bürgerfragestunde gestrichen. Bürgermeister Dieter Schneckenburger begründete dies damit, dass man die Sitzungsdauer so kurz wie möglich halten wolle. Bürgerfragen könnten an ihn zu den Sprechzeiten im Rathaus gerichtet werden.

In den anderen Gemeinden werden die Bürgerfragestunden noch beibehalten. In Merdingen bringen die Besucher der in der Festhalle ausgerichteten Sitzung ihre eigenen Masken mit. Da die Sitzabstände sehr groß sind und die Halle regelmäßig gelüftet werde, nähmen viele Teilnehmer die Masken an ihren Sitzplätzen wieder ab, hat Hauptamtsleiter Dietmar Siebler beobachtet.

Wie in Merdingen ist auch in Gottenheim derzeit nicht daran gedacht, Masken seitens der Gemeinde an die Bevölkerung zu verteilen. Ein solcher Wunsch sei bisher auch nicht an das Rathaus gerichtet worden, erklärt Bürgermeister Christian Riesterer. Für die Gemeinderäte, die Verwaltungsmitarbeiter und auch für die Helfer zur Landtagswahl habe man FFP-2- und OP-Masken zur kostenlosen Verteilung auf Lager.