"Gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich und notwendig"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mi, 07. Oktober 2020

Gundelfingen

BZ-INTERVIEWmit Ursula Simon-Fahrner vom Gundelfinger Chor Cantemus, der für befreundete Musiker 3000 Euro gesammelt hat.

. Von der Corona-Krise sind viele freischaffende Künstler besonders hart betroffen. Musiker können nicht mehr auftreten und stehen plötzlich ohne Einnahmen da. Der Kammerchor Cantemus aus Gundelfingen hat nicht nur Mitgefühl mit den Musikern, sondern handelte mit einem Spendenaufruf. Vorsitzende Ursula Simon-Fahrner erzählte Andrea Steinhart von der Hilfsaktion.

BZ: Frau Simon-Fahrner, die Mitglieder Ihres Kammerchors haben 3000 Euro für befreundete Solisten und Musiker, mit denen der Chor sonst auftritt, gesammelt. Überrascht Sie der hohe Spendenbetrag?

Simon-Fahrner: Das Engagement unserer Mitglieder überrascht mich überhaupt nicht. Unsere Chorgemeinschaft ist nicht nur auf musikalischer Ebene darauf ausgerichtet, einem Projekt dadurch zum Erfolg zu verhelfen, dass jeder Einzelne das Beste in die Gemeinschaft einbringt, was ihm oder ihr möglich ist. Wir fühlen uns füreinander verantwortlich und sind uns dessen bewusst, dass dieser Zusammenhalt eine der Voraussetzungen für die Umsetzung unserer Ziele ist. Es war uns eine Herzensangelegenheit, die Menschen zu unterstützen, die zu unseren Erfolgen beitragen und in diesen Zeiten schweren Herausforderungen gegenüberstehen.

BZ: In welcher Situation haben Sie und Ihre Mitglieder gemerkt, dass Sie helfen müssen?

Simon-Fahrner: Das hat sich schon sehr schnell ergeben. Schon zu Beginn der Pandemie war uns klar, dass wir nur gemeinsam dafür sorgen können, diese Zeiten zu überstehen und dass gegenseitige Hilfe selbstverständlich und notwendig ist.

BZ: Auf was musste der Kammerchor wegen der Corona-Pandemie verzichten?

Simon-Fahrner: Wir haben ein Highlight unserer Aktivitäten, auf das wir uns immens gefreut hatten, und das bereits weitgehend organisiert war, verschieben müssen. Daniel Roth, einer der bedeutendsten Organisten Frankreichs und Organist in St. Sulpice in Paris, hatte uns eingeladen, die Messe in D von Dvorak im Juni aufzuführen. Man kann sich vorstellen, dass diese Absage große Enttäuschung ausgelöst hat. Wir hoffen aber, im nächsten Jahr die Gelegenheit zu haben, das Konzert nachzuholen. Außerdem mussten wir natürlich alle anderen geplanten Aktivitäten streichen, die Teilnahme am Open-Air-Chorfest der Kulturen und unser Weihnachtskonzert gehörten auch dazu.

BZ: Wissen Sie, wie es für Ihren Kammerchor weitergeht? Proben Sie inzwischen wieder?

Simon-Fahrner: Wir haben bereits Anfang September mit dem Probenbetrieb begonnen, natürlich angepasst an die Bedingungen der Pandemie. Das heißt, wir proben in kleinen Gruppen, drei Gruppen pro Abend, in unserem Probelokal. Die restlichen Chormitglieder haben die Möglichkeit, sich per Zoom online an den Proben zu beteiligen. Sie erhalten von unserem Chorleiter Bernhard Schmidt das jeweilige Programm per Mail zugesendet und können so den Inhalt der Probe vor- und nachbereiten. Natürlich spielt das Singen aufgrund der Hygiene-Maßnahmen dabei eine untergeordnete Rolle. Ich denke, wir können auf diese Weise eine kritische Situation nutzen, um die Qualität des Chores optimierende Techniken gewinnbringend zu trainieren und so die Qualität unserer Arbeit zu verbessern.

Ursula Simon-Fahrner (65) ist seit April 2019 Vorsitzende des Gundelfinger Kammerchors Cantemus.