Landkreis Waldshut

Gutachten sieht keinen Bedarf für einen Rettungsheli in Rickenbach

Michael Krug

Von Michael Krug

Di, 28. Juli 2020 um 14:29 Uhr

Rickenbach

Jahrelang bemühte sich die Björn-Steiger-Stiftung um einen neuen Standort für einen Rettungsheli in Rickenbach. Nach Veröffentlichung eines neuen Gutachtens sinken die Chancen jetzt auf Null.

Das Papier spricht die Empfehlung aus, den aktuell in Freiburg stationierten Hubschrauber auf eine Achse Kirchzarten-Todtnau zu verlegen. Einen zusätzlichen Standort, von dem aus ein Hubschrauber 24 Stunden aktiv werden kann, soll es dafür im Raum Ludwigsburg geben.

Mit der Verlegung des Rettungshubschraubers Christoph 54, der auf dem Flugplatz Freiburg stationiert ist und außerdem als Intensivtransporthubschrauber landesweit genutzt wird, soll die "Grundversorgung in den südlichen Landkreisen Lörrach und Waldshut" sichergestellt werden. Dafür muss das Rettungsmittel "im Bereich der Achse Kirchzarten-Todtnau" stationiert werden, heißt es in der "Struktur- und Bedarfsanalyse der Luftrettung in Baden-Württemberg". Das Gutachten hat das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement am Klinikum der Uni München erstellt.

Rund ein Fünftel aller Einsätze im Land Baden-Württemberg wurden in den vergangenen Jahren von Stationen außerhalb des Landes geflogen – etwa aus der Schweiz oder aus Bayern. "Die Struktur der Luftrettung muss so geschaffen sein, dass eine Grundversorgung der Notfälle tagsüber auch ohne Luftrettungsmittel aus benachbarten Ländern sichergestellt ist", heißt es dazu im Gutachten.

Dazu soll es auch neben dem erst vor zwei Jahren genehmigten 24-Stunden-Hubschrauber in Villingen-Schwenningen einen weiteren bei Ludwigsburg geben ("Christoph 51"). Außerdem empfiehlt das Gutachten, zwei neue Standorte für Rettungshubschrauber zu eröffnen. Den einen sieht das Gutachten in Osterburken (Neckar-Odenwald-Kreis), den anderen im Raum Lahr. Leonberg soll seinen bisherigen Hubschrauber an die Region Tübingen verlieren.

"Das Gutachten bestätigt unsere Kritik an der Gesamtsituation der Luftrettung in Baden-Württemberg" Ulrich Schreiner
"Das Gutachten bestätigt unsere Kritik an der Gesamtsituation der Luftrettung in Baden-Württemberg", sagt dazu Ulrich Schreiner, Geschäftsführer der Björn-Steiger-Stiftung Luftrettung gGmbH. Die hatte sich seit März 2016 darum bemüht, auf dem Flugplatz Hütten-Hotzenwald einen 24-Stunden-Intensivtransporthubschrauber zu installieren.

Die Steiger-Stiftung argumentierte mit den Hilfsfristen, deren Einhaltung im Landkreis Waldshut landesweit zu den schlechtesten zählen. Dem wollte die Stiftung entgegenwirken, indem sie auf dem Flugplatz der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald einen Rettungshubschrauber positioniert. Der Verein hatte daraufhin eine Umwidmung des Geländes zum Sonderflugplatz angestrengt, was ihm vom Regierungspräsidium Freiburg auch genehmigt wurde.

Vorschlag für einen Probebetrieb kam nicht zum Tragen

Das Ergebnis des Gutachtens bestätige zwar die Mängel in der Luftrettung, aber von einem neu zu schaffenden Standort Rickenbach ist überhaupt keine Rede. Daher kündigt Schreiner auch das Ende der Bemühungen der Steiger-Stiftung an. "Wir werden uns nicht mehr mit dem Thema Luftrettung in Baden-Württemberg beschäftigen", sagt Schreiner. Das Unternehmen hatte noch im Frühjahr 2019 dem Regierungspräsidium Freiburg einen Probebetrieb vorgeschlagen, um aktuelle Zahlen zu erhalten. Dieser Vorschlag kam nicht zum Tragen.

Bis vor zwei Jahren war in Baden-Württemberg noch kein Rettungshubschrauber im 24-Stunden-Einsatz tätig. Für Krankentransporte in der Nacht mussten regelmäßig Hubschrauber aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz oder meistens aus der Schweiz einfliegen. Vor zwei Jahren dann bekam Villingen-Schwenningen den Zuschlag für den ersten 24-Stunden-Hubschrauber im Land.