Artemed Kliniken Freiburg

Hallux was? - Wie moderne Fußchirurgie dem Leiden ein Ende setzt

Di, 14. September 2021 um 11:46 Uhr

Anzeige 28 Gelenke, 60 Muskeln, mehr als 100 Bänder und Sehnen – was nach einem Wunderwerk klingt, trägt uns gleich im Doppelpack durchs Leben. Aber was, wenn das Zusammenspiel aus dem Tritt gerät?

"Tatsächlich ist der Anteil von Fußpatienten, die wir in der Orthopädie und Orthopädischen Chirurgie sehen, sehr hoch", weiß Dr. Charlotte Hase, seit dem 1. Oktober 2021 Chefärztin der Fußchirurgie am Zentrum für Orthopädische Chirurgie im Loretto-Krankenhaus Freiburg. "Zum einen liegt das an der hohen Last, die die Füße täglich tragen müssen, den häufigen anlagebedingten Fehlstellungen, der Entwicklung von Arthrose (Verschleiß), überlastungs- oder unfallbedingten Problemen und dem komplexen Aufbau des Fußes. Zum anderen ist der Leidensdruck natürlich sehr hoch, wenn das Gehen Probleme verursacht." Die sorgfältige klinische Untersuchung und Analyse der bildgebenden Verfahren sind dann das A und O. Oftmals können Fußbeschwerden auch Ursache für statische Probleme des Beckens, der Knie oder auch der Wirbelsäule sein.

"Dass in unserem Zentrum Spezialisten für alle Bereiche des Bewegungsapparats zusammenarbeiten, ist hier ein immenser Vorteil", so die Einschätzung der Expertin. "So können wir vieles auf kurzem Wege interdisziplinär besprechen, ohne den Patienten von Anlaufstelle zu Anlaufstelle schicken und damit den Leidensweg weiter verlängern zu müssen."

Ist das Problem identifiziert, gelingt es oftmals, die Beschwerden durch gezielte krankengymnastische Übungen sowie die Verordnung von aktivierenden oder auch stützenden Einlagen zu beseitigen. "Wir beginnen immer bei der am wenigsten invasiven Maßnahme", erklärt Dr. Charlotte Hase. Sind allerdings alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft, ist die operative Therapie die einzig sinnvolle Lösung, um Beschwerden dauerhaft zu Leibe zu rücken. Dies gilt auch für eines der häufigsten Krankheitsbilder in der Fußchirurgie in der Klinik auf dem Lorettoberg: dem Spreizfuß mit Hallux valgus.

Hallux valgus oder Ballenzeh nennen Mediziner eine Deformation der Großzehe, der im Krankheitsfall im Grundgelenk zum Fußrand hin abweicht. Typisch ist die kontinuierliche Zunahme der Fehlstellung unter Aufspreizung der ersten beiden Mittelfußknochen: die Entwicklung eines Spreizfußes. Dadurch kommt es zu einem übermäßigen Sehnenzug in Richtung Kleinzehen auf die große Zehe. Der Ballenzeh entsteht in den meisten Fällen aufgrund erblicher Veranlagung. Betroffen sind dabei in erster Linie Frauen – auch weil sie im Vergleich zu Männern ein etwas schwächeres Stütz- und Bindegewebe haben und sich die Knochen bei ihnen entsprechend leichter verschieben können. Zu enge und zu hohe Schuhe können das Problem verstärken, sind aber – auch wenn ihnen dieser Ruf fälschlicherweise vorauseilt – nie der alleinige Auslöser.

Der Leidensdruck ist oftmals enorm, denn ein ausgewachsener Ballenzeh sieht nicht nur unschön aus, sondern schmerzt bei jedem Schritt. Der Druck von Schuhen auf das verschobene Gelenk führt zu Reizungen und Schwellungen. Da der erste Mittelfußknochen nicht mehr den vorgesehenen Anteil an Last tragen kann, kommt es zudem zur Überlastung des zweiten und dritten Mittelfußköpfchens und zu einer schmerzhaften Metatarsalgie (Mittelfußschmerz). Auch Schleimbeutelentzündungen können die Folge sein.

Für Dr. Charlotte Hase ist die Therapie des Spreizfußes mit Hallux valgus Routine: "Den Gang zum Arzt muss hier wirklich niemand scheuen – im Gegenteil: In den allermeisten Fällen bereuen es die Patienten, die Behandlung ihres Ballenzehs nicht schon viel früher angegangen zu haben." Haben Einlagen, geeignetes Schuhwerk oder Gymnastik der Fehlstellung nichts mehr entgegenzusetzen, kommen je nach Ausprägung unterschiedliche operative Optionen zur Anwendung, mehr als 100 verschiedene an der Zahl! Um hier die richtige auszuwählen, ist Expertenwissen gefragt – wie das von Dr. Charlotte Hase. "Es ist wirklich fantastisch, auf was für ein breites Spektrum wir in diesem Fachgebiet zugreifen können", freut sich die Chefärztin. Anbieten kann sie ihren Patienten im Freiburger Loretto-Krankenhaus quasi alles, allerdings wäre sie nicht Chirurgin mit Leib und Seele, hätte nicht auch sie ihre "Lieblinge" unter den Eingriffen: "Wir wenden sehr oft die Operationstechnik nach Austin/Chevron, auch subcapitale Verschiebeosteotomie oder "kleine OP" genannt, an. Dabei wird der erste Mittelfußknochen unterhalb des Gelenkköpfchens durchtrennt, das Gelenk wieder in die korrekte Stellung verschoben und die überstehenden Knochenteile entfernt. So können wir die Gelenkfunktion quasi wiederherstellen. Bei einem sehr ausgeprägten Hallux valgus ist die Operationstechnik nach Lapidus (TMT-I Arthrodese oder "große OP") sehr bewährt: Dabei wird eine Stabilisierung bzw. Verschraubung im Übergang vom Mittelfuß zur Fußwurzel vorgenommen – so können auch sehr große Winkel des Spreizfußes korrigiert werden."

Zum Spektrum der elektiven Fußchirurgie gehören außerdem die Behandlung von Hammerzehen, Arthrose vom Großzehengrundgelenk bis zum oberen Sprunggelenk, der Knick-Senkfuß von Jugendlichen bis Erwachsenen, Hohlfuß, Sichelfuß, rheumatische Deformitäten, Revisionen nach vorangegangenen Operationen oder Unfällen und Schäden an Sehnen und Weichteilgewebe.

Dann ist es am Fuß, zu heilen – einige Wochen, bis eine Belastung wieder gut möglich ist, bis zu 6 Monaten, bis der Fuß wieder uneingeschränkt beansprucht werden kann. "Nach Jahren endlich wieder schmerzfrei gehen zu können – das wird sich anfühlen wie der sprichwörtliche Gang auf Wolken," verspricht Dr. Charlotte Hase – und freut sich Tag für Tag, wie das kleine Wunderwerk Fuß ihren Patienten so große neue Lebensqualität bieten kann.
Über das Loretto-Krankenhaus Freiburg
1921 von den Schwestern vom hl. Josef gegründet, ist das Loretto-Krankenhaus heute ein wichtiger Teil einer hochqualitativen Patientenversorgung im Großraum Freiburg. Die Klinik genießt über die Grund-, Regel- und Notfallversorgung hinaus ein weit überregionales Renommee in den hochspezialisierten Zentren für Orthopädische Chirurgie und Urologie – eingebettet in ein breites Fachspektrum mit leistungsstarker Innerer, Geriatrischer, Anästhesie- und Intensivmedizin. Seit Oktober 2020 gehört das Loretto-Krankenhaus zur Artemed-Gruppe.

Mehr Informationen finden Sie auf https://www.lorettokrankenhaus-freiburg.de/.